Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Feindbilder und Bausteine für den Frieden

Sind Feindbilder eine wichtige Bedingung für Krieg, wird die Einsicht über ihre Entstehungsprozesse zu einem Baustein für den Frieden. Dabei mögen uns die sozialpsychologischen Forschungsergebnisse eher resignieren lassen angesichts unserer menschlichen Tendenz, auch die soziale Welt immer in Kategorien wahrzunehmen und beim Kategorisieren die outgroup eher abzuwerten. Doch erst das - meist in Konflikten - sozial vermittelte, stabile Kategorisierungsmuster lässt daraus Feindbilder entstehen. So lassen sich drei Faktoren identifizieren, um starke Feindbilder zu verhindern:

1. Konflikte sind leicht in der Lage, die großen Differenzen zu liefern, die unsere Kategorisierung bestimmen. Doch in allen Fällen gibt es neben dem aktuellen Konflikt auch Übereinstimmungen, gemeinsame Interessen, andere Wahrnehmungsebenen, auf denen Konfliktgegner gemeinsam in einer ingroup sind. Aus diesem Grunde ist es so wichtig, Konflikte frühzeitig genau zu analysieren, bevor sie für viele Menschen kategorisierungsbestimmend werden. So könneu auch diejenigen Dimensionen aufgedeckt und öffentlieb gemacht werden, in denen kein Konflikt besteht.

2. Der zweite Faktor, der zur Entstehung von Feindbildern beiträgt, ist die soziale Vermittlung von Wahrnehniungsmustern. Zur Bildung oder Stärkung kollektiver Identitäten werden häufig Gruppengemeinsamkeiten konstruiert - und damit zugleich Unterschiede zwischen Gruppen überbetont (z.B. im Nationalismus). Auf der Stiche nach positiver sozialer Identität übernehmen wir dann gerne diese Kalegorisierungen, die uns als Mitglieder der positiv beurteilten Gruppen erscheinen lassen. Wer solche Wahrtielintungsniuster propagiert, wer die Differenzen zwischen »uns« und »den anderen« übertreibt und damit übereinstimmende Kategorisierungen herbeiführen möchte, trägt zur Entstehung von Feindbildern bei.

3. Zunächst aber sind - als dritter Faktor - immer die eigenen Weltbilder der erste Ort, Kategorisierungen, Wahrnehmungsmuster und Gruppenbewertungen zu überprüfen. Von wem lassen wir uns die Kategorisierungen vorgeben? Wovon werden unsere Wahrnehmungsmuster bestimmt (Politikerinnen und Politiker, Massenmedien, Lehrer und Lehrerinnen etc.)? Hat sich daraus ein Schwarzweiß-Bild ergeben, in dem die Bewertungen sich nach ingroup und outgroup richten? Oder sind wir in der Lage, auch die negativen Anteile der eigenen Gruppe(n) wahrzunehmen, unsere Wahrnehmungsmuster auf den Prüfstand zu stellen und auch mit anderen Kategorisierungen die Welt zu betrachten? Daraus resultiert ein farbiges Bild der Welt, eine Versicherung gegen die Eskalation von Konflikten, und der wirksamste Baustein gegen Feindbilder.

Christoph Weller: Warum gibt es Feindbilder? In: Jochen Hippler / Andrea Lueg (Hrsg.): Feindbilder Islam oder dialog der Kulturn? Hamburg 2002, S. 57 f., Auszug.

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