Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Stimmen zur Lehre vom Gerechten Krieg

„Die Theorie vom gerechten Krieg (hat) nichts mit Kreuzzügen zu tun. Wenn ich für eine heilige Sache in die Schlacht ziehe, ist alles erlaubt. Bei der Lehre vom gerechten Krieg geht es aber gerade um die Einschränkung möglicher Kriegsgründe, -zwecke und –mittel.“
Michael Walzer in: Lau, Jörg: Ein freier Denker. In: Die Zeit, 11, 2003.

„Gemäß ihrer christlich-großkirchlichen Tradition soll sie (Lehre vom gerechten Krieg) militärische Gewalt jedoch nicht befördern, sondern verhindern oder zumindest eingrenzen helfen. Sie ist nur vor dem Hintergrund eines fundamentalen Vorbehalts gegen den Krieg zugunsten des Friedens angemessen zu verstehen. Das besagt: Androhung und Anwendung von militärischer Gewalt sind nur bedingt zu rechtferigen - als Instrument von Gewaltverhinderung, -begrenzung und -verminderung.“
Fuchs, Albert: Gerechter Krieg? in: FriedensForum, 2/2001

„Abgesehen von der Tatsache, dass im Zeitalter von Massenvernichtungswaffen nicht nur Pazifisten die Gültigkeit der Lehre (vom Gerechten Krieg) in Frage gestellt sehen, hat diese Lehre in der Geschichte nachweislich kaum je zu dem gedient, wozu sie entwickelt worden ist, nämlich zur Vermeidung von Krieg. Stets wurde sie als moralische Legitimation verwendet, um Militäraktionen den Anstrich des selbstlosen Zuhilfeeilens zu geben. Das funktioniert auch heute, selbst in aufgeklärten demokratischen Gesellschaften.“
Enns, Fernando: Wer entscheidet ob ein Krig gerecht ist? in: der Überblick, 3, 2001, S. 101.

Das Parlament: Ist das klassische Konzept des „gerechten Krieges“ angesichts der aktuellen Entwicklungen heute noch tragfähig?
Münkler: Nein, es ist auf die jetzige Situation nicht anwendbar. Wenn die eine Seite alle Macht und die andere Seite alle Ohnmacht hat, dann heißt der „gerechte Krieg“, dass die eine Seite alles Recht und die andere Seite alles Unrecht hat. Was folgt daraus? Im Prinzip nur, dass die unterlegene Seite von vornherein kriminalisiert wird.
Interview mit Herfried Münkler, Politikwisschenschaftler:in: Das Parlament vom 17.03.2003, S. 15

„Es gibt zwei Arten von Auseinandersetzungen, die auf dem Wege der Erörterung und die durch Gewalt. Da die erste den Menschen eigentümlich ist, die zweite aber den Tieren, dürfen wir zur zweiten nur Zuflucht nehmen, wenn die erste versagt. Und deswegen ist zwar der Krieg geboten, um ohne Unrecht im Frieden leben zu können, nach dem Sieg aber muss man diejenigen Feinde schonen, welche im Krieg nicht grausam oder unmenschlich waren.“
Cicero, nach: Schröder, Richard: Ohne Unrecht in Frieden Leben, in: Die Zeit, 8.3.1991, S. 13.

Und wer bestimmt schon im konkreten Fall, was gerecht ist? Gerechtigkeit ist ihrem Wesen nach nicht von demjenigen herstellbar, der gekränkt oder beschädigt wurde, sondern nur von einer übergeordneten, unparteiischen Moral- und Rechtsinstanz. Die Definitionsmacht darüber, ob ein Krieg gerecht ist, kann doch nicht der Willkür der kriegführenden Partei überlassen werden.
Im 21. Jahrhundert gibt es für Krieg keinerlei Rechtfertigung mehr, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, 11/ 2002

Gute Absichten garantierten für nichts. Es war sehr wohl möglich, dass ein Kampf für die gute Sache in der Barbarei endete. In Vietnam beispielsweise hatte die Art der Kriegsführung die Motive (Förderung von Freiheit, Schutz der Menschenrechte) ad absurdum geführt.
Lau, Jörg: Ein freier Denker. In: Die Zeit, 11, 2003

Ein Krieg ist in erster Linie dann gerechtfertigt, wenn er Unschuldige vor sonst unabwendbarem Unrecht schützt. (...) Wenn es zwingende Bewise dafür gibt, dass unschuldigen Menschen, die nicht in der Lage sind sich selbst zu schützen, schweres Unrecht geschieht, sofern dem Angreifer nicht gewaltsam entgegengetreten wird, dann verlangt der moralische Grundsatz der Nächstenliebe von uns, Gewalt einzusetzen.
Die Gerechtigkeit und der Krieg, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, 6/ 2002, S. 759.

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