Home / Themen / Zivilcourage / Anfragen, Probl... / Kontroversen zu... / Gewaltfreiheit - nur moralisch überlegen oder auch politisch effektiv?
Ein häufiger Einwand gegen Gewaltfreiheit ist, daß Gewaltfreiheit zwar moralisch gut gemeint sei, aber sich letztlich angesichts einer Übermächtigen Staatsgewalt als ineffektiv erweisen müsse. Macht, so weiter, beruhe im Kern auf der Verfügbarkeit von Gewaltmitteln.
Natürlich läßt sich die Effektivität gewaltfreier Aktionen und Kampagnen nicht in jedem Falle voraussagen. Die Erfolgsaussichten und Effektivität von Gewaltmitteln jedoch ebensowenig. Die Effektivität von Gewaltmitteln wird jedoch unbesehen vorausgesetzt. Geklärt werden muß deshalb zunächst, welches die Kriterien für "Effektivität" sind. Die Wirkung gewaltfreier Aktionen beruht nicht auf der militärischen Zwangsebene sondern auf der politischen Ebene. Nolting schlägt vor, den Grad der Realisierung von Menschenrechten als Maßstab der Effektivität zu nehmen:
"Wie weit und für wen führen die Kampfmethoden zu einer Verminderung personaler Gewalt, zu einer Verbesserung sozialer und kultureller Lebensbedingungen und zu einer Erweiterung persönlicher und politischer Freiheiten."
Hans-Peter Nolting: Lernschritte zur Gewaltlosigkeit. Reinbek 1981, S. 183 f.