Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Bad news is good news

Das Fernsehen habe durch die Ablichtung der fiktionalen und non-fiktionalen Gewaltdarstellung im Sendeprogramm die Bereitschaft zu kriegerischen Konfliktlösungen in der Gesellschaft erheblich gesteigert. Dies ist eine populäre These über die Wirkungsweise des Fernsehens. Sie übersieht freilich die komplexen Wirkungsmechanismen, die einer linearen Wechselbeziehung zwischen Fernsehgesellschaft und Konfliktgesellschaft entgegenstehen. Die Suche nach simplen und handgreiflichen Erklärungsmustern ist verständlich, doch ist der Zusammenhang zwischen dem "Hunger" des Mediums nach der gewaltigen und auch gewalttätigen Sensation und der zunehmenden Gewaltbereitschaft wesentlich differenzierter anzusetzen. Auf alle Fälle läßt sich aber die Katastrophe als Dauernachricht - sei es als Bericht oder Meldung über Regionen der "Dritten Welt", als Schreckensbericht über das Blutbad in Ex-Jugoslawien - bestätigen. Um den Nachweis der Folgenlosigkeit der elektronisch produzierten Bilder sind andererseits immer wieder die Fernsehanstalten selbst bemüht. Gelingt ihnen - ob privater oder öffentlich-rechtlicher Veranstalter ist dabei zunächst sekundär - der Nachweis der strukturellen Harmlosigkeit des Fernsehens, dann wären alle Bemühungen um eine reflektierte und ergebnisorientierte Berichterstattung vergebens. Die "andere" von interessierter Seite propagierte These von der Arglosigkeit der Bilder und der Nachrichten setzt nicht ohne Grund auf den unreflektierten Erhalt des status quo. Dieser Weg ist der bequemste und läßt ganz nebenbei die außer acht, über die berichtet werden soll: die Kinder, Frauen, Hungernde und Kriegskrüppel, die ein oft voyeuristisches Kameraobjektiv im Namen der freien und demokratischen Presse häufig scham- und morallos abgelichtet hat. Was immer mehr zu zählen scheint, ist die vordergründige Bildsensation, arrangiert für die Atemlosigkeit der Fernsehsekunde, die nicht hinter die Faktoren der Fakten dringt. Der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker bemerkte in diesem Zusammenhang: "Wie wir Gewalt heute wahrnehmen, wird wesentlich von den Medien bestimmt. Nachrichtensendungen und Magazine präsentieren uns eine beliebige Auswahl von Kriegsschauplätzen und Gewalttaten, oft ohne verständlichen Überblick über Ursachen und Folgen. Der Zuschauer bleibt mit dem Eindruck zurück, von sinnloser Gewalt umgeben zu sein. Man vermittelt uns diese Bilder und Nachrichten, übergangslos eingefügt zwischen Parteitagsberichten und den neuesten Sportergebnissen. Menschlichkeit kommt dabei eben oft zu kurz, Mitgefühl wird kein Raum gegeben."1

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