Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Elektronisches Schlachtfeld

Der Zweite Golfkrieg von 1991 hat in einer bis dahin nie dagewesenen Abstraktion stattgefunden: Anstelle von Menschen, die Kriegsmaschinen bedienen und lenken, zeigte das Fernsehen eine elektronische Abstraktion des Krieges. Gespenstische Fadenkreuze, ferngesteuerte Marschflugkörper und fliegende amerikanische Festungen vermittelten auf dem Bildschirm die Fiktion von einer "aseptischen" Kriegsführung. Man sprach von "chirurgischen" militärischen "Eingriffen" und suggerierte damit eine humane, ja curative Auseinandersetzung. Paul Virilio hat auf die neue Qualität dieses Krieges und seiner Ablichtung im Fernsehen aufmerksam gemacht.2 Ganz ähnliche Bilder wurden am 31.8.1995 im Fernsehen anläßlich des massiven NATO-Einsatzes bei Sarajevo gezeigt. positiv: Ein Nutzen ist aus der elektronischen Bildinformation nur dann zu ziehen, wenn auf die neue Dimension dieses elektronischen (Bild)-Krieges "ohne Menschen" verwiesen würde, auf das Fehlen der Opfer-Seite und der "Täter". Solche Zusammenhänge sind im Falle des Zweiten Golfkriegs im Fernsehen erst nachträglich diskutiert worden, anläßlich der Fernsehbilder vom NATO-Einsatz im ehemaligen Jugoslawien (31. 8. 1995) jedoch nicht. negativ: Unkommentiert haben solche abstrakten Kriegsbilder eine bedenkliche Wirkung, da sie alle menschlichen und unmenschlichen Implikationen unterschlagen. Im übrigen verbergen sich hinter der ästhetischen Abstraktion im Fadenkreuz das krude Inferno, der Tod und das Blut der Opfer, die das Bild nicht preisgibt.

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