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Gewaltfreies Handeln benötigt einen Rückhalt und eine Unterstützung. Diese sind zum einen in der geistigen Grundhaltung und zum anderen in Gruppen zu finden. Denn gewaltfreies Handeln ist i.d.R. Handeln in Gruppen. Die Gruppe gibt emotionale Geborgenheit, hilft bei der Planung und Vorbereitung und kann auch die Folgen von Aktionen abfedern helfen. In und mit Gruppen kann Kraft und Stärke vermittelt werden. Gruppen können sogar (Gegen-)Macht entfalten.
"Es macht einen erheblichen Unterschied, allein ohne Waffen zu kämpfen oder dies in einer Gruppe zu tun. Die Art, mit der Angst umzugehen, ist eine völlig andere. In der Gruppe oder dank der Gruppe steigt die Bereitschaft der einzelnen, Risiken auf sich zu nehmen, die sie allein nicht eingehen würden. In der Gruppe wird zum einen die Angst geteilt, und zum anderen bringt die Gruppenzugehörigkeit in der Regel ein Solidaritätsgefühl hervor. Dem Militär ist diese Grundregel gemeinsamer Aktion bestens vertraut. Geteilte Angst ist leichter zu ertragen. Sie wird dann nicht mehr mittels ideologischer oder religiöser Überzeugungen niedergerungen, sondern in der Gruppe gleichsam aufgelöst. Die Logik der kollektiven unbewaffneten Aktion ist folglich anderer Art als die des individuellen Kampfes. Der Glaube an ein Ideal wird zwar, wie gesagt, weniger wichtig, trotzdem bleibt eine solche Aktion weiterhin Kampf. Für eine Sache zu kämpfen setzt voraus, daß man an etwas glaubt. Doch im Rahmen der kollektiven Aktion verliert dieser Kampf jenen elitären ðHeiligencharakterÐ, den man ihm in der Einzelaktion zuschreiben könnte. Durch das Gefühl der Gruppensolidarität wird der unbewaffnete Kampf entscheidend begünstigt. Die Bedingungen für die Praktizierung zivilen Widerstands bestimmen sich daher auch aus dem Grad des sozialen Zusammenhalts einer Bevölkerung. Starker Gruppenzusammenhalt gegenüber einem Aggressor macht eine kollektive Verweigerung der Zusammenarbeit möglich."
Jacques Semelin: Ohne Waffen gegen Hitler. Eine Studie zum zivilen Widerstand in Europa. Frankfurt/M. 1995, S. 100 f.