Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Praktischer Pazifismus

Praktischer Pazifismus "lebt von der Entdeckung, daß die Norm des Tötungsverbots aus einem Vorgang reziproker (gegenseitiger, d.V.) Anerkennung hervorgeht, der seinerseits Gewaltverzicht zur Voraussetzung hat. Praktischer Pazifismus gründet sich auf die Einsicht, daß ethische Grundgebote den Richtungssinn von Handlungsregeln haben, aber nicht mit konkreten Normen zu verwechseln sind. (...)

Praktischer Pazifismus geht methodisch (...) davon aus, daß öffentliche Handlungen (auch Unterlassungshandlungen) Elemente von Interaktionsprozessen sind und insoweit immer Bedeutung für andere haben. Die Praxis der Feindesliebe ist, so sagen wir, eine Form provokativer Kommunikation mit dem Gegner; sie hofft auf den Überraschungseffekt, der entsteht, wenn der Teufelskreis der Vergeltung unterbrochen wird. Nicht daß solcher Gewaltverzicht bloß taktisch wäre ­ er ist bedingungslos und riskant.

Gleichwohl ist hier nicht die Gewaltlosigkeit um ihrer selbst willen, nicht die von jedem sozialen Kontext gelöste Übereinstimmung von Norm und Handlung als solche im Blick. Gemeint ist Gewaltfreiheit als Weg zur Befreiung von Gewalt; gemeint ist also nicht die Übereinstimmung von Norm und Handlung, sondern die Entsprechung von Mittel und Ziel. Gandhi beschrieb das spirituelle Fundament des praktischen Pazifismus ­ im Unterschied zur nonviolence of the weak ­ als non-violence of the brave."

Wolfgang Huber / Hans-Richard Reuter: Friedensethik. Stuttgart u.a. 1990, S. 294.

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