Home / Themen / Zivilcourage / Voraussetzungen... / Erziehung zur G... / Die Funktionen von Gewalt kennen
Gewalttätiges und aggressives Verhalten erfüllt (nicht nur bei Jugendlichen) eine Reihe von Funktionen und befriedigt Bedürfnisse, die sie (zumindest in ihrem subjektiven Erleben) anders nicht erfüllen bzw. befriedigen können.
Zu diesen Funktionen gehören u.a.:
Gewalt als Männlichkeitsbeweis: Es gibt kulturübergreifende Merkmale der Darstellung von Männlichkeit. Zu diesen gehören vor allem die Betonung und öffentliche Zurschaustellung von Mut und Kampfbereitschaft. Dies wird in bestimmten jugendlichen Bezugsgruppen oft vorausgesetzt um als »vollwertig&laqno; akzeptiert zu werden.
Gewalt als Kommunikationsmittel: Für viele ist Gewalt Ausdruck einer verzweifelten Situation und einer bedrängten Gefühlslage. Sie ist für sie gleichzeitig auch ein legitimes Mittel der Durchsetzung von Forderungen, nachdem andere Mittel offenbar versagt haben oder ihnen versagt blieben. Gewalt stellt so immer wieder eine sprachlos gewordene, destruktive Art der Kommunikation dar, die glaubt, sich mit anderen Mitteln nicht mehr Gehör verschaffen zu können.
Gewalt als Mittel gegen Langeweile und Frust: Eigene Gewalthandlungen werden von den Betreffenden oft als faszinierend oder sogar als rauschartiger Zustand erlebt. Sie sind für eine Reihe von Jugendlichen zu Möglichkeiten geworden, der Gleichförmigkeit des Alltag zu entfliehen.
Gewalt als Gegengewalt: Viele, die Gewalt ausüben, haben selbst Gewalt (in unterschiedlichen Formen erlebt). Sie fühlen sich als Geschlagene, die nun zurückschlagen. Für sie ist die Gewaltanwendung die wirksamste und radikalste Gegenwehr. Gewaltanwendung ist für sie nicht Selbstzweck oder Zerstörungswut, sondern eine legitime und subjektiv sinnvolle Konfliktlösungsstrategie. Diese Jugendlichen wenden Gewalt in den meisten Fällen nicht blind an, sondern gezielt gegen Objekte oder auch Personen, die ihnen als Symbole der Ursachen ihrer eigenen Misere erscheinen.
Gewalt als politisch instrumentalisierte Gewalt: Gewalt als Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele wird nur von einer verschwindend kleinen Minderheit aller Jugendlichen akzeptiert. Dennoch, eine Reihe von jugendlichen Gewalttaten haben einen eindeutig politischen Hintergrund.
Die Faszination der Gewalt: Gewalt wirkt auf Kinder und Jugendliche oft deshalb so faszinierend, weil sie scheinbar Eindeutigkeit in unklaren und unübersichtlichen Situationen schafft. Durch die Gewalthandlung wird (scheinbar) klar, wer der Stärkere und wer der Schwächere ist, es wird (scheinbar) klar, mit welchen Mitteln Probleme zu lösen sind, und wie man (scheinbar) das erreicht, was man sich wünscht.