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Um erfolgreich Mediation betreiben zu können, müssen die Rahmenbedingungen und Faktoren bekannt sein, die zum Erfolg führen können oder zumindest die Erfolgschancen erhöhen. Dabei gibt es sowohl erkenntnistheoretische als auch konkret empirische Probleme. Die Vertreter des ideographischen Ansatzes behaupten schlicht, dass jeder Fall anders ist und für sich betrachtet werden muss. Demnach lasse sich auch nichts Sinnvolles über die Mediation generell aussagen (Simkin 1971). Demgegenüber heben die Normativisten hervor (Fisher 1983), dass kein Disput zu vertrackt sei, um nicht von erfahrenen Mediatoren aufgrund ihres generellen Wissens und entsprechender Kommunikationsstrategien gelöst werden zu können. In Abgrenzung zu den beiden polarisierenden Ansätzen geht der oben skizierte "contingency Ansatz" davon aus, dass das Resultat einer Mediation von einer Reihe von kontextuellen und prozessuellen Faktoren abhänge (Bercovitch et al. 1991). Um diese Vermutung zu untermauern, betreiben Vertreter dieses Ansatzes systematisch empirische Forschung mit dem Ziel, zu operationalen Kriterien über Variablen und Eigenschaften der Mediation zu gelangen. Einige überzeugende Resultate konnten von dieser Schule vorgelegt werden. So untersuchte Bercovitch mit einem Team 79 internationale Konflikte zwischen 1945-89. In 44 Fällen (56%) kam es zu insgesamt 284 Mediationsversuchen. Diese wurden auf ihre Erfolgsbedingungen hin untersucht, wobei der Haas'sche Erfolgsindex zugrunde gelegt wurde. Danach ist Mediation
Wie die Auswertung aufgrund der 284 Mediationsversuche zeigt, ist das häufigste Resultat der Misserfolg. Dieser stellte sich in 50 % der Fälle ein. In weiteren 22% der Fälle wurde ein Angebot auf Mediation von den Parteien zurückgewiesen. Nur in 22 % der Fälle mündete die Mediation in einen teilweisen oder vollen Erfolg Zur Erläuterung der Ergebnisse werden sodann die Kontextvariablen herangezogen:
Variable Charakter der Parteien
Relative Macht
Vorkonfliktbeziehungen
Die Natur des Konflikts
Die Eigenschaften des Mediators Prozeßvariablen Von den Kontext- sind die Prozessvariablen zu unterscheiden. Sie bestimmen die Strategie der Mediation sowie insbesondere den Grad der Intervention durch die Mediatoren. Strategien befinden sich auf einem Kontinuum von niedrigem zu hohem Interventionsgrad in den Konflikt. Am niedrigen Ende des Spektrums befinden sich Versöhnung und Facilitation. Dort ist der Intervenierende in einer relativ passiven Rolle. Er fungiert als eine Art Kanal für die Kommunikation zwischen den Parteien. Auf der zweiten Stufe kontrolliert der "facilitator" gewisse Aspekte der Prozedur, so zum Beispiel die Rahmenbedingungen. Die nächste, direktive Stufe wird erreicht, wenn der Mediator sowohl den Inhalt der Verhandlungen als auch die Prozedur beeinflusst. Substantive Strategien versuchen darüber hinaus unmittelbar und offen die Optionen der Parteien im Sinne einer Kosten-Nutzen-Kalkulation zu beeinflussen. Schliesslich bleibt die Rolle der Uberwachung eines Abkommens und dessen Implementierung. Erfahrungsgemäss zeigt sich, dass je aktiver eine intervenierende Partei ist, desto erfolgreicher ist sie. Direktive und substantive Strategien sind in 41% der Fälle erfolgreich: "Mediation strategies than can prod the adversaries, and strategies that allwo mediators to introduce new issues, suggest new ways of seeing the dispute or alter the motivational structure of the parties, are more positively associated with successful outcomes than any other type of intervention" (Bercovitch et al 1991 :16). Schlussfolgerungen aus der vorliegenden Empirie Es gibt verschiedene Interventionsgrade für Drittparteien in laufende Konflikte. Die Stufe der Intervention bemisst sich an der Natur des Konflikts, insbesondere an seiner Dauer und Intensität. Je nach Stufe kommen andere Strategien zum Zuge, die möglicherweise sogar von anderen Parteien umgesetzt werden. In der Praxis zeigt sich, dass es einerseits in jedem Konflikt mehr als einen Mediationsversuch gibt, wobei der dritte oder vierte Versuch nach einer gewissen Anlaufzeit des Konflikts am erfolgreichsten zu sein scheint. Andererseits lassen sich praktisch die Stufen nicht sauber trennen. Es kommt daher oft zu einem Hin- und Herspringen zwischen den Stufen oder sogar zur parallelen Anwendung verschiedener Strategien durch unterschiedliche Akteure gleichzeitig. Das Eventualmodell der Drittparteienintervention nach Fisher/Keashly trägt dem entsprechend Rechnung. Ein weiteres wichtiges Ergebnis ist, dass aktive oder gar provokative Mediation weit erfolgversprechender ist, als das relativ passive Beharren auf Unparteilichkeit oder Neutralität. Sie ist vor allem dann erfolgreich, wenn das Machtgefälle zwischen den Konfliktparteien nicht gross ist und wenn es sich bei den Parteien um eher schwache Staaten handelt. Für den Prozess wichtig ist, wenn der Mediator eine ausgewiesene Strategie hat, die auch den Kontext, die Art der Parteien und die Natur des Konflikts in Betracht zieht. Als Mediatoren kommen nicht nur Staaten infrage, sondern auch andere Typen von Akteuren, wie internationale Organisationen, charismatische Vertrauenspersonen oder NGOs. Dual oder multi-track diplomacy, die auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen ansetzt - wie etwa im Nahen Osten bei der Vermittlung zwischen Israel und den Palästinensern - scheint insgesamt erfolgversprechender als single-track diplomacy auf höchster Ebene. Die Ubertragung der empirischen Ergebnisse, die aufgrund zwischenstaatlicher Konflikte gewonnen wurden, auf innerstaatliche Konflikte ist nur bedingt möglich. Sie können jedoch werivolle Hinweise darauf geben, welche Aspekte besonders zu berücksichtigen sind, so zum Beispiel die Frage nach dem Ausmass der Asymmetrie, nach der Teilbarkeit oder Unteilbarkeit des Konfliktgegenstands, nach der Dynamik oder nach dem Kontext. Inzwischen schälen sich spezifische Theorien der konstruktiven Bearbeitung ethnopolitischer Konflikte heraus (Augsburger 1992, Lederach 1996, Ropers 1995). Diese können zwar noch nicht auf den gleichen empirischen Fundus zurückgreifen wie Bercovitch's "contingency-model". Trotzdem zeigen die bisherigen Erfahrungen den generellen Stellenwert einiger der wichtigsten Schlussfolgerungen aus der Diskussion der Bearbeitung zwischenstaatlicher Konflikte. Aufgrund der Natur der Akteure in substaatlichen Konflikten scheint der "multitrack"-Ansatz sogar noch begründeter zu sein als bei klassischen Konfliktlagen, weil immer auch gesellschaftliche Akteure eine Rolle spielten, an welche die offizielle Diplomatie oft nur schwer herankommt. Ropers unterscheidet deshalb zwischen Strategien in der Staatenwelt und solchen in der Gesellschaftswelt, die komplementär sind . Das Konzept deutet schon darauf hin, dass es bei innerstaatlichen Konflikten zwischen Regierungen und Identitätsgruppen darum gehen muss, verschiedene Ansätze und Ebenen zu kombinieren. Dies kann jedoch nicht allein die Addition bestehender Konzepte sein. Die Kombination und deren Anwendung in der Praxis führt vielmehr zu einem neuen Konzept mit eigenem Profil. Dieses eigene Profil wird darüber hinaus durch zusätzliche Faktoren geprägt, die in der klassischen zwischenstaatlichen Vermittlung nur indirekt eine gewisse Rolle spielen. Es sind dies einerseits die interkulturellen Aspekte der Mediation und andererseits die Konfrontation von modernen und traditionalen Methoden der Konfliktbearbeitung (vgl. auch Bächler, Bellwald, Suliman 1996). Auf diese zusätzlichen Aspekte soll im folgenden Abschnitt eingegangen werden, bevor in einem letzten Schritt das Konzept eigenen Profils (qualifizierte Mediation) skiziert wird. Günther Baechteler: Zivile Konfliktbearbeitung in Afrika. Grundlelemente für die Friedensförderungspolitik der Schweiz. Working paper 21. Schweizerische Friedensstiftung. Institut für Konfliktlösung. Bern 1998., S. 68-74 |