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Westliche (nordamerikanische) versus traditionale Mediation

Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass bei der Bearbeitung ethnopolitischer Konflikte im afrikanischen Kontext solch unterschiedliche Referenzsysteme aufeinandertreffen. Vereinfacht gesagt werden westliche bzw. nordamerikanische Methoden des Konfliktmanagement mit traditionalen Methoden konfrontiert sein. Während sich erstere positivistisch auf das Machbare, auf die Problemlösung konzentriert und Konflikte als produktiv betrachtet, wird sich letztere auf gemeinschaftliche Prozesse, auf paternalistische Konzepte der Konfliktvermeidung beziehen. David Augsburger hat in einer umfangreichen Arbeit die Unterschiede zwischen den beiden Kulturen herausgearbeitet. Die Ergebnisse sind für den Mediator im interkulturellen Kontext so bedeutend, dass sie hier in tabellarischer Form wiedergegeben werden.

Die Ergebnisse sind von der qualifizierten Mediation zu berücksichtigen, auch wenn die Integration der beiden Ansätze in der Praxis äusserst schwierig sein dürfte. Der Mediator kann es jedoch nicht zulassen, dass eine Seite aufgrund spezifischer kultureller Merkmale bevorzugt wird, während die andere Seite aufgrund anderer kultureller Merkmale diskriminiert wird oder sich zurückversetzt fühlt. Dies kann die Asymmetrie zwischen den Akteuren unnötig vergrössen und dadurch den Prozess ins Stocken bringen. Die im folgenden skizierte qualifizierte Mediation wird sich somit mit dem Problem auf konstruktive Weise auseinander setzen müssen.

Nordamerikanische vs. traditionelle Methoden

Nordamerikanisches Modell

traditionales Modell

1. Mediation ist ein formaler Prozess mit spezialisierten Rollen. Eine klare formale Struktur zur Diskussion von komplexen Streiffragen schaffl einerseits einen Kontext von Sicherheit und Stabilität, andererseits leitet sie auf konstruktive Ziele und Ergebnisse hin. Zeit und Ort (Ablaufplan und Rahmen) sind eindeutig definiert.

Mediation ist eine Aufgabe der Gemeinschaft unter Einbeziehung bewährter Führungspersönlichkeiten. Dabei wird auf die üblichen Strukturen des Informationsflusses und der Streitschlichtung vertraut (Kontextualisierung). Es werden von den Konfliktparteien bekannte Wege, der von ihnen bevorzugte Zeitrahmen sowie der Kontext der vertrauten sozialen Interaktion genutzt.

2. Direkte Konfrontation und Kommunikation sind sowohl für Mediatorin als auch für Konfliktparteien wünschenswert. Im einleitenden Monolog der Mediatorin werden Kommunikationsregeln festgelegt, die die Sikung steuern werden. Die laufende Facilitation strukturiert den Kommunikationsfluss.

Indirekte, trianguläre, Drittpartei-Prozesse von Vermittlerinnen sind eher wünschenswert um das Gesicht zu wahren, die Bedrohung zu mindern, ungleiche Machtverteilungen auszubalancieren und unterschiedliche verbale oder argumentative Fähigkeiten auszugleichen. Kommunikation kann somit über andere gehen, Ansprüche können von VerteterInnen vorgetragen und Vereinbarungen von verschiedenen Teilnehmerinnen vorgeschlagen werden.

3. Zeit ist linear ('eins nach dem anderen') (monochrom), wird in getrennten Sikungen kontrolliert und mit einem strikten Zeitplan für Erklärungen (self disclosure) und Aussagen bezüglich von Forderungen und Gegenforderungen verwaltet.

Zeit ist relational (polychrom). Aufgaben und Zeitpläne sind persönlichen Beziehungen gegenüber zweitrangig, weshalb die individuellen Erklärungen Selbstoffenbarung (selfdisclosure) den Regeln der sozialen Rituale, dem persönlichen Zeitplan und den Belangen der Gemeinschaft folgen.

4. Der Prozess ist strukturiert, aufgabenund ergebnisorientiert im Hinblick auf das Erreichen von Einigungen über die Streiffragen. Autonomie und Individualität der streitenden Parteien bezüglich der Zielerreichung und Befriedigung stehen dabei im Mittelpunkt.

Der Prozess ist dynamisch, rational ausgerichtet und gelenkt auf das Lösen von Spannungen in Netzwerk und Gemeinschaft. Dabei ist die Verantwortung der Konfliktparteien für ihre weitere Umgebung sowie die Aussöhnung der geschädigten Parteien von zentraler Bedeutung.

5. Die Mediatorin wird als technische Spezialistin gesehen, mit einem professionellen, anonymen und unpersönlichen Verhältnis zu den streitenden Parteien. Die Vereinbarungen werden in einem schriftlichen Vertrag festgehalten, und die Mediatorin nimmt nicht länger am Leben der Konfliktparteien teil.

Mediatorinnen sind anerkannte Führungspersönlichkeiten der Gemeinschaft oder bewährte Vermittlerinnen (go-betweens) aus dem sozialen Kontext. Sie sind persönlich in dem sozialen Netz eingebunden und bleiben sowohl während wie auch nach der Bearbeitung des Konflikts mit den streitenden Parteien in Beziehung.

Quelle: Augsburger, David W.: Conflict Mediation Across Cultures. Luisville 1992. S. 204; übersetzt von Ropers in: Norbert Ropers: Friedliche Einmischung. Strukturen, Prozesse und Strategien zur konstruktiven Bearbeitung ethnopolitischer Konflikte. Berghof Report Nr. 1. Berlin 1995.

 
     

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