Home / Themen / Konstruktive Ko... / Konflikt - Begr... / Formen des Umgangs mit Konflikten
Konfliktlösung Die an Konfliktlösung orientierten Aktivitäten haben ein definitives Ende des Konflikts zum Hauptziel. Sie streben die (Wieder-) Herstellung eines spannungs- und reibungsfreien Zustands an, in dem die Konfliktpartner ihre Ziele auf gegenseitig zugestandenen Wegen weiter verfolgen können oder - z.B. durch Kompromißfindung - auf Teile ihrer ursprünglichen Ziele verzichtet haben bzw. Mißverständnisse und gegenseitige Fehlwahrnehmungen in bezug auf diese Ziele aufklären konnten. Im Alltagsvollzug wird dieser Zustand in der Regel als das "eigentliche" Ziel aller auf die Lebenstatsache Konflikt bezogenen Bemühungen verstanden oder zumindest ersehnt, gleichgültig, wie sie genannt werden und ob sie von den Konfliktparteien selbst oder von "Dritten" ausgehen. Konfliktprävention ist aus dem Blickwinkel einer Konfliktbetrachtung, die soziale Konflikte vor allem als Störung funktionaler Abläufe begreift (Parsons) ein sinnvolles Ziel. Aus der Sicht eines Konfliktverständnisses, das Konflikt als individuellen und kollektiven Entwicklungs- und Veränderungsantrieb begreift wäre der entsprechende Begriff dagegen Gewaltprävention. Die Unterscheidung zwischen "Konflikt-" und "Gewaltprävention" ist nicht nur eine nominelle: Zumindest dann, wenn ein weiter Gewaltbegriff zugrundegelegt wird, ist es nicht sinnvoll, Konflikte um jeden Preis zu vermeiden. Im Gegenteil, "mehr Konflikt wagen" erweist sich als sinnvolle Strategie der Gewaltvermeidung. Konfliktbearbeitung kennzeichnet erstens die Perspektive der sog. "Dritten Partei" (also des Mediators, Konfliktberaters, Konfliktmanagers oder Supervisors), die zu Hilfe gerufen wird oder sich auch aus eigenem Antrieb einschaltet, um beiden Konfliktparteien (gelegentlich auch einer Partei) beizustehen bei dem Versuch, einen Ausweg aus dem Irrgarten der Gefühle und Positionen zu finden; zweitens kann aber auch dann von Konfliktbearbeitung gesprochen werden, wenn Konfliktparteien in der Schlußphase eines Konflikts nach einer für beide Seiten erträglichen Art und Weise der Konfliktbeendigung oder-bereinigung suchen, oder wenn sie einen weiter zurückliegenden, nicht mehr akuten, aber historisch bzw. Iebensgeschichtlich und/oder perspektivisch gleichwohl bedeutsamen Konflikt für sich -gelegentlich auch miteinanderaufarbeiten, um daraus zu lernen oder zukünftigen neuen gewaltsamen Zuspitzungen vorzubeugen. Konfliktaustragung meint dagegen den gesamten aktuellen Konfliktprozeß aus der Perspektive der Betroffenen, also in der Regel der Konfliktgegner oder -partner, aber auch derjenigen, die unter einem Konflikt als der Sache nach Unbeteiligte zu leiden haben. Das gilt unabhängig von der Frage, ob die Austragung dieses Konflikts oder überhaupt das Austragen von Konflikten als wünschenswert angesehen wird oder nicht. Konstruktive Konfliktaustragung In dieser Kombination wird die Tatsache der Austragung von Konflikten - im Gegensatz zur Konfliktvermeidung - grundsätzlich positiv bewertet. Diese Bewertung beruht auf einem psychodynamischen Verständnis von Konflikt, demzufolge nicht ausgetragene (oder nicht bearbeitete) Konflikte in Varianten oder unterschiedlichen "Verkleidungen" immer wiederkehren, solange bis sich die soziale Formation entweder aufgelöst hat oder durch eine endlich doch erfolgende Konfliktaustragung ein neues Beziehungsgefüge und ein neues Beziehungsniveau erreicht worden ist. Als konstruktiv werden im Konfliktfall verstanden:
Wir sprechen von konstruktiver Konfliktaustragung nicht nur vom Ergebnis her, also erst dann, wenn entsprechende äußerlich sichbare Wirkungen nachweisbar sind, sondern "prozeßorientiert" bereits dann, wenn im Verlauf der Konfliktaustragung Haltungen eingenommen werden, die eine konstruktive Grundausrichtung aufweisen. Eva Maringer / Reiner Steinweg: Konstruktive Haltungen und Verhaltensweisen in institutionalisierten Konflikten. Berlin 1997, S. 10 ff. |