Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Wie Eltern reagieren können

Die Entwicklungen um den Irak-Konflikt haben deutlich werden lassen, dass Kriege immer noch als Mittel der Politik gesehen und angewendet werden.
Viele Menschen haben Angst vor Terroranschlägen und weiteren kriegerischen Auseinandersetzungen.
Dabei werden weltweit Jahr für Jahr schon über 20 Kriege geführt.
Kinder sind von den aktuellen Kriegen und Terroranschlägen nicht unberührt.
Sie verfolgen das Geschehen auf ihre Art, stellen Fragen, machen sich ihre eigenen Gedanken. Sie sind von den Bildern und Informationen tief berührt und irritiert, verstehen vieles nicht, können vieles nicht in ihr bisheriges Weltbild einordnen. Das Kriegsgeschehen und die damit verbundene Berichterstattung machen ihnen auch Angst.

1. Kinder brauchen gerade in einer als bedrohlich empfundenen Situation Sicherheit, emotionale Geborgenheit und Zuversicht für die Zukunft. Nur dies ermöglicht ihnen Entwicklung und (psychisches) Überleben.
2. Machen Sie sich klar, dass Kinder auch nach dem Warum von Krieg und Terror fragen. Wehren sie Fragen nach Zusammenhängen und Details nicht ab, sondern beantworten sie diese nüchtern und sachlich nach ihrem Wissensstand. Geben Sie zu, wenn Sie etwas nicht wissen, die Kinder spüren dies sowieso. Versuchen Sie gemeinsam mit ihnen Antworten auf offene Fragen zu finden. Vermeiden Sie unbedingt Verallgemeinerungen und vorschnelle Schuldzuschreibungen.
3. Nehmen Sie die auftretenden (z.T. massiven) Ängste der Kinder ernst und wehren Sie diese nicht als unbegründet ab. Machen Sie den Kindern jedoch auch deutlich, dass Sie bei ihnen sind und sie deshalb jetzt nichts zu befürchten haben.
4. Versuchen Sie nicht, den Kindern Informationen über die Geschehnisse vorzuenthalten. Zwingen Sie den Kindern aber auch keine Informationen auf. Lassen sie die Kinder bei die Berichterstattung im Fernsehen oder Rundfunk nicht alleine. Achten Sie darauf, dass Sie solche Berichte nur gemeinsam hören oder sehen. Sprechen Sie mit den Kindern anschließend über Ihre Empfindungen und die der Kinder.
5. Rechnen Sie damit, dass die Kinder Szenen aus dem Erlebten und Gehörten in ihre Phantasie und in ihre Spiele einbeziehen. Halten Sie es aus, wenn Terroranschläge oder Kriege nachgestellt oder nachgespielt werden. Kinder setzen sich so mit ihrer Umwelt auseinander und verarbeiten damit auch ihre Eindrücke.
6. Verbergen Sie nicht ihre eigene Betroffenheit, Angst, Wut und Hilflosigkeit über das Geschehen. Aber laden Sie Ihre Emotionen nicht auf Ihre Kinder ab, sondern vermitteln Sie ihnen dass es notwenig ist, sich gegen die Gewalt zu stellen und Täter aufzuspüren und zu bestrafen.
7. Helfen Sie mit, die Gefühle der Kinder in Worte zu fassen. Entdecken Sie aber auch die Gefühle, die hinter den Worten (Fragen, Witzen usw.) der Kinder stecken. Lassen Sie die Kinder mit ihren Gefühlen nicht allein. Zeigen Sie Ihnen, auch durch körperliche Nähe, dass sie bei Ihnen geborgen sind.
8. Halten Sie den normalen Alltag (Tagesablauf) so weit wie möglich aufrecht. Teilen Sie dabei aufmerksam den Alltag mit den Kinder. Nehmen Sie sich besonders viel Zeit für die Kinder. Entdecken Sie dabei mit ihnen gemeinsam Schönes und Außergewöhnliches.

Kriegsangst ist bei Jugendlichen die dominierende Angst. Dies hat sich in den letzten 10 Jahren immer wieder, gerade auch in Krisensituationen gezeigt.
Angst wird von den meisten Kindern und Jugendlichen als vorherrschendes Gefühl angegeben. Kriegsängste nehmen dabei im Vergleich zu anderen Ängsten die höchste Rangstufe ein.
In praktisch jeder Altersstufe rangieren „politische Ängste“ (z. B. vor Krieg) vor „persönlichen Ängsten“ (z. B. vor Schulversagen oder Scheidung der Eltern) an erster Stelle. Die Auseinandersetzung mit Krieg beginnt bereits zwischen dem 4. und 8. Lebensjahr.
Jungen und Mädchen sprechen vor allem mit ihren Freunden und Freundinnen über Krieg und Frieden und erst an zweiter Stelle mit ihren Eltern.
Kriegsängste bei Kindern und Jugendlichen sind oft gleichbedeutend sind mit ihrer Angst vor der Zukunft überhaupt.

Die größten Ängste
Auf die Frage, „Wovor haben Sie am meisten Angst?“, antworteten Jugendliche:
– Krieg (53 %)
– Einsamkeit (13 %)
– Arbeitslosigkeit (13 %)
– Umweltkatastrophen (10 %)
– Kriminalität (6 %)
– Scheidung der Eltern (5 %)

Diese Untersuchung wurde 1999 von Emnid im Auftrag des SPIEGELs durchgeführt.
Der Spiegel, 28/1999, S. 95.

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