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Bruder Eichmann

Heinar Kipphardt
Bruder Eichmann
Schauspiel und Materialien
Gesammelte Werke in Einzelausgaben
Rowohlt Verlag, Reinbek 1986; rororo 5716
231 S.; 7,90

ab 16 Jahre
In seinem letzten Schauspiel setzt sich Heinar Kipphardt mit der Ermordung der europäischen Juden auseinander und beschreibt die Geisteshaltung Adolf Eichmanns, der vom Schreibtisch aus die Deportation der europäischen Juden in die Vernichtungslager organisiert hat.

Im ersten Teil schildert Eichmann in einem israelischen Strafgefängnis einem Polizeihauptmann und einer Psychiaterin seine Rolle bei dem nationalsozialistischen Massenmord an den Juden. Im zweiten Teil begegnet Eichmann dem Pfarrer William Lovell Hull und seiner Frau. Hartnäckig beteuert Eichmann: „Ich bin nicht der Unmensch, zu dem man mich macht. Ich bin das Opfer eines Fehlschlusses. Meine Schuld war mein Gehorsam ... auch heute sehe ich Anordnung, Anweisung, Befehl wird nicht in Frage gestellt... Ist nicht ... jeder Soldat an organisiertem Massenmord beteiligt, in dem er unter Eid und Befehl tötet und in Schutt und Asche legt, was er wie ich von seinem eigenen Herzen nicht wünscht.''. Gehorsam und Pflichteifer sind Eichmanns Gründe und die Gewissensinstanz, mit denen er sich von Verantwortung und Schuldgefühlen befreit. Am 31. Mai 1962 wird Eichmann in Israel zum Tode verurteilt und erhängt.
Das Stück ist durch 21 Analogieszenen unterbrochen, in denen das Fortwirken jener Mechanismen erkennbar wird, die Eichmanns „Karriere" ermöglichten und die Bezüge zur Gegenwart verdeutlichen.

Nach dem Text des Schauspiels folgen Entwürfe und nicht verwendete Szenen, Auszüge aus Briefen, Interviews, ein Nachwort des Herausgebers und eine Bibliographie.

Das Schauspiel zeigt die Geisteshaltung eines „Schreibtischtäters", der mit unbedingtem Gehorsam und übereifriger bürokratischer Pflichterfüllung die Ermordung der europäischen Juden vorbereitete, aber nie seine Mitschuld für den Völkermord eingestand. Im Mittelpunkt dieses Stücks steht die „Eichmann-Haltung als bürgerliche Haltung schlechthin". Das Schauspiel berührt eine der Kernfragen menschlichen Handelns an: die Schuld und die Verantwortung des einzelnen Menschen.


Autor(en):
Heinar Kipphardt
Titel:
Bruder Eichmann - Schauspiel und Materialien
Erscheinungsjahr:
1986
Umfang/Format:
231 Seiten
Ort:
Reinbek
Verlag:
Rowohlt
Auflage:
0. Auflg.
Schlagworte:
Judenverfolgung
Nationalsozialismus
Weiterleben
Signatur:
ISBN:


© Ria Proske
Nationalsozialismus und Neonazismus. Ausgewählte Kinder- und Jugendbücher

Kommentiertes Verzeichnis
15., aktualisierte, erweiterte Online-Auflage, Köln 2010

Diese Sammlung wurde 1987 als Projekt des Vereins "Beratung und Weiterbildung in der Friedensarbeit e.V." an der FH Düsseldorf von Prof. Christiane Rajewsky, Ria Proske und Adelheid Schmitz erarbeitet. Seitdem wird sie von Ria Proske fortlaufend aktualisiert und mit Kinderbüchern für die Altersgruppe 3 bis 10 Jahre ergänzt.

Kontakt:
Ria Proske, Hunsrückstr. 16, 50739 Köln, Tel.: 0221-176808
Email: ria@proske.de

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