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„Vorurteile sind ambivalent:
• Sie stellen überall dort, wo überprüfte und überprüfbare Informationen fehlen, nützliche und unentbehrliche Orientierungshilfen dar, dienen der Verständigung mit anderen Menschen und können Identität und Selbstwertgefühl schaffen.
• Sie haben aber gleichzeitig die Eigenschaft der Realitätsferne und bergen in sich die Gefahr der Voreingenommenheit und Diskriminierung.
• Daraus entsteht die Möglichkeit, dass Vorurteile - naturwüchsig oder manipuliert - zu Feindbildern werden und aggressives Verhalten nach sich ziehen.„
VORURTEILE UND FEINDBILDER (1990). Wir alle haben Vorurteile. Rollenspiele mit Vorurteilen. Asylanten. In der Reihe: POLITIK UND UNTERRICHT (1990), 3/90.
Das Bild vom Feind
Ein Feindbild ist das Bild, das wir uns von unserem Feind machen – also nicht notwendigerweise sein objektives Bild, sondern ein Bild, so wie wir es sehen oder sehen wollen. Vielleicht haben wir gar keinen Feind, vielleicht erfinden wir ihn uns? Der Verdacht ist nicht von der Hand zu weisen , dennFeindbilder sind meistens für den, der sie hat - und man muß hinzusetzten: auch pflegt - sehr nützlich, ja uner Umständen ganz unentbehrlich. In primitiven Gesellschaften ist der Feind wichtig, um den eignen Stamm zusammenzhalten; in modernen Gesellschaften ist er ebenfalls unentbehrlich, um Solidarität beschwören zu können undneue Anhänger zu gewinnen.
Der Feind ist stets der Fremde, der outsider, auf ihn werden alle negativen Emotionen projiziert, denn das schmiedet zusammen. Je mehr er durch Propaganda und Greuelmärchen entstellt werdenkann, desto leicher fällt es, ihn zu bemämpfen.
Feindbilder haben also viele Vorteile: Sie solidariseren; sie entheben der Mühe des eigenen Denkens; vorurteile werden legitimiert; Diskriminierung wird sanktiniert; alleAndersartien werden stigmatisiert.
Marion Gräfin Dönhoff: Vom Unfug der Feindbilder. Wie sich die Mächte und die Mächtigen ihre Widersacher selbst erfinden. In: Die Zeit, Nr. 49, 27.11.1987, Auszug.
Psychologisch gesehen
Psychologisch sind Stereotypen einfach zu erklären: Man sucht sich Feindbilder, um durch Abgrenzung die eigene Persönlichkeit zu definieren.
Stereotypen sind nicht auflösbar. Sie entwickeln nur immer wieder neue Ausformungen."
Stereotypen sind weitgehend unabhängig von Bildung und sozialer Zugehörigkeit. Häufig wird ein billiges Feindbild als Ersatz für ein differenziertes Selbstverständnis gewählt.
Vgl. Psychotherapie Report, 5/2001