Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Ökumenischer Rat der Kirchen

Die Vereinten Nationen sollen sofort Anstrengungen für einen Frieden in Kosovo unternehmen. Das fordern internationale Kirchenverbände in einem Brief an UN Generalsekretär Kofi Annan. Das Schreiben des Ökumenischen Rats der Kirchen, der Konferenz Europäischer Kirchen und des Lutherischen Weltbundes wird unterstützt vom Reformierten Weltbund.

Sehr geehrter Herr Generalsekretär, Wir geben auf diesem Wege unsere Bestürzung über die militärische Intervention der Nato in der Bundesrepublik Jugoslawien zum Ausdruck und appellieren an Sie, daß die Vereinten Nationen unverzüglich Anstrengungen unternehmen, um einen gerechten und andauernden Frieden im Kosovokonflikt zu erlangen.

Die von der Nato ausgeführte Intervention in der Bundesrepublik Jugoslawien manifestiert das Versagen der internationalen Völkergemeinschaft, eine glaubwürdige Lösung auf dem Verhandlungsweg zu erreichen. Jedes weitere Bombardement erschwert eine Lösung und steigert das Risiko einer Regionalisierung des Konfliktes. Zudem wird die Gefahr einer erneuten Teilung Europas vergrößert.

Wir rufen daher zu einem sofortigen Moratorium des militärischen Einsatzes der Nato auf, damit unter Ihrer Führung und der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen erneut ein politischer Prozeß eingeleitet wird.

Wir stimmen dem Appell vom 25. März 1999 von Patriarch Pavle, dem Oberhaupt der Serbischen Orthodoxen Kirche, zu, in dem er die Regierungen aller Länder der Welt dazu aufruft, ,sich für die Einstellung der Bombardierungen einzusetzen und eine gerechte Lösung der gegenwärtigen Krise auf dem Verhandlungswege zu erreichen. Die Serbische Orthodoxe Kirche ruft die Militär- und Zivilbehörden Serbiens und Jugoslawiens dazu auf, alles zu unternehmen, was in ihrer Macht steht, um Frieden zu schaffen'. Wir stimmen der Erklärung der Religionsführer aus Kosovo zu, eine gewaltlose Lösung des Konfliktes auf der Basis von Grundrechten zu schaffen, die allen Gemeinschaften zugestanden werden.

Wir wiederholen unsere Uberzeugung, daß bei den Verhandlungen in Rambouillet entscheidende Fortschritte in Richtung auf eine anhaltende politische Regelung hin gemacht wurden, an die angeknüpft werden sollte. In der gegenwärtigen Lage jedoch glauben wir, daß nur die Vereinten Nationen einen Rahmen für eine neue Initiative bieten können, die aus dieser ausweglosen Situation führt.

Im Namen unserer Mitgliedskirchen bestätigen wir unsere Bereitschaft, jegliche Initiative zu unterstützen, die Ihre Exzellenz zur Einstellung der gegenwärtigen militärischen Gewaltaktionen unternimmt, um eine gewaltlose Lösung des Konfliktes in der Bundesrepublik Jugoslawien herbeizuführen."

Dokumentiert in: Frankfurter Rundschau, 31.3.1999, S. 4.

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