Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Rhetorische Strategien und Argumentationsmuster hinterfragen

In Krisen- und Kriegszeiten werden bestimmte Argumentationsmuster und Darstellungsformen besonders häufig und pointiert eingesetzt. Sie haben i.d.R. mit einer sachlichen, argumentativen Darlegungen von Standpunkten, mit der Präsentation und Diskussion und Bewertung von Fakten und dem Ringen um das beste Argument und die überzeugendste Argumentationsweise nichts zu tun - ganz im Gegenteil. Öffentliche und politische Kommunikation wird in solchen Zeiten leicht für Propagandazwecke missbraucht. Informationen werden zurückgehalten, geschönt, verändert oder gar gefälscht. Die eigentlichen Ziele des Handelns werden häufig verborgen. Operiert wird mit Verdächtigungen, Unterstellungen und Vorwürfen. Damit sollen zum einen die eigenen Anhänger auf das "notwendige" Handeln eingeschworen, zum andern aber auch unentschlossene auf die eigene Seite gezogen werden.

Durch Vorwürfe wird die Autorität des Gegeners hinsichtlich Sachkompetenz und Glaubwürdigkeit in Zweifel gezogen. Auf diese Weise können auch deren Positionen und Argumentationen als fragwürdig erscheinen.
Diese Mechanismen werden dann eher verständlich, wenn man berücksichtigt, dass Stellungnahmen, Erklärungen, Reden, Beschlüsse usw. meistens mehrfach adressiert sind und nicht unbedingt, dem öffentlich genannten Adressaten gelten müssen.

Politische Kommunikation ist in Krisenzeiten oft bewusst inszenierte Kommunikation, die sich stereotypen Aussagen und sprachlicher Formulierungen bedient.

Solche Strategien sind u.U. noch nachvollziehbar, wenn es um die Thematisierung, Problematisierung und Zuspitzung von wichtigen Fragen geht, damit diese ins öffentliche Bewusstsein rücken und damit auch bearbeitbar werden.

Sie sind in Krisenzeiten jedoch in höchstem Maße kontraproduktiv, ja geradezu gefährlich, da sie Konflikte weiter anheizen und bewusst (oder unbewusst) eskalieren lassen. Die Basis für zivile Konfliktberarbeitung oder gar Verhandlungslösungen wird so zerstört.

Vgl. http://www.uni-bielefeld.de/lili/personen/kindt/texte/irakkonflikt.html

Walther Kindt, Swen Osterkamp: Rhetorik als Waffe im Kampf um die öffentliche Meinung - Argumentation und Persuasion im Irankonflikt. In: Claudia Fraas/Michael Klemm (Hrsg.) Mediendiskurse. Peter Lang, Frankfurt a.M. 2005, 268-285.

Wie funktioniert eigentlich Kriegsrhetorik?

"Zunächst einmal ist die Kriegsrhetorik gekennzeichnet durch das Ausschließen aller Fragen, aller Bedenken, aller möglichen Gegenargumente. Auffällig ist zudem der Verzicht darauf, die Welt von unten nach oben zu betrachten, so wie Jesus Christus es getan hat. Alles zu betrachten aus der Perspektive der Opfer, derer, die die Zeche zu zahlen haben. Was wird denn aus den Kindern? ‘Und stell dir vor, es wäre dein Kind, das jetzt stürbe!‘ Das Ausfallen der Dimension des Opfers – das ist charakteristisch für diese moderne Kriegsrhetorik.“

Walter Jens. in: Chrismon. Das evangelische Magazin 03/2003, S. 45.

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