Home / Themen / Zivilcourage / Aktionen / Die Acht von der Pflugschar (1980)
Daniel Berrigan und sieben andere - sie werden die "Acht von der Pflugschar" genannt - sind am 9. September 1980 in die Re-entry Devision Montagehalle der General Electric eingedrungen. Sie zerstörten zwei Konusse von atomaren Sprengköpfen mit Hämmern, sie gossen Blut, das sie sich zuvor selbst abgezapft hatten, auf Werkzeichnungen, Konusse und Werkzeuge. Sie wollten damit auf symbolische Art und Weise gegen die atomare Rüstung demonstrieren.
Daniel Berrigan beschreibt diese Aktion:
"9. September. Wir standen im Morgengrauen auf, nach einer (ich spreche für mich selbst) fast schlaflosen Nacht. Träume, Alpträume, dazwischen Wachen. (...)
Wir hatten mehrere Tage zusammen im Gebet verbracht; das ist eine alte Sitte bei uns, so alt wie unsere ersten Verhaftungen Ende der Sechziger Jahre. Wir waren fast alle Veteranen dieser Jahre, und Überlebende der Gerichte und Gefängnisse, des amerikanischen Pseudo-Gewissens und seines langen Winterschlafs, Überlebende in unseren religiösen Gemeinschaften, in unseren Familien. (...)
Es war uns bekannt (jeder, der sich dafür interessierte, wußte es), daß die General Electric in King of Prussia die Re-entry-cones für die Mark 12 A-Raketen herstellt.
Wir wußten, daß diese abscheulichen Konusse (Shrouds nennt man sie bei General Electric) in einem gewissen Gebäude der General Electric Werke zusammengebastelt wurden. Das Gebäude ist riesig. Wir hatten keine Ahnung, wo wir die Konusse finden konnten.
Eines war uns klar. Wenn wir dieses hochgradig geheimgehaltene Revier für Lieferung und Versand erreichen wollten, um das zu tun, was wir vorhatten, so mußte uns jemand dorthin führen. -
Nach unserer Tat erhob sich ein Geschrei bei den Leuten vom FBI (Sicherheitsdienst) von Staat und Land und von der Werkspolizei von General Electric und anderen Polizeistellen, die in das Gebäude hereinstürmten: ›Hatten Sie interne Information? War etwas hinausgesickert?‹ Unsere Antwort: ›Natürlich hatten wir innere Informationen, natürlich ist etwas durchgesickert. Unser Informant ist aus dem Neuen Testament bekannt als Freund, Helfer, Geist.‹ Wir hatten tagelang gebetet. Und die Tat war geschehen. Wir schauten einander an, erschöpft, und wunderten uns nur, wie leicht alles gewesen war. Wir waren in etwa zwei Minuten ohne nennenswerte Störung in das Herz des Labyrinths geführt worden. ( ...)
Blut und Hämmer. Der symbolische Charakter unserer General-Electric-Aktion hat die einen wachgerüttelt und die anderen erschreckt. Das Besondere und Wichtige an dieser Sache ist der Gebrauch und Mißbrauch von Symbolen und ihre Inanspruchnahme durch weltliche Mächte. (...)
Ihr Mißbrauch: wie sie abgeflacht werden, damit sie mit dem Credo des Staates übereinstimmen. Sprechen wir vom King of Prussia und dem Symbol, das wir dort benützten: Blut. Daß Christus im Tode sein Blut vergoß, war ein Geschenk, und er setzte dadurch eine strenge Grenze, ein Tabu. Kein Blutvergießen - niemand darf es - unter keinen Umständen, da dieses Blut, mein Blut, für euch gegeben ist. Blut als Geschenk. Darum das Gebot: Du sollst nicht töten; du sollst keinen Krieg führen, vor allem nicht mit Atomwaffen.
Darum der Befehl: Leiste denjenigen Widerstand, die solche Waffen erforschen, entwickeln oder ihre Anwendung - aus welchen Gründen auch immer - rechtfertigen."
Daniel Berrigan in: Rundbrief des Versöhnungsbundes, Ostern 1981, S. 29-33, Auszüge.
Günther Gugel: Wir werden nicht weichen. Erfahrungen mit Gewaltfreiheit. Eine praxisorientierte Einführung. Tübingen 1996.