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Kriegsangst ist bei Jugendlichen die dominierende Angst. Dies hat sich in den letzten 10 Jahren immer wieder, gerade auch in Krisensituationen gezeigt.
Angst wird von den meisten Kindern und Jugendlichen als vorherrschendes Gefühl angegeben. Kriegsängste nehmen dabei im Vergleich zu anderen Ängsten die höchste Rangstufe ein.
In praktisch jeder Altersstufe rangieren „politische Ängste“ (z. B. vor Krieg) vor „persönlichen Ängsten“ (z. B. vor Schulversagen oder Scheidung der Eltern) an erster Stelle. Die Auseinandersetzung mit Krieg beginnt bereits zwischen dem 4. und 8. Lebensjahr.
Jungen und Mädchen sprechen vor allem mit ihren Freunden und Freundinnen über Krieg und Frieden und erst an zweiter Stelle mit ihren Eltern.
Kriegsängste bei Kindern und Jugendlichen sind oft gleichbedeutend sind mit ihrer Angst vor der Zukunft überhaupt.
Auf die Frage, „Wovor haben Sie am meisten Angst?“, antworteten Jugendliche:
– Krieg (53 %)
– Einsamkeit (13 %)
– Arbeitslosigkeit (13 %)
– Umweltkatastrophen (10 %)
– Kriminalität (6 %)
– Scheidung der Eltern (5 %)
Diese Untersuchung wurde 1999 von Emnid im Auftrag des SPIEGELs durchgeführt.
Der Spiegel, 28/1999, S. 95.
Repräsentative Studie des R+V-lnfocenters
Gespenster, der schwarze Mann und die böse Hexe - sind dies die größten Ängste von Kindern? Das ist nicht der Fall.
"Am stärksten ausgeprägt ist ihre Furcht, daß jemandem in ihrer Familie etwas Schlimmes passieren könnte", sagt Rita Jakli, Pressesprecherin der R+V Versicherung, bei der Vorstellung der Studie über die Ängste der Kinder 1999.
Das Institut für Jugendforschung befragte bundesweit 1.000 Mädchen und Jungen im Alter von 6 bis 14 Jahren in persönlichen Interviews. Sie beantwarteten siebzehn Fragen über ihre Ängste im gesellschaftlichen, politischen und persönlichen Umfeld.
"Zu den größten Sorgen der jungen Generation zählen weiterhin die Angst vor Sittlichkeitsverbrechern und vor einer Kriegsverwicklung Deutschlands.
Die drittgrößte Angst der jungen Generation ist der Krieg. Im Befragungszeitraum (22. März bis 20. April 1999) gewann dieser Aspekt durch den Kosovokrieg zusätzliche Aktualität. Der Hälfte aller befragten Kinder macht die Kriegsverwicklung Deutschlands große Sorgen.
Die Angst vor Krieg verstärkte sich jedoch nur in der Gruppe der 12- bis 14jährigen wesentlich und liegt hier auf dem ersten Platz vor allen anderen Ängsten. Anders die jüngeren Kinder, deren Kriegsangst sich kaum verändert hat.
Eine mögliche Erklärung: Bis zu einem Alter von etwa zehn Jahren haben jüngere Kinder die Fähigkeit, Probleme, die sie noch nicht verarbeiten können, auszublenden. Bei grausamen Fernsehbildern zum Beispiel schauen sie zum Teil instinktiv weg oder nehmen die schlimmsten Einzelheiten gar nicht wahr.
Dennoch verbreitet der Gedanke an Krieg auch für jüngere Kinder großen Schrecken. Sie begreifen schon früh, daß Krieg Gewalt, Zerstörung und Tod bedeutet und sie nichts tun können, um kriegerische Auseinandersetzungen zu verhindern. Für Erwachsene scheint die Kosovo-Krise als "Krieg vor der Haustür" eine neue Schreckensdimension erhalten zu haben. Für kleinere Kinder indes ist das Szenario zu abstrakt. Sie machen keinen Unterschied zwischen einem Krieg in Europa oder in weiter Ferne, sondern sehen nur die Greuel des Krieges an sich.
Die Angst vor Krieg nimmt bei bislang jeder Studie des R+V-lnfocenters zu Kinderängsten einen vorderen Platz in der Liste ein.
Auszug aus: Ängste der Kinder 1999
Repräsentative Studie des R+V-lnfocenters
R+V Versicherung, Wiesbaden
Redaktion:
Ahrens & Behrent
Stiftstr.8-10
60313 Frankfurt
Tel.: 069-92010-0, Fax: 069-92010-200
DDas "LBS-Kinderbarometer" untersucht Stimmungen, Einstellungen und Meinungstrends von Kindern und Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen. Die Erhebung erfolgt jeweils jährlich in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes NRW. Die hier zitierte Erhebung untersuchte, ob in Anbetracht derTterroranschläge vom 11. September 2001 und der darauf folgende nmilitärischen Einsätze in Afghanistan, die Erlebniswelt von Kindern durch die beschriebenen weltpolitischen Ereignisse tangiert wurden.
Es zeigte sich, dass das allgemeine Wohlbefinden der befragten Kinder und Jugendlichen im Mittel von einem Wet von 5.7 auf 5.4 Punkte abgefallen war. Die befragten Kinder hatten nunmehr nach dem 11. September 2001 vermehrt Angst vor Krieg und Terroranschlägen. Unmittelbar ins Auge fielen die massiven Ängste vor einem möglicherweise herannahenden Krieg, die nun von etwa 41 % der befragen Kinder geäußert wurden. Auf dieselbe Frage gaben im Frühjahr 2001 lediglich 1 % (!) der Befragen Kriegsangst an, eine Befindlichkeit, die somit fast nicht fassbar war.
Wie die Autoren ausführen, unterscheiden sichJungen und Mädchenin der Angst vor Terroranschlägen nicht, auch war kein Alerseffekt in Bezug auf diese Ängst bei den befragten Kindern nachzuweisen. "Üblichere" Ängste bei Kindern, etwa die Angst Freundinnen und Freunde zu verlieren, zeigten dagegen deutlichere Alters- und Geschlechtsunterschiede.
Auszug aus:
Burkhard Brosig / Elmar Brähler: Die Angst vor dem Terror – Daten aus deutschen Repräsentativerhebungen vor und nach dem 11. September.
Univ. Doz. Dr. Burkhard Brosig, Klinik für psychosomatrische Medizin un dPsychotherapie der Justus Liebig Universität Gießen
Burkhard.Brosig@psycho.med.uni-giessen.de
Prof. Dr. Elmar Brähler, Universität Leipzig, Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinsiche Soziologie
brae@medizin.uni-leipzig.de