Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Zum konstruktiven Umgang mit Konflikten befähigen

Für eine konstruktive Konfliktbearbeitung sind eine Reihe prinzipieller Voraussetzungen wichtig, deren Vermittlung auch Eingang in Erziehungs- und Bildungskonzepte erlangen muß:

Die grundsätzliche Sichtweise für Konfliktlösungen ändern: Konflikte sollten nicht unter dem Aspekt von eigenem Gewinn und gegnerischem Verlust betrachtet, sondern unter dem des anzustrebenden gemeinsamen Gewinns gesehen werden. D.h., der Konflikt wird von Anfang an mit dem Ziel ausgetragen, daß beide Konfliktparteien ihre Ziele partiell erreichen können. Dies erfordert die Bereitschaft zu Kompromissen und zu Verzicht auf Gewalt und Drohstrategien auf beiden Seiten. (Dies ist nur bei Konflikten möglich, bei denen keine Menschenrechtsverletzungen im Spiel sind.)

Auf Androhung und Einsatz von Gewalt verzichten: Die herkömmlichen Kommunikationsmuster der Drohung und Beschuldigung müssen abgelöst werden durch kooperative Muster des Verstehens und Erklärens. Keine Gewalt anzudrohen oder anzuwenden, ist dabei eine unabdingbare Voraussetzung für eine Deeskalierung und eine konstruktive Konfliktlösung.

Die eigene Wahrnehmung nicht als die alleinig richtige vertreten: Da die Einschränkung einer differenzierten Wahrnehmungsfähigkeit ein typisches Kennzeichen von eskalierenden Konflikten ist, ist es notwendig, die eigene Wahrnehmung und damit auch verbunden die eigene Interpretation der Ereignisse nicht absolut zu setzen, sondern einer Überprüfung und Korrektur zu unterwerfen und damit auch die eigenen Anteile am Konflikt zu erkennen.

Eine dritte Partei einbeziehen: Eine unabhängige dritte Partei als Vertrauensinstanz für beide Seiten kann dazu beitragen, eine gemeinsame Sicht der Dinge zu erreichen. Doch dies reicht nicht aus, der Wille zu einer kooperativen Lösung muß hinzukommen.

Gemeinsame, direkte Gespräche statt vollendeter Tatsachen: Die Schaffung von Tatsachen, um damit den angestrebten Zielen näherzukommen, wirkt sich auf den weiteren Konfliktverlauf i.d.R. eskalierend aus, da die Gegenseite diese nicht ohne Gesichtverlust hinnehmen kann. Um gemeinsame Gespräche realisieren zu können, sind in bestimmten Situationen Vorgespräche notwendig, die dazu dienen, den Weg für solche Verhandlungen zu ebnen. Sie haben den Vorteil, von dem Druck des Erfolges entlastet zu sein.

Lösungen an den Interessen aller Beteiligten und denen, die die Folgen zu tragen haben orientieren: Konfliktlösungen dürfen nicht durch die Interessen der stärkeren Partei diktiert werden. Sie müssen so geartet sein, daß sie möglichst allen Parteien Vorteile verschaffen und damit nicht wiederum Ausgangspunkt für neue Konflikte sind. Darüber hinaus haben sie auch einen Beitrag zum Abbau von struktureller Gewalt zu leisten. Dies bedeutet, daß sich Lösungen auch an ethischen Maßstäben messen lassen müssen.

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