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Adressat unbekannt

Kathrine Kressmann Taylor
Adressat unbekannt
Aus dem Amerikanischen von Dorothee Böhm; Vorwort von Elke Heidenreich
Rowohlt Verlag, Reinbek 2002; Dt. Erstausg. 2000; Amerik. Originalausg. 1938
68 S.; HC 8,50 €; TB 4,90 €

ab 16 Jahre


„Adressat unbekannt", 1938 im New Yorker Story Magazine erstmals veröffentlicht, ist ein literarisches Meisterwerk von beklemmender Aktualität. Gestaltet als Briefwechsel zwischen einem Deutschen und einem jüdischen Amerikaner, zeigt dieser kurze Roman die dramatische Entwicklung einer Freundschaft in den Monaten um Hitlers Machtergreifung.

Max Eisenstein und Martin Schulze sind alte Freunde und gemeinsame Besitzer einer Kunstgalerie in San Francisco. Auch Martins Heimkehr nach Deutschland kann dem innigen Verhältnis nichts anhaben, wie der erste Briefwechsel der beiden Ende 1932, zu zeigen scheint. Aber im Laufe weniger Monate und Briefe ist Martin nicht mehr wiederzuerkennen: Er ist in die NSDAP eingetreten, hat bereits eine Nazi-Karriere gemacht und verbittet sich jede weitere Korrespondenz mit seinem jüdischen Freund. Max kann diesen Wandel nicht verstehen, trotzdem wendet er sich nochmals an Martin, als ein Brief an seine in Berlin lebende Schwester Griselle mit dem Stempel „Adressat unbekannt" zurückkommt. Inständig bittet er seinen alten Freund, Griselle zu suchen und sie zu beschützen. Er erhält eine erschütternde, nüchterne Antwort: Griselle war nach München geflüchtet, doch Martin verweigerte seiner ehemaligen Geliebten Schutz - mehr noch, er lieferte sie der SA aus, sie wurde vor seinem Haus erschossen.
Nun schreibt Max regelmäßig an Martin. Augenfällig für jeden Zensor deuten seine Briefe auf Kunstschmuggel, illegale Geschäfte mit Juden und Geldtransfer hin. Anfang 1934 antwortet Martin plötzlich: Er bittet um Mitleid, diese Briefe brächten ihn in furchtbaren Verdacht, ihm drohe Parteiausschluss, seine Familie sei gefährdet. Max schreibt noch zwei weitere konspirative Briefe, den dritten erhält er mit dem Vermerk „Adressat unbekannt" zurück.

In seiner Knappheit und Kargheit ist der Text einem Werbetext ähnlich. Die Wirkung besteht in der Einfachheit mit der die Botschaft plakatiert und für jeden schnell zugänglich wird. „Diese moderne Geschichte ist die Perfektion selbst. Sie ist die stärkste Anklage gegen Nationalsozialismus, die man sich in der Literatur vorstellen kann", hieß es 1939 in einer Besprechung der New York Times Book Review. Die zeitlose Botschaft richtet sich an das moralische und politische Empfinden und ist angesichts der weltweiten Fremdenfeindlichkeit von beklemmender Aktualität.

Eine Bühnenfassung wurde 2001 in Mainz uraufgeführt; Heike Beutel inszenierte das Stück für Wupper Theater
CD, Hörbuch Hamburg, 15,00 €
Cassette, Hörbuch Hamburg, 15,00 €
Hörspiel von Ulrich Gerhardt 2003


Autor(en):
Katherine Kressmann Taylor
Titel:
Adressat unbekannt
Erscheinungsjahr:
2002
Umfang/Format:
68 Seiten
Ort:
Reinbek
Verlag:
Rowohlt
Auflage:
1. Auflg.
Schlagworte:
Alltag im Nationalsozialismus
Nationalsozialismus
Vorgeschichte und Hintergründe
Signatur:
ISBN:


© Ria Proske
Nationalsozialismus und Neonazismus. Ausgewählte Kinder- und Jugendbücher

Kommentiertes Verzeichnis
15., aktualisierte, erweiterte Online-Auflage, Köln 2010

Diese Sammlung wurde 1987 als Projekt des Vereins "Beratung und Weiterbildung in der Friedensarbeit e.V." an der FH Düsseldorf von Prof. Christiane Rajewsky, Ria Proske und Adelheid Schmitz erarbeitet. Seitdem wird sie von Ria Proske fortlaufend aktualisiert und mit Kinderbüchern für die Altersgruppe 3 bis 10 Jahre ergänzt.

Kontakt:
Ria Proske, Hunsrückstr. 16, 50739 Köln, Tel.: 0221-176808
Email: ria@proske.de

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