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"Auschwitz" hätte sich mit Gewaltfreiheit nicht verhindern lassen
"Es gibt den Schrecken von Auschwitz, Treblinka, Buchenwald usw. Nicht nur die Nuklearwaffen haben eine neue Ära eingeleitet. Auschwitz ist ein Symbol geworden und zwar für Kriegsziele, die sich nicht darin erschöpfen, eine Expansionspolitik zu verwirklichen, strategische Positionen zu erobern, die Ressourcen eines besiegten und besetzten Landes auszubeuten, sondern darüber hinaus einen rassistischen Wahn dank der militärischen Überlegenheit in die Tat umzusetzen. Und meiner Meinung nach war der Faschismus nur mit Waffen zu beseitigen. Kann man mit ðSozialer VerteidigungÐ einem Terrorsystem erfolgreich Widerstand leisten? (...)
'Kriegsverhütung' ist meiner Meinung nach legitim. Ich bin aber nicht von der 'Abschreckungskapazität' der Sozialen Verteidgung im Sinne der Kriegsverhütung überzeugt, weil ein Angreifer wahrscheinlich immer der Meinung sein wird, daß es ihm gelingen wird, diesen Widerstand so oder so zu brechen. (...)
Aber wie gesagt, der springende Punkt bleibt für mich, daß die Soziale Verteidigung meiner Meinung nach nicht in der Lage wäre, der Gewaltanwendung einer Besatzungsmacht, die in diesem Tauziehen wahrscheinlich nicht ausbliebe, effizient und ohne Opfer zu begegnen. Ich frage ernsthaft die Befürworter einer Sozialen Verteidigung, was moralisch eher zu rechtfertigen ist, eine Verteidigung mit den Waffen oder ein hoher Preis an 'Erwiderung' (Geiselnahme, Deportation etc.)?"
Françoise Manfrass-Sirjacques. In: Gewaltfreier Widerstand gegen Völkermord? Die Auschwitz-Kontroverse während des Hearings der Grünen zur Sozialen Verteidigung am 16. Juni 1984. In: Gewaltfreie Aktion, Heft 80/81, 2. + 3. Quartal 1989, S. 59 f.
Eine differenzierte Betrachtungsweise ist notwendig
In: Gewaltfreier Widerstand gegen Völkermord? Die Auschwitz-Kontroverse während des Hearings der Grünen zur Sozialen Verteidigung am 16. Juni 1984. In: Gewaltfreie Aktion, Heft 80/81, 2. + 3. Quartal 1989, S. 62 ff, Auszüge.
Mohandas K. Gandhi, 1940: "Dagegen möge man sich einmal vorstellen, wie Europa heute aussehen würde, wenn die Tschechen, die Polen, die Norweger, die Franzosen und die Engländer alle zu Hitler gesagt hätten: Sie brauchen sich keine Mühe geben bei der wissenschaftlichen Vorbereitung auf die Zerstörung. Wir werden Ihren Gewaltmitteln gewaltfrei begegnen. (...)
Er hätte möglicherweise aber eben doch nur möglicherweise Europa unter anhaltendem gewaltfreiem Widerstand in Besitz genommen. Dann wäre von vornherein das geschehen, was nun auch geschieht, nachdem bereits eine unbeschreibliche Barbarei sich ausgebreitet hat. Im Falle von gewaltlosem Widerstand wären nur diejenigen getötet worden, welche sich darauf vorbereitet hatten, getötet zu werden. Wenn es nicht anders möglich gewesen wäre, hätten sie den Tod ertragen, ohne jemanden zu töten und ohne Haß gegen irgendjemanden zu empfinden. Ich wage zu behaupten, daß in diesem Falle Europa nicht bloß einige Millimeter, sondern mehrere Handbreit seiner moralischen Statur hinzugefügt hätte. Letzten Endes davon bin ich überzeugt wird es allein auf den moralischen Wert der Politik ankommen. Alles andere ist wertlose Schlacke."
M.K. Gandhi: Wie der Hitlerismus zu bekämpfen ist. In: Harijan, 22.6.1940. In: M.K. Gandhi: Non-Violence in Peace and War. Vl. II, Ahmedabad 1942, S. 288-290. Zitiert nach: Theodor Ebert: Hätte sich der Hitlerismus gewaltfrei überwinden lassen? In: Gewaltfreie Aktion Heft103/104, 1. + 2. Quartal 1995, S. 5f., Auszüge.