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Bilder und Fotos sind nicht eindeutig. Sie lassen Platz für Assoziationen und Interpretationen. Jedes Bild stellt eine (bewußte) Auswahl und einen Ausschnitt aus einem Zusammenhang dar. Erst der Zusammenhang stiftet den weitergehenden Sinn.
Die Manipulationstechniken sind nicht neu, sie wurden jedoch im Laufe der Zeit verfeinert und durch neue technologische Entwicklungen revolutioniert.
Die Fotografin Cornelia Dilg nennt die wichtigsten Manipulationstechniken:
1. Suggestive Gestaltung des Text-Bild-Verhältnisses: Bild und Text haben nichts miteinander zu tun. Das Bild wird in einen anderen Kontext gestellt.
2. Verfälschung durch Beschneiden oder Retuschieren: Ungewollte Bildteile werden (mit der Schere) herausgeschnitten und (mit dem Pinsel) retuschiert.
3. Elektronische Bildbearbeitung: Durch die digitale Technik ist es möglich, Bilder in beliebiger Art neu zu komponieren, ohne daß diese Veränderungen für den Betrachter noch feststellbar sind. Herkömmliche Bilder sind nur noch Ausgangsmaterial für neue Zusammenstellungen. Deshalb sollte beachtet werden, daß es wahre und richtige Bilder nicht mehr gibt. Bilder gewinnen an Aussagekraft, wenn sie mit Aufnahmeort und Aufnahmedatum versehen sind. Bilder gewinnen an Glaubwürdigkeit, wenn der Fotograf oder Autor glaubwürdig ist.
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Es wird immer leichter, Bilder zu produzieren, aber auch zu manipulieren. Die Verlockungen des Marktes sind groß. „Wer die Bilder beherrscht, beherrscht auch die Köpfe“, so eine Erkenntnis, die Bill Gates zugeschrieben wird und die auch andere zu Höchstleistungen anspornt. Demokratie, Verführung und Demagogie liegen dicht beieinander. (...) Dank digitaler Technik, der Anwendung moderner Medien und der Popularität des Internet sind Authentizität und Autorenschaft meist nicht mehr nachzuprüfen. |
Bildaussagen werden hergestellt oder verfälscht
– durch bewußt inszenierte Bilder;
– durch falsche Bildunterschriften;
– indem ein Bild in einen anderen Zusammenhang gestellt wird;
– durch keine oder falsche Ortsangaben;
– indem Bilder seitenverkehrt gezeigt werden;
– indem der Bildhintergrund weggelassen oder verändert wird;
– indem Teile wegretuschiert oder hingefügt werden;
– indem (virtuelle) Bilder komplett im Computer erzeugt werden.
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Es gibt FotografInnen, die versuchen, den Glauben an ihre Neutralität, bzw. die Objektivität ihrer Fotos aufrechtzuerhalten, indem sie behaupten, sie fotografierten ja nur das, was sie sähen. Natürlich sehe ich, was ich fotografiere. Aber umgekehrt gilt das nicht unbedingt. Wir fotografieren ja nur in wenigen Momenten. Da wir aber von der Sichtweise unserer Kultur geprägt sind, bleiben viele Momente unzugänglich. Manche „Wahrheiten“ sehen wir gar nicht. Wir machen uns ein falsches Bild. |
Inszenierte Bilder
Um die Kontrolle über die Interpration des Geschehens zu behalten wird es gerade in Krisen und Kriegsgebieten Bildjournalisten oftmals untersagt eigenes Bildmaterial zu erstellen. Sie sollen vielmehr auf angebotenes Material zurückgreifen oder speziell für sie inszenierte Szenen fotografieren. Dies war im 2. Golfkrieg 1991 ebenso der Fall, wie 1992 in Somalia. Auch die Fototermine von Politikern sind unter diese Rubrik der inszenierten Bilder einzuordnen.
Der falsche Kontext
Häufig werden Bilder in einem völlig anderen Kontext gestellt. Dies kann durch fehlende oder veränderte Bildunterschriften durch falsche Ortsangaben oder auch durch eine eigene Interpretation des Bildes geschehen. Ob nur schlampige Recherche oder bewußte Irreführung dahinter steckt, läßt sich oft nicht genau erkunden.
Falsche oder keine Orts- oder Zeitangaben
Ortsangaben und der Zeitpunkt der Aufnahme können für die Aussage eines Bildes von entscheidender Bedeutung sein.
Ein anderer Hintergrund
Die Veränderung oder der Austausch des Bildhintergrundes verändert die Aussage eines Bildes, stellt Personen oder Gegenstände visuell in einen neuen Kontext. Dieser massive Eingriff in ein Bild geschieht auch bei aktuellen Zeitungsbildern immer wieder. Vor allem dann, wenn z.B. unliebsame Personen wegretuschiert werden sollen
Die Seitenausrichtung von Bildern
Ob ein Bild „richtig“ oder seitenverkehrt gezeigt wird, ist nicht gleichgültig. Es entscheidet nicht nur darüber ob jemand zum „Links- oder Rechtshänder“ gemacht wird. Besonders die emotionale Wirkung eines Bildes ist stark mit seiner Seitenausrichtung verbunden.
Bildteile weglassen
„Jede Kultur besetzt und verbindet ihre Welt der Gedanken und Wahrnehmungen durch Bilder und Symbole. Mit ihnen versuchen die Menschen sich einen allgemein verständlichen Erfahrungs- und Erwartungshorizont aufzubauen“, schreibt der Kunsthistoriker Jürgen Reiche. Es gibt die Welt und die Bilder von der Welt. Wer die Bilder beherrscht, nimmt Einfluß auf die Vorstellungswelt der Menschen. Wer Bilder oder Bildteile löscht, versucht die damit verbundenen Personen oder Gegenstände in der Erinnerung so auszulöschen, so als hätten sie nie existiert. Bildmanipulationen sind Wahrnehmungs- und Bewußtseinsmanipulationen. Unser Bildgedächtnis ist höchst ungenau. In unserer Vorstellungswelt verfügen wir zwar über einen ungeheuren Fundus von Bildern über die Welt. Eine Detailgenauigkeit ist jedoch nicht gegeben. Die Verfügungsgewalt über den Bilderhaushalt einer Nation, so Jürgen Reiche, kann über das Wohl und Wehe der Menschen, über politische Stabilität und Chaos entscheiden. Nationalsozialismus und Stalisnismus haben dies in erschreckender Weise vor Augen geführt. Da die ständige Widerholung von Bildbotschaften zu kollektiven Sichtweisen führt hinterlassen sie Spuren im Bewußtsein der Bevölkerung. Die Verfügung über die Bilder ist deshalb immer auch die Verfügung über die Interpretationskraft über Geschichte und Gegenwart.
Werden Bildteile weggelassen, so fehlen zentrale Aussagen des Bildes. Der Inhalt wird für neue Assoziationen und Spekulationen frei, zumal das ursprüngliche Bild selten bekannt ist.
Fotomontagen – Fotos im Computer bearbeiten
Durch neue technische Möglichkeiten lassen sich Fotos leicht verändern und bearbeiten. Mit Hilfe des Computers gibt es vielfältige Möglichkeiten der Bildmontage. Daneben lassen sich auch völlig neue (virtuelle) Bilder erzeugen. Aus zwei Ausgangsbildern kann z.B. ein Drittes entstehen, ohne daß dies als Fotomontage zu erkennen ist. Die Frage nach der Authentizität, der Aussage und Beweiskraft muß bei digitalen Fotos völlig neu diskutiert werden.
Vgl. Günther Gugel / Uli Jäger: Weltsichten. Die Vielfalt des Globalen Lernens. Tübingen 1999, S. 115 ff.
Beeinflussung ist immer vorhanden
„Man kann nicht nicht beeinflussen. Daher ist die Frage, wie Beeinflussung und Manipulation zu vermeiden wären, absurd; übrig bleibt nur die uns somit nie erlassene Entscheidung darüber, wie dieses Grundgesetz menschlicher Kommunikation verantwortlich und in der humansten, ethischsten und wirkungsvollsten Weise anzuwenden ist.“
Paul Watzlawik: Die Möglichkeit des Anderssein. Bern, Stuttgart, Wien 1982, S. 15.