Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Katastrophenhilfe

Typologie von Katastrophen

plötzlich auftretend

 

sich langsam entwickelnd

Sog. Naturkatastrophen

plötzlich auftretend wie z.B.

  • Erdbeben
  • Bergstürze
  • Stürme
  • Hagel
  • Kälte-, Hitzewellen

allmählich entstehend, wie z.B.

  • Hungersnöte
  • Versteppung
  • Flüchtlingsströme

Politische Katastrophen

z.B.

  • Kriege oft in Verbindung mit Dürre, Ernteausfällen

Technische Katastrophen

z.B.

  • Havarien
  • radioaktive Strahlen
  • Giftgase aufgrund technischer Mängel
  • Ölverschmutzung von Stränden
 

Hilfsmaßnahmen

   

Soforthilfe

Bergung von Verletzten, medizinische Notversorgung, Notversorgung mit Lebensmitteln, Versorgung mit Decken und Zelten

Überlebenshilfe

Vorübergehende Aufrechterhaltung der Versorgung mit Wasser, Nahrung, Bekleidung, Notunterkünften bis landeseigene Infrastruktur wieder funktioniert

Wiederaufbauhilfe/Katastrophenprävention

Aufbau zerstörter Infrastruktur, Aufbau von Gesundheitsdiensten, Nahrungsmittelproduktion usw.

Grundsätze humanitärer Hilfe

   

Nicht jede Hilfe ist uneigennützig und nicht jede Hilfe bringt optimale Unterstützung für die Betroffenen vor Ort. Um dies zu gewährleisten wurden eine Reihe von Grundsätzen aufgestellt, die der Direktor von Brot für die Welt so zusammenfaßt:

Alle Menschen haben das Recht auf humanitäre Hilfe und humanitären Schutz. (...)

Hilfe und Schutz werden ohne Ansehen von Rasse, Religion, Staatsangehörigkeit, politischer Überzeugung oder sonstigen Unterscheidungsmerkmalen gewährt. (...) Einziges Kriterium bei der Abwägung von Prioritäten der Hilfeleistung ist die Not der Menschen.

Katastrophenhilfe soll die Würde des Menschen bei der Durchführung der Hilfe achten. Sie respektiert am Einsatzort geltendes Recht und Brauchtum.

Die Hilfeleistenden verpflichten sich, sowohl gegenüber den Empfängern der Hilfe als auch gegenüber denjenigen, deren Zuwendungen und Spenden sie annehmen, Rechenschaft abzulegen.

Katastrophenhilfe ist in erster Linie Überrlebenshilfe. Dabei bezieht sie die Selbsthilfekräfte ein und versucht, die Katastrophenanfälligkeit zu mindern.

Katastrophenhilfe bemüht sich, von Anfang an in längerfristige Maßnahmen der "Hilfe zur Selbsthilfe" und der Entwicklungsförderung (...) überzuleiten. Deshalb bezieht Katastrophenhilfe örtliche Partner in ihre Planungen und Maßnahmen ein.

Hilfsgüter müssen bedarfsgerecht eingesetzt werden und sollen den lokalen Standards entsprechen. Sinnvoller ist der Einkauf von Nahrungsmitteln vor Ort oder in Nachbarländern als das Abtragen von überschußbergen in Europa oder den USA.

Verstärkt werden muß die Katastrophenvorbeugung. Vorbeugung hat zwei Aspekte: Einerseits die Verhinderung von Katastrophen oder doch wenigstens die Abschwächung ihrer Auswirkungen und andererseits die Vorbereitung eines schnellen und wirksamen Einsatzes der materiellen und personellen Ressourcen in Nothilfe und Wiederaufbau.

Hans-Otto Hahn: Vorwort. In: Hauptgeschäftsstelle des Diakonischen Werkes der EKD (Hrsg.): Diakonie Katastrophenhilfe. Rückblick, Berichte, Bilanz 1994. Stuttgart 1995, S. 2 f.

Phasen einer Hilfsaktion

   

1. Bedürfnisfeststellung

  • Die humanitäre Hilfe muß sich an den Bedürfnissen der betroffenen Menschen orientieren
  • Voraussetzung: Genaue Datensammlung über den Verteilungsbedarf

2. Absicherung der humanitären Hilfe

  • Es muß gewährleistet sein, daß die humanitären Hilfsleistungen nicht durch Kriegshandlungen behindert werden
  • Voraussetzungen: Verhandlungen mit den Konfliktparteien, z.B. mit dem Ziel, Friedenskorridore zu schaffen.

3. Mitarbeit vor Ort

  • Erfolgreiche humanitäre Hilfe erfordert die Mithilfe vor Ort
  • Voraussetzung: Kontakte zu Einrichtungen, Behörden etc.

4. Mobilisierung der Ressourcen

  • Für die humanitäre Hilfe müssen die notwendigen Ressourcen beschafft werden
  • Voraussetzung: Geld- und Sachspenden, klares Spendenprofil

5. Verantwortlichkeit festlegen

  • Vor der Durchführung der humanitären Hilfe muß klar sein, wer verantwortlich ist (z.B. für den Abbruch, für den Rechenschaftsbericht)

Vgl.: Heike Henn / Stephan Klingebiel: Helfer im Kreuzfeuer. Humanitäre Hilfe in Kriegssituationen. In: Volker Matthies (Hrsg.): Frieden durch Einmischung? Bonn 1993, S. 118f.

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