Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Gewaltfreie Konfliktlösungen in ethnonationalen Konflikten

Überblick

   

Grundannahme

Durch eine empathischen und rationalen Diskurs ist es prinzipiell möglich, die Grundbedürfnisse aller Konfliktpartner nach Sicherheit, Identität und Partizipation zu befriedigen..

Grundarbeitsweise

Mehrere mehrtägige workshops mit Angehörigen der verschiedenen Konfliktparteien

Voraussetzung bei Konfliktparteien

Bereitschaft und Fähigkeit gewaltfrei miteinander zu kommunizieren

Schritte

1. Persönlicher Kontakt

2. Analyse des Konfliktes

3. Kreative Lösungen für gemeinsame Probleme

4. Einigung auf praktische Vorschläge, Empfehlungen und Vereinbarungen

Aufgaben der Vermittler

  • Identifizierung der wichtigsten Themen und Akteure
  • Auswahl der Teilnehmer und Ihre Vorbereitung
  • Maßnahmenum das Vertrauen der Konfliktparteien zu gewinnen
  • Festlegung von Basisregeln für die Interaktion
  • Auswahl und Strukturierung der zu behandelnden Themen
  • Interventionen um die Prozeßdynamik sichtbar zu machen

Allgemein:

  • Eine kommunikative und lernfördernde Atmosphäre schaffen
  • Anstöße für eine gemeinsame Problemlösung durch die Betroffenen geben
  • Bewußter Verzicht auf Vermittlungsvorschläge

Ziel

  • weitere Eskalationen verhindern
  • Kommunikationsbarrieren abzubauen

Die Parteien sollen

  • sich auf Interessen statt auf Positionen konzentrieren
  • gemeinsame Problemlösung suchen
  • beide Seiten sollen von der Lösung provitieren

Dritt-Partei-Interventionen gesellschaftlicher Träger

   

Die Grundlage des Konzeptes besteht aus zwei Überzeugungen:

"1. Tief verwurzelte und lang anhaltende (protracted) soziale Konflikte haben in der Regel ihre Ursache in der Frustration menschlicher Grundbedürfnisses nach Sicherheit, Identität und Partizipation. Diese Grundbedürfnisse sind universell und nicht kompromißfähig. Die Konfliktbearbeitung muß dazu beitragen, die Grundbedürfnisse zu befriedigen.

2. Es ist möglich, daß durch die Förderung wechselseitiger Empathie und die Aufklärung über alternative Verhaltensoptionen sowie deren Kosten eine einvernehmliche Konfliktlösung gefunden wird.

Mit andern Worten: Durch eine empathischen und rationalen Diskurs ist es prinzipiell möglich, die Grundbedürfnisse aller Konfliktpartner nach Sicherheit, Identität und Partizipation zu befriedigen.."

"Die bisher dokumentierten Workshop-Ansätze gehen von der optimistischen Unterstellung aus, daß bei wechselseitiger Anerkennung der Grundbedürfnisse, bei gelungener Beziehungsklärung und bei hinreichender Transparenz in bezug auf die Folgen verschiedener Handlungsoptionen die gemeinsame Problemlösung letztlich nur eine Optimierungsaufgabe sei. In der Praxis sind die drei Prämissen jedoch in der Regel nur partiell eingelöst."

Vgl. Norbert Ropers: Ethno-soziale Konflikte und ihre Beareitung durch Drittpartei-Interventionen gesellschaftlicher Träger. In: Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung, Stadtschlaining u.a. (Hrsg.): Krieg und gewaltfreie Konfliktlösung. Friedensbericht 1994. Bern 1994, S. 215-229.

Einwände

   

1. Die dem Mediator zur Verfügung stehenden Machtressourcen sowie seine Fähigkeiten zur Koalitionsbildung im Spannungsfeld sind für den Prozeß entscheidender als seine Neutralität. Konsulationsprojekte ohne den Zwang zu verbindlichen Ergebnissen zu kommen, können nur marginale Bedeutung haben.

2. Es gibt keine universellen Grundbedürfnisse. Zumindest die Bedürfnishierarchien sind gesellschaftlich und kulturell gesprägt.

3. Die Modelle betonen zu stark die Kommunikation zwischen Individuen und zu wenig die Veränderung institutioneller Arbeitszusammenhänge.

4. Die Konzentration auf einen bestimmten Workshop-Typ wird den verschiedenen Konflikttypen und der unterschiedlichen Konfliktintensität, die je andere Arbeitsansätze erfordern nicht gerecht.

5. Mit welcher Berechtigung sind vorwiegend im Westen angesiedelte Institutionen in außerwestlichen Konfliktfelder als dritte Parteien tätig? Kann das nicht auch eine Art Mediationsimperialismus sein?

6. Alle Interventionen von außen können in einem zugespitzen Konflikt nur begrenzt wirksam sein. Sie können nicht mehr als Hilfe zur Selbsthilfe sein. Die Helfer tun gut daran, genauzu überlegen, aus welchen Motiven und Interessen heraus sie sich in einem Konflikt engagieren.

Inwieweit ist dieses Konzept nur anwendbar auf westlich geprägte Gesellschaften, da es menschliche Entwicklung primär mit einem individuellen Maßstab mißt?

Vgl. Norbert Ropers: Ethno-soziale Konflikte und ihre Beareitung durch Drittpartei-Interventionen gesellschaftlicher Träger. In: Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung, Stadtschlaining u.a. (Hrsg.): Krieg und gewaltfreie Konfliktlösung. Friedensbericht 1994. Bern 1994, S. 215-229.

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