Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Friedensdienste in Flüchtingslagern

Hilfe in Flüchtlingslagern - Eine Übersicht

Ziele

  • Überlebenshilfe
  • Schutz vor Übergriffen durch Soldaten
  • Abwechslung vom eintönigen Alltag
  • Überwindung von Apathie, Ohnmacht, Perspektivlosigkeit
  • Zeichen der Solidarität von außen
  • Öffentlichkeit herstellen

Arbeitsansätze

  • Spiel- und Lernangebote
  • Gemeinsame Unternehmungen / Ausflüge
  • Hilfe bei Behördengängen
  • Als Gesprächspartner zur Verfügung stehen
  • Vermittlung bei Konflikten zwischen den Flüchtlingen

Erforderliche Kompetenzen und Fähigkeiten

  • Sprach- und Landeskenntnisse
  • Kenntnisse über die Fluchtursachen
  • Pädagogische Fähigkeiten
  • Bereitschaft zur Zusammenarbeit im Team
  • Bereitschaft zum Verzicht

Probleme und Chancen für Friedensdienstleistende

  • Persönliches Risiko
  • Umgang mit Extremsituationen
  • Überwindung von Ohnmacht
  • Gewinn für eigene Lebensgestaltung
  • Lernen von anderen Kulturen

Vgl. Uli Jäger: Soft-power. Wege ziviler Konfliktbearbeitung. Tübingen 1996.

Hilfe in Flüchtlingslagern in Kroatien

   

"1. Der Dienst der freiwilligen Helferinnen und Helfer ist ein Dienst an den Flüchtlingen. Sie helfen den Kindern und Jugendlichen, ihrem Leben einen neuen Lebensinhalt zu geben, über das Leid hinwegzukommen und neuen Mut zum Leben zu fassen. Das geschieht durch ein strukturiertes Angebot zum Spielen und Lernen. Durch den Dienst der Freiwilligen in den Flüchtlingslagern ist die Atmosphäre spürbar besser geworden. Die Aggressivität der Kinder und Jugendlichen hat sehr stark nachgelassen. Aus den Zeichnungen der Kinder wird deutlich, daß sie in der ersten Phase noch sehr stark von Krieg und Leid geprägt waren, sich aber im Laufe der Zeit für neue, lebensbejahende Inhalte öffnen konnten.(...)

2. Der Dienst der Freiwilligen ist ein Zeichen der Solidarität mit dem Schicksal der Flüchtlinge. Die Freiwilligen teilen für einen gewissen Zeitraum ihr Leben mit dem der Flüchtlinge. Sie vermitteln dadurch den Flüchtlingen den Eindruck, daß sie nicht alleingelassen sind, sondern daß sich Menschen aus ganz Europa um ihr Schicksal kümmern.

3. Die Anwesenheit der Freiwilligen garantiert einen gewissen Schutz für die Flüchtlinge. (...)

4. Der Dienst der Freiwilligen bietet eine Chance zum Lernen und Handeln für die Freiwilligen selbst. Sie erfahren, daß sie nicht ohnmächtig zuschauen müssen, daß sie durch solidarisches Handeln anderen Menschen helfen können. (...)

5. Der Dienst der Freiwilligen in den Flüchtlingslagern ist eine Chance zum Lernen in internationalen Zusammenhängen. Die Freiwilligen arbeiten im Team zusammen mit anderen Freiwilligen aus verschiedenen Ländern Europas.

6. Der Dienst der Freiwilligen als Friedensdienst ist ein Signal für die Bevölkerung in Deutschland: Wir müssen nicht ohnmächtig Zuschauer des Geschehens bleiben" wir können handeln."

Waldemar Ruez: Friedensdienst in Flüchtlingslagern in Kroatien. In: Probleme des Friedens, Heft 2-3 / 1994, S. 75 f.

Ferienpatenschaften für Flüchtlings- und Vertriebenenkinder

   

"Im Sommer 1994 haben wir für 200 bosnische Flüchtlings- und Vertriebenenkinder aus Slavonski Brod 14 Tage Sommerferien in Starigrad auf der Adriainsel Hvar finanziert. Wir haben dabei sehr gute Erfahrungen gemacht. Was hat es für die Kinder bedeutet, 14 Tage völlig ohne Angst spielen, schwimmen, sich sattessen können! Alle diese Kinder hatten bereits Schlimmes erlebt und wurden dort, wo sie hingeflüchtet waren, immer wieder daran erinnert. Sporadisch auftretende Schießereien gemahnten daran, daß das Schreckliche noch lange nicht vorbei ist. Wir konnten feststellen, daß dieser kurze Urlaub lange nachhallte. Bei einer Weihnachtsfeier im Dezember 1994 zeigten sich die Kinder immer noch gelöster und in gewisser Weise hoffnungsvoller, als wir sie kurz vor dem Sommerurlaub kennen gelernt hatten.

Aus dieser Erfahrung entstand die Idee, 1995 möglichst 1.000 Flüchtlings- und Vertriebenenkindern aus Slavonski Brod und der an Bosnien und Serbien grenzenden Region Südostslawonien einen vierzehntägigen Erholungsurlaub zu ermöglichen. Diese Ferien konnten wir nicht mehr aus dem allgemeinen Spendenaufkommen des Komitees finanzieren. Deshalb riefen wir zu Patenschaften über 220 DM für je ein Kind auf.

Es wurden über unsere Erwartungen hinaus sehr viele Patenschaften gespendet, so daß wir im Sommer 1995 etwa 1.650 Kindern ,Urlaub vom Krieg' ermöglichen konnten, und zwar wiederum in Starigrad auf der Insel Hvar, sowie auf der Insel Korcula und in Makarska an der dalmatinischen Adriaküste.

Das war durchaus ein großes Projekt; nicht nur finanziell, sondern auch organisatorisch. Selbstverständlich ging dies nur, indem wir die Verantwortung weitgehend an örtliche Organisationen übergaben. So an die Elterninitiative ,Unser Kind' in Slavonski Brod, an den bosnischen, inzwischen nach Kroatien vertriebenen Franziskanerorden von ,Plehan' und an die Frauenforen der Städte Zupanja und Vinkovci."

Klaus Vack: Frieden schaffen ohne Waffen! Humanitäre, friedenspolitische, menschenrechtliche Hilfe im ehemaligen Jugoslawien. Bericht und erneuter Aufruf. Broschüre des Komitee für Grundrechte und Demokratie, Dezember 1995 (Bezug: Komitee, An der Gasse 1, 64759 Sensbachtal).

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