Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Prinzipieller Pazifismus

Pazifismus bezeichnet im üblichen Sprachgebrauch diejenige Absage an den Krieg, die sich auf das Verständnis des Tötungsverbots als ausnahmslos geltender Norm stützt. Die Position des prinzipiellen Pazifismus ist eine gewissensbestimmte Haltung, die grundsätzlich und immer auf Gewalt verzichtet. In der naturrechtlichen Tradition der Ethik pflegt man zwar zu sagen, ein "Unschuldiger" sei gegenüber einem "ungerechten" Angreifer moralisch im Vorrecht. Es steht aber keinem Menschen ein Urteil darüber zu Gebote, welcher Mensch moralisch schuldig und welcher moralisch gerecht ist. Selbst in dem äußersten Fall, in dem das Leben des einen gegen das Leben des anderen steht, gibt es ­ abgesehen von dem natürlichen Hang zur Selbsterhaltung ­ kein ethisches Kriterium dafür, wer von beiden berechtigt sein könnte, sein eigenes Leben gegenüber dem Leben des anderen vorzuziehen. Deshalb ist nicht nur die Tötung unschuldigen menschlichen Lebens, sondern die Tötung jedes menschlichen Lebens verboten. Die Einstellung des prinzipiellen Pazifisten erinnert daran, daß jede Rechtsordnung das Tötungsverbot zur Voraussetzung hat. Darum sind gegenüber der Haltung des prinzipiellen Pazifisten immer diejenigen rechenschaftspflichtig, die unter bestimmten Umständen das Mittel tötender Gewalt für unverzichtbar halten.

Doch an dieser Haltung läßt sich auch Kritik formulieren: Handlungen des einzelnen haben, sobald sie öffentlich stattfinden, nie nur für ihn selbst, sondern immer auch für andere Bedeutung. Der prinzipielle Pazifist klammert diesen Gesichtspunkt aus. Er kann dies damit begründen, daß letztlich kein einzelner wissen kann, welche Bedeutung seine Handlungen für alle anderen haben. In einer Welt der Gewaltverhältnisse bedeutet das jedoch, daß sich der, der so argumentiert, jeder Mitverantwortung für den Weltlauf enthält ­ jedenfalls soweit dieser durch das Faktum der Gewalt bestimmt ist. Als ethische Haltung setzt der prinzipielle Pazifismus, wenn er konsequent durchdacht ist, eine Weltsicht voraus, die darauf hofft, daß der gerechte Ausgleich gegenüber dem Angreifer eines Tages durch eine göttliche Instanz ohne jede menschliche Mitwirkung vollzogen wird.

Vgl. Wolfgang Huber / Hans-Richard Reuter: Friedensethik. Stuttgart u.a. 1990, S. 293.

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