Home / Themen / Konstruktive Ko... / Mediation / Qualfizierte Mediation: Ein Konzept für ethnonationale Konflikte
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Zum Kontext |
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Der Kontext lässt sich nocheinmal unterteilen in die Art der Parteien, den Konflikttypus und die Charakteristik des Mediators.
Zur Art der Parteien
Zum Konflikttypus
Charakteristik des Mediators |
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Zum Prozess |
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Qualifizierte Mediation ist ein Prozess von einer gewissen Zeitdauer. Kontextanalyse und die Gestaltung des Prozesses sind wesentlich für die Erfolgsbedingungen. Die Gestaltung des Prozesses liegt nur teilweise in der Hand des Mediators. Viele Faktoren laufen zusammen, die den Prozess auf je spezifische Weise beeinflussen bzw. erst einen Prozess kreieren. So können unvorhergesehene Ereignisse, zum Beispiele sogenannte "trigger-events" (wie der Abschuss des Flugzeuges von Habyarimana am 6. April 1994), den Prozess der Mediation zum Stillstand bringen. Wichtigster Eiflussfaktor ist jedoch immer der Wille aller wesentlichen Konfliktparteien, die Vermittlung auch zu wollen. Sobald dieser Wille erlahmt oder in sein Gegenteil umschlägt, sinken die Erfolgsbedingungen drastisch bzw. der Versuch wird gestoppt und misslingt. Ebenfalls wichtig ist, dass sich der Prozess - den Willen der Parteien vorausgesetzt - so steuern lässt, dass jede Phase konstruktive Elemente im Hinblick auf die nächste Phase beinhaltet und zwar auch dann, wenn das Endziel noch nicht in Sichtweise ist. Das bedeutet, dass aus jeder Runde positive Anreize zum Weiterverhandeln erwachsen. Diese können sehr verschiedener Natur sein und sind situationsabhängig. Ein massiver Streit kann ebenso wohlwollend wirken, wie das Formulieren eines erreichten Teilziels oder das Wachsen des gegenseitigen Verständnisses. Es können aber auch flankierende Massnahmen sein, so etwa eine gezielte entwicklungspolitische Investition zur rechten Zeit am rechten Ort. Der Prozess wird durch die Ebenen der Intervention sowie die Verhandlungstoren und -formen, die der Mediator wählt, bestimmt. Wenn in einem Mediationsversuch staalliche und nichtstaatliche Akteure agieren, kommt es darauf an, den Prozess an der richtigen Stelle einzufädeln, auf die richtige Ebene zu bringen und in die richtigen Bahnen zu lenken. Grundsätzlich sollten bei den Konflikten genannten Typs die staatliche und die gesellschaftliche Ebene durch die Mediation miteinander kommunizieren. Das kann bedeuten, dass nicht nur zwischen dem Mediator und den Konfliktparteien interkulturelle Barrieren zu überwinden sind, sondern auch zwischen den Konfliktparteien. Das heisst wiederum, dass traditionale und moderne Formen der Konfliktbearbeitung miteinander in Einklang zu bringen sind. Dies ist für den Mediator, der von aussen kommt, eine grosse Herausforderung, muss er sich doch quasi an zwei verschiedenen Fronten bewähren. Es gehört schliesslich auch zum Prozess, dass der Mediator auf einer bestimmten Stufe der Verhandlungen durch einen anderen ersetzt wird. Uberhaupt ist hier Flexibilität angesagt. So kann es durchaus friedensförderlich sein, wenn ein Mediator, dem der Prozess aus dem Ruder läuft, oder der einen Misserfolg kommen sieht, von sich aus einen neuen Mediator mit anderen Qualitäten vorschlägt. Die harte Konkurrenz in diesem Bereich und die Erfolgsabh&ngigkeit staatlicher Mediation dürfte dieser Einsicht allerdings entgegenwirken. Günther Baechteler: Zivile Konfliktbearbeitung in Afrika. Grundlelemente für die Friedensförderungspolitik der Schweiz. Working paper 21. Schweizerische Friedensstiftung. Institut für Konfliktlösung. Bern 1998., S. 78-85. |
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Zur Strategie |
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Die Strategie des Mediators ist das wesentliche Glied in der Kette. Diese versucht den Prozess zu erfassen und im Hinblick auf das Endziel zu steuern. Die Strategie umfasst den Einstieg in die Vermittlung, die Konfliktbearbeitungsebene, die Phasen der Kofliktbearbeitung, die Wahl und Gestaltung der Verhandlungsforen sowie den Ausstieg.
Einstieg in die Vermittlung
Konfliktbearbeitungsebenen
Gestaltung der Verhandlungsforen In der Phase der Vorverhandlungen und auch begleitend zu den eigentlichen Verhandlungen kann die Einrichtung und Durchführung von wissenschaftlichen Gesprächskreisen wichtig sein. Deren Aufgabe ist es, umstrittene Sachfragen zu behandeln und entsprechende Vorschläge zur Problemlösung zu skizieren. Je nach Situation ist es sogar notwendig, die Verhandlungen mittels der Durchführung einer grösseren wissenschaftlichen Konferenz vor Ort anzustossen. Läuft die Konferenz, die (zumindest partiell) vom künftigen Mediator geleitet wird, gut, so kann darüber bereits die Glaubwürdigkeit demonstriert und eine Vertrauensbasis geschaffen werden. Für die Konfliktparteien muss ersichtlich sein, dass der Mediator ein wirkliches Interesse an der Konfliktbearbeitung und keine "hidden agenda" hat. Letzteres ist insofern wichtig, weil - wie oben gezeigt wurde interkulturelle Elemente eine grosse Rolle spielen. Es gilt, das Zusammentreffen von modernen und traditionalen Konfliktbearbeitungssystemen entsprechend zu berücksichtigen, indem der Mediator den Bedürfnissen, die aus beiden Systemen erwachsen, Beachtung schenkt. Wenn der Delegierte einer Partei eine anerkannte, in eine soziale Gemeinschaft traditionaler Prägung eingebundene Persönlichkeit ist, so muss dieser Zeit und Raum gegeben werden, ihre Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft wahrzunehmen. So müssen zum Beispiel die Verhandlungsforen so gelegt und terminiert werden, dass neben klar terminierten Gesprächen in der Hauptstadt oder im Ausland auch offenere regionale Foren eingerichtet werden, die den Anforderungen traditionaler Konfliktbearbeitung genügen. Die hier vorgeschlagene Form der qualifizierten Mediation bewegt sich zwischen dem Ansatz der problem-solvingworkshops, den 1989/90 in Osteuropa praktizierten Runden Tischen und klassischen Verhandlungen. Der Ansatz geht über denjenigen der problem-solving-workshops hinaus, indem der etwas akademische Seminarstil überwunden werden soll. Es geht nicht nur um Lösung von Sachproblemen, sondern um konstruktive Konfliktbearbeitung auf ganzer Bandbreite. Ausserdem sollen die politischen Fragen und zugrundeliegende unteilbare Konfliktgegenstände bis auf Führungsebene erörtert werden. Der Charakter der Runden Tische wird dadurch erreicht, dass möglichst alle Konfliktparteien eingeladen werden sollen, an dem Prozess teilzunehmen. Im Unterschied zu den Runden Tischen wird jedoch der Vorsitz von einem formellen Mediator also einer Drittpartei - gehalten, welche den Prozess steuert. Auch geht es dabei nicht allein um Machtteilung, um Regierungsbildung oder um einen Kompromiss in sachlicher Hinsicht, sondern um eine tragfähige und nachhaltige Konfliktbearbeitung unter Berücksichtigung teilbarer und nicht-teilbarer Konfliktursachen. Letzteres ist der Hauptgrund dafür, warum klassische Verhandlungen auf diplomatischer Ebene nicht ausreichen. Der Mediator muss ein Forum schaffen, um Asymmetrien auszugleichen, nicht-teilbare Gegenstände zur Sprache zu bringen und er muss daher auch parteiisch sein. Nicht parteiisch im Hinblick auf die Parteien per se, sondern bezogen auf bestimmte Prinzipien und Werte wie zum Beispiel die Einhaltung der Menschenrechte. Verletzt eine Seite solche Werte grundsätzlich, so ist der Mediator gezwungen, die betroffene Partei zu unterstützen und gleichzeitig den Prozess aufrechtzuerhalten. Dies beinhaltet die Gefahr, dass die Parteien den Tisch verlassen. Auch dies hat der Mediator zu kalkulieren und in seine Strategie als "Soll-Bruchstelle" einzubauen. Kompromisse um jeden Preis widersprechen der qualifizierten Mediation mit ihrem erklärten Ziel der tragfähigen Lösungen.
Phasen der Konfliktbearbeitung Die eigentlichen Verhandlungen beginnen in der Regel unterhalb der höchsten Ebene. Es wird jedoch angestrebt, möglichst bald das Zusammentreffen der höchsten Ebenen zu erreichen. Letzteres kann auf formelle Einladung eines Drittstaates an die Führungsebene hin an einem neutralen - geheim gehaltenen Ort - stattfinden. Ziel der Mediation ist zu einem Abschluss zu gelangen, an dessen Ende sowohl die Spannungen reduziert, die nicht-teilbaren Konfliktursachen entschärft und die teilbaren Gründe geregelt wurden. Darüber hinaus sollen auch Ubereinkünfte über flankierende Massnahmen, die von den Konfliktparteien selbst oder vom Mediator zu erbringen sind, formuliert werden. Alle Punkte sind in einer schriftlichen Vereinbarung festzuhalten.
Ausstieg aus der Vermittlung Günther Baechteler: Zivile Konfliktbearbeitung in Afrika. Grundlelemente für die Friedensförderungspolitik der Schweiz. Working paper 21. Schweizerische Friedensstiftung. Institut für Konfliktlösung. Bern 1998., S. 78-85. |