Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Ist das Menschenbild realistisch?

Gewaltfreiheit sieht im Gegner den Menschen, der aus strukturellen Zwängen handelt und versucht deshalb, den menschlichen, personalen Kern im Gegenüber anzusprechen. Entspricht es den verhaltensbiologischen und den historischen Erfahrungen, anzunehmen, daß ­selbst bei Soldaten ­ Tötungshemmungen aktiviert werden, wenn sie unbewaffneten Zivilisten gegenüberstehen? Ist es realistisch davon auszugehen, daß Menschen im Prinzip "gut" sind?

Dieter Senghaas kommt zu der Einschätzung: "Die Vorstellung, gute Menschen seien von vornherein problemlose gesellschaftliche 'Selbstläufer', wird durch keinerlei Erfahrung gerechtfertigt. (...) Idealisierungen mögen einem psychischen Bedürfnis entsprechen, aber sie taugen nicht für ein politisches Konzept: Die meisten Menschen sind weder gut noch böse."

Dieter Senghaas: Auch für die Theorie der "Sozialen Verteidigung" schlägt jetzt die Stunde der Wahrheit. In: Gewaltfreie Aktion, Heft 85/86, 3. + 4. Quartal 1990, S. 44.

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