Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Solidarisch leben lernen

Eine dritte Anforderung bezieht sich auf die Möglichkeit und Notwendigkeit, durch den eigenen Lebensstil Solidarität mit anderen auszudrücken. Das Bild von der "Einen Welt" ist nicht nur eine Zukunftshoffnung. Es ist in vielen Bereichen bereits Wirklichkeit: Viele Produkte des täglichen Lebens stammen aus weit entfernten Ländern. Die täglichen Nachrichtensendungen berichten aus jedem Winkel der Erde. Mit Satellitenantennen lassen sich auf dem ganzen Erdball Fernsehprogramme empfangen und senden. Ausländische Mitbürger und Flüchtlinge bringen Elemente anderer Kulturen in unseren Alltag. Urlaubsreisen in andere Länder sind selbstverständlich geworden. Die Weltwirtschaft ist eng miteinander verknüpft. Dennoch realisieren wir in unserem Alltag kaum, was dies bedeutet, wie die Lebensweisen der einen eng mit dem Schicksal der anderen zusammenhängen. Solidarisch, im Bewußtsein der "Einen Welt" zu leben, kann so bedeuten, sich darüber klar zu sein und Rechenschaft abzulegen, welche Auswirkungen der eigene Lebensstil auf die Lebens- und Arbeitssituation anderer Menschen in anderen (oft weit entfernten) Ländern hat. So geht z.B. der seit Jahren sinkende Kaffeepreis zu Lasten der Erzeugerländer (und der dort lebenden Menschen). Der enorme Verbrauch von Ressourcen (Energie, Rohstoffe usw.) in den Industrieländern ist nur möglich, weil andere sich bescheiden. Unser Wohlstands- und Konsummodell ist nicht auf andere Länder übertragbar. Was würde geschehen, wenn nur einige Länder der Dritten Welt ein ähnlich hohes Konsumniveau mit all seinen Folgen verwirklichen würden bzw. könnten?

Nur wenn wir lernen zu teilen, können die großen Probleme wie Hunger, Armut, Analphabetismus, Bevölkerungswachstum, Rohstoffverknappung, Umweltzerstörung, die allesamt wiederum Folgen und Ursachen von und für Konflikte zugleich sind, angegangen werden.

Die reichen Länder können ihren Wohlstand nicht länger ungestraft weiter nur für sich behalten. Ein neuer Lebensstil, der geprägt ist von "Langfristigkeit", von Genügsamkeit und »Gemächlichkeit&laqno; ist Voraussetzung für eine gemeinsame Entwicklung der Erde. Der Club of Rome forderte in seinem Bericht 1992: "Wir brauchen eine Vision der Welt, in der wir gern leben wollen, wir müssen die vorhandenen materiellen, menschlichen und moralischen Ressourcen in unsere Überlegungen einbeziehen, damit unsere Vision realistisch und lebensfähig ist, und wir müssen die menschliche Energie und den politischen Willen aufbringen, die neue globale Gesellschaft zu schaffen."

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