Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Funktionen des Konflikts

Die Funktionalität bzw. Dysfunktionalität von Konflikten wird unterschiedlich eingeschätzt. Vier Positionen lassen sich idealtypisch skizzieren.

Konflikt als pathologische Erscheinung

Konflikt als Dysfunktion

  • Konflikte sind negative Erscheinungen, die die soziale Ordnung bedrohen.
  • Konflikte stellen eine Störung einer an sich effizienten Struktur dar und sind deshalb dysfunktional.

Die integrative Funktion von Konflikten

Konflikt als Förderer des sozialen Wandels

  • Konflikte sind ein normales Phänomen in Gesellschaften.
  • Konflikte haben positive sozialisatorische und systemintegrative Funktionen
  • Konflikte haben eine produktive Funktion.
  • Konflikte sind Auslöser und Förderer sozialen Wandels

Konflikt als vollständig pathologische Erscheinung

Diese insbesondere in konservativen Gesellschaftstheorien vorherrschende Sichtweise schätzt die Funktionen sozialer Konflikte ausschließlich negativ ein und führt in extremen Varianten zur Negierung der gesellschaftlichen Konfliktrealität. Der Konflikt wird in diesen mit starren Ordnungs- und Hierarchiestrukturen versehenen Konsensmodellen auf psychologische oder semantische Probleme reduziert und stellt im Prinzip eine pathologische Erscheinung dar, welche die soziale Ordnung bedroht und entsprechend zu bekämpfen ist.

Konflikt als Dysfunktion

Ausgangspunkt von Theorien, die Konflikte als dysfunktionale Erscheinungen qualifizieren, ist ebenfalls eine normativ geprägte Ordnung Der Konflikt wird zwar als Produkt gesellschaftlicher Strukturen betrachtet, er stellt aber letztlich eine Dysfunktion dar, weil er auf das schlechte Funktionieren oder eine Störung von an sich effizienten Strukturen hinweist.
Auch hier wird der Konflikt wesentlich negativ eingeschätzt, weil er eine störende Abweichung von einem Idealzustand darstellt.

Die integrative Funktion von Konflikten

Eine ganze Reihe sozialwissenschaftlicher Theorieansätze thematisiert den Konflikt als normales Phänomen von Gesellschaften und weist auf seine positiven sozialisatorischen bzw. systemintegrativen Funktionen hin. Insbesondere Coser und Simmel haben immer wieder die positiven Funktionen von Konflikten und ihre Funktionalität für die Gesellschaft hervorgehoben.

Konflikt als Förderer des sozialen Wandels

Darüber hinaus schreiben einige Theorieansätze Konflikten gänzlich produktive Funktionen zu und betrachten sie als Auslöser bzw. Förderer sozialen Wandels. Im Gegensatz zu den beiden erstgenannten Positionen, wo der Konflikt als Resultat des Wandels angesehen wird, ist hier der Wandel eine Funktion des Konflikts. In diesem Sinne weist etwa Dahrendorf sozialen Konflikten fast uneingeschränkt eine positive Rolle zu. Für ihn ist geregelter Konflikt gleichbedeutend mit Freiheit. Für Marx und Engels waren soziale Konflikte (im Sinne von Klassenkämpfen) gar das zentrale vorwärtstreibende Element in der Geschichte.

Thorsten Bonacker / Peter Imbusch: Begriffe der Friedens- und Konfliktforschung: Konflikt, Gewalt, Krieg, Frieden. In: Peter Imbusch / Ralf Zoll (Hrsg.): Friedens- und Konfliktforschung. Eine Einführung mit Quellen. Opladen. 1996, S. 71 f.

     

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