Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Die Katharsis- und die Inhibitionsthese

Sie besagt, es gebe im Sinne der Dramentheorie von Aristoteles kathartische und damit "reinigende" Prozesse beim Anblick von Bildern der Gewalt in den Medien. Durch das Nachvollziehen der Gewaltakte - besonders im Bereich des Spielfilms - im fiktionalen Geschehen nehme die Bereitschaft des Zuschauers ab, selbst gewalttätig zu handeln. Die Behauptung freilich, jede Fantasieaggression habe auch eine kathartische Funktion läßt sich nach Michael Kunczik nicht länger aufrechterhalten;6 "eine durch das Ansehen violenter Medieninhalte bewirkte Aggressivitätsminderung aufgrund des Abfließens des Aggressionstriebes erfolgt nicht", betont der Medienexperte. Obwohl die Katharsisthese weitgehend widerlegt scheint, dient sie immer wieder zur Rechtfertigung von Gewaltdarstellung besonders im fiktionalen Bereich. "Violence is a catharsis for kids. It´s no accident that there´s violence in fairy tales and horror movie", unterstreichen T.F. Balwin und C. Lewis. "It`s a way they learn to deal with a portion of their environment."7 Eng verbunden mit der Vorstellung einer kathartischen Wirkung des Fernsehens ist die Inhibitionsthese. Sie besagt, daß violente Darstellungen im Medium in der Tat potentiell zu aggressiven Impulsen bei den Zuschauern führen können. Doch werde diese durch die Angst vor elterlicher Gewalt unterdrückt oder doch kanalisiert. Kriegsspiele der Kinder auf der Straße, durch das Fernsehen inspiriert und angeregt, können in diesem Kontext gesehen werden. Die aggressionshemmenden Faktoren sind jedoch weniger in der Fernsehdarstellung als in der Umweltreaktion des Zuschauers auf die dargestellten Gewaltszenen zu suchen.8 Bruno Bettelheim formulierte in diesem Zusammenhang eher optimistisch: "Es gibt kaum eine Sendung, aus der ein Kind nicht vieles lernen könnte, sofern ein verantwortungsbewußter Erwachsener die notwendigen Instruktionen gibt. Selbst Sendungen mit gewalttätigen Szenen sind keine Ausnahme, doch darf das Kind nicht so verängstigt oder so wütend sein, daß es vom Geschehen völlig überwältigt wird. Es ist für Kinder sehr wichtig, daß sie die richtige Einstellung zur Gewalt entwickeln; die Augen vor existierender Gewalt zu verschließen, kann wohl kaum als konstruktive Haltung gelten. Jedes Kind muß lernen, was an der Gewaltanwendung falsch ist und aus welchem Grund, warum es Gewalt gibt und wie man mit ihr bei sich selbst und bei anderen umgehen sollte."9

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