Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Bertha von Suttner (1843 - 1914)

Ihr 1889 veröffentlichter Roman, "Die Waffen nieder", über die Lebensgeschichte der Martha Althaus machte sie in der ganzen Welt berühmt. Dieser Roman wurde nicht nur zu einem Bestseller, sondern gleich auch Programm für viele Pazifisten. Aufgeschreckt und tief beeindruckt von den damaligen Kriegsvorbereitungen und dem Kriegsgeschehen befaßte sie sich mit klassischer Philosophie, der allgemeinen Geschichte und Kulturanthropologie, der Staatswissenschaft und Völkerrechtslehre, um die Wurzeln dieses Übels zu erforschen.

1843 geboren und aufgewachsen in einer Zeit, die durch wachsenden Militarismus und nationalen Egoismus gekennzeichnet war, bedeutete ihr Engagement für Völkerverständigung, Abrüstung und Frieden einen sehr mutigen und vor allem für eine Frau des 19. Jahrhunderts recht außergewöhnlichen Schritt. Im kaiserlichen Österreich lebend, entwickelte sie sich zu einer radikalen Pazifistin, die eine allgemeine Abrüstung propagierte.
Ihr Ziel war dabei der internationalen Barbarei ein internationales Schiedgericht und einen Bund "sämtlicher gesitteter Mächte Europas" entgegenzusetzen. Damit formulierte sie zugleich auch die Forderungen und Gedanken der Friedensbewegung des 19. Jahrhunderts. 1891 gründete sie die "Österreichische Gesellschaft der Friedensfreunde" und nahm als deren Präsidentin an zahlreichen Friedenskongressen teil. Später wurde sie Vizepräsidentin des Internationalen Friedensbüros in Bern. Viele ihrer Vorstellungen und Forderungen sind später verwirklicht worden, so z.B. der Haager Gerichtshof. Mit Alfred Nobel war sie persönlich bekannt. Seine Stiftung des Nobelpreises ging wesentlich auf ihre Initiative zurück.
Sie selbst wurde zu einer vielgefragten Vortragsreisenden und Vorkämpferin der Friedensidee. Hierfür wurde sie 1905 mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Nach ihr sind nicht nur Straßen und Schulen benannt, sondern ihre Gedanken haben weite Verbreitung gefunden und vielen den Weg gewiesen. Als sie am 21. Juni 1914 starb, waren ihre letzten Worte: "Die Waffen nieder! Sagt's vielen - vielen ...".

"Die Waffen nieder ..."
"Nach den ersten Begrüßungen - wir saßen alle drei auf niederen Lehnstühlen in der Nähe des Ofens - begann der Konsistorialrat also:
›Lassen Sie mich auf den Zweck meines Besuches eingehen, gnädige Frau. Es handelt sich darum, aus Ihrer Seele einige Skrupel zu bannen, welche nicht ohne scheinbare Berechtigung sind, welche aber leicht als Sophismen dargelegt werden können. Sie finden z.B., daß das Gebot Christi, man solle seine Feinde lieben, und ferner der Satz: ›Wer das Schwert nimmt, soll durch das Schwert umkommen‹ in Widerspruch zu den Pflichten des Soldaten stehen, der ja doch bemächtigt ist, den Feind an Leib und Leben zu schädigen.‹
›Allerdings, Herr Konsistorialrat, dieser Widerspruch scheint mir unlöslich. Es kommt auch noch das ausdrückliche Gebot des Dekalogs hinzu: ›Du sollst nicht töten.‹‹
›Nun ja - auf der Oberfläche beurteilt, liegt hierin eine Schwierigkeit; aber wenn man in die Tiefe dringt, so schwinden die Zweifel. Was das fünfte Gebot anbelangt, so würde es richtiger heißen (und ist auch in der englischen Bibelausgabe so übertragen) ›Du sollst nicht morden‹. Die Tötung zur Notwehr ist aber kein Mord. Und der Krieg ist ja doch nur die Notwehr im Großen. Wir können und müssen, der sanften Mahnung unseres Erlösers gemäß, die Feinde lieben; aber das soll nicht heißen, daß wir offenbares Unrecht und Gewalttätigkeiten nicht sollten abwehren dürfen.‹
›Dann kommt es also darauf hinaus, daß nur Verteidigungskriege gerecht seien und ein Schwertstreich nur dann geführt werden darf, wenn der Feind ins Land fällt? Die gegnerische Nation aber geht von demselben Grundsatz aus - wie kann da überhaupt der Kampf beginnen? In dem letzten Kampfe war es Ihre Armee, Herr Konsistorialrat, welche zuerst die Grenze überschritt und - ‹
›Wenn man den Feind abwehren will, meine Gnädige - wozu man das heiligste Recht hat, so ist es durchaus nicht nötig, die günstige Zeit zu versäumen und erst zu warten, bis er uns ins Land gefallen, sondern es muß unter Umständen dem Landesherrn freistehen, dem Gewaltsamen, Ungerechten zuvorzukommen. Dabei befolgt er eben das geschriebene Wort: ›Wer das Schwert nimmt, soll durch das Schwert umkommen‹. Er stellt sich als Gottes Diener und Rächer über den Feind, indem er trachtet, denjenigen, der gegen ihn das Schwert nimmt, durch das Schwert umkommen zu lassen.‹
›Da muß irgendwo ein Trugschluß stecken‹, sagte ich kopfschüttelnd, ›diese Gründe können doch unmöglich für beide Parteien gleich rechtfertigend sein.‹"

Bertha von Suttner: Die Waffen nieder. 3. Auflage Hildesheim 1982, S. 237 f. (Erstveröffentlichung: 1888)

Günther Gugel: Wir werden nicht weichen. Erfahrungen mit Gewaltfreiheit. Eine praxisorientierte Einführung. Tübingen 1996.

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