Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Geschichte der Lehre vom gerechen Krieg

In De civitate dei greift er (Aurelius Augustinus) auch das Konzept vom »gerechtcn Krieg« auf, das ihm aus seiner Cicero-Lektüre vertraut war. Obwohl er den ewigen Frieden in Gott als das höchste Ziel des Lebens bezeichnet ist doch im Analogieschluss der irdische Frieden für ihn das wichtigste Ziel der Politik. Nach fast einhundert Jahren Staatschristentum muss er einen Kompromiss suchen zwischen dem militärischen Gewaltpotenzial des Staates und der pazifistischen Ethik der Christen. Von Platon übernimmt er die These, dass allein das Ziel des Friedens die Beteiligung an einem Krieg rechtfertige. Von Cicero übernimmt er zusätzlich das römische Verständnis des Krieges als Rechtsakt, durch den Ungerechtigkeit gesühnt und Rechtsverletzter bestraft würden. Damit öffnet er seine Theorie einem "diskriminierenden Kriegsbegriff" - wie Huber/Reuter meinen (Friedensethik 1990, S. 51)-, der die jeweiligen Gegner von vornherein ins Unrecht setzt. Der »gerechte Krieg« ist der Rechtskrieg im Sinne eines Strafprozesses.
Gleichzeitig übernimmt Augustin aber auch die bereits in der griechisch-römischen Antike kursierenden Kriterien für die Begrenzung der Kriegsbereitschaft (ius ad bellum) und der Kriegsführung (ius in bello). So ist die „Lehre vom gerechten Krieg“ in den Fundus der abendländischen Theologie eingegangen, ohne sich freilich zunächst größerer Beachtung zu erfreuen. Im Hochmittelalter versuchten die Bischöfe noch, die Erhaltung des Friedens durch ihre geistliche Autorität mit dem Instrument der »treuga dei« durchzusetzen. Um das Fehdewesen einzuschränken, bedienten sie sich des öffentlichen Bußsakraments und drohten unbußfertigen Kriegern mit Exkommunikation
Erst durch Thomas von Aquin gewinnt die Lehre vom gerechten Krieg jenen ethisch-theologischen Stellenwert, den sie fortan bis ins 20. Jahrhundert behalten sollte.

Vgl. Günter Stobbe in: H.-R Reuter. Konzil des Friedens, FEST, Heidelberg 1987, S. 81-85.
Götz Planer-Friedrich: Paradigmenwechsel in der ökumenischen Friedensethik, in: 4/3, Nr. 4, 2002, S. 147

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