Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Pragmatische Gründe gegen Gewalt und für Gewaltfreiheit

"Es gibt zwei Ebenen, von denen aus man Gewalt und Gewaltlosigkeit diskutieren kann, die moralisch-ethische und die pragmatische. Die moralisch-ethische Argumentation kennen wir von den meisten Religionen: Das Menschenleben ist heilig, unantastbar. Das ist sehr einfach. Und man könnte dann für Gewaltlosigkeit mit solchen Worten wie Mitgefühl usw. argumentieren. Diese Diskussion lehne ich überhaupt nicht ab, die ist sehr wichtig. Aber es gibt einen pragmatischen, ganz klaren anderen Diskurs, der auch eindeutige Argumente gegen Gewalt und für Gewaltlosigkeit hat. Wenn jemand sagt, daß er religiös-ethisch nicht so motiviert sei, daß er aber dennoch gerne wissen möchte, ob Gewaltlosigkeit funktioniert, dann lasse ich mich auch auf ihn ein. Und dann sage ich ihm, was er tun könnte. Wenn jemand den Willen hat, in einer Konfliktsituation etwas zu tun, versucht er, die akzeptablen Elemente der Position zu verstehen und dann zu argumentieren, wie man sich gewaltlos für die jeweiligen Ziele einsetzen könnte. Und ich verlange nicht, daß er vollkommener Gandhianer ist. Und ich muß sagen, daß ich mehr Respekt für denjenigen habe, der sich gewaltlos einsetzt, obwohl er nicht den reinen Glauben hat, als für denjenigen, der zwar den reinen Glauben hat, aber zu Hause sitzt.

Es gibt zwei oder drei wichtige Argumente gegen die Gewalt:

1. Rache. Wenn man Gewalt ausübt, erzeugt das beim Opfer und bei den Hinterbliebenen im allgemeinen eine sehr einfache Rachepsychologie. (...)

2. Moralischer Ausgleich. Wenn jemand Gewalt ausübt, gibt es fast immer ein Element von schlechtem Gewissen, das nicht notwendigerweise religiös verankert sein muß, sondern ganz einfach ein Gefühl dafür ist, daß man etwas Schlechtes getan hat. (...)

Aus dem schlechten Gewissen folgt etwas Wichtiges. Der Gewalttäter fühlt sich schlecht, aber ab dem Augenblick, wo Gewalt gegen ihn oder seine Gruppe ausgeübt wird, ist alles in Ordnung.

3. Irreversibilität. Gewalt ist nicht rückgängig zu machen. Ich selbst habe das Prinzip, daß ich versuche, in einem Konflikt nur die Lösungsvorschläge zu unterbreiten, die auch rückgängig zu machen sind."

Johan Galtung: Kein Zweifel: Gewaltlosigkeit funktioniert! Wirkungsweise und Aktualität gewaltlosen Widerstands. Heidelberg / Freiburg 1995, S. 16 f.

 

Günther Gugel: Wir werden nicht weichen. Erfahrungen mit Gewaltfreiheit. Eine praxisorientierte Einführung. Tübingen 1996, S. 157-172..

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