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Definition von "Konflikt" |
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Probleme bei der Definition von "Konflikt" |
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Definitionen von "Konflikt" in Lexika, Handbüchern oder in Fachbüchern über soziale Konflikte lassen erkennen, daß diese erstens nicht einheitlich sind, womit die kontroverse wissenschaftliche Diskussion über Konflikte widergespiegelt wird, und sie zweitens nicht klar zwischen einem neutralen Arbeitsbegriff, einer Bewertung des Phänomens Konflikt sowie dessen Kontext und Ursächlichkeit unterscheiden. Das soll an einigen Beispielen aufgezeigt werden: a) Im allgemeinen Lingen-Lexikon wird Konflikt als "Streit, Zusammenprall, Gegensatz" definiert. Zwar lassen sich jeder Streit und jeder Zusammenprall auf einen Konflikt zurückführen, doch nicht jeder Konflikt führt auch zwangsläufig zu diesen Austragungsformen. Fazit: Es ist wissenschaftlich unzulässig, den "Konflikt" durch einige Konfliktaustragungsformen oder Ausprägungen zu definieren. Das ist nicht nur logisch nicht zu rechtfertigen, sondern birgt auch die Gefahr in sich, Konflikt an sich schon zu bewerten. Definiere ich nach dieser Logik den Konflikt als Krieg (eine mögliche Austragungsform, so muß ich zwangsläufig zu der (irreführenden) Bewertung kommen: Konflikt bedeutet Destruktion, ist also ein negativer Vorgang. b) Ein weiteres Modell der Definition von "Konflikt" ist die Vermischung von Beschreibung und Bewertung. So definiert Josef H. Fichter in "Grundbegriffe der Soziologie" den Konflikt als "jene Form der Interaktion durch die zwei oder auch mehr als zwei Personen einander zu beseitigen suchen, und zwar entweder durch vollkommene Vernichtung oder Unschädlichmachung. Die elementarste Form des Konflikts ist der Krieg ...". Fazit: Es hilft auch nicht weiter, innerhalb der Definition eines Phänomens dieses gleichzeitig zu bewerten. Denn, nicht der Konflikt ist "gut" oder "schlecht" an sich, sondern die Konfliktaustragungsform ist funktional oder dysfunktional (positiv/negativ; friedensfördernd/friedensgefährdend). Fichter muß zwangsläufig zu einer vorurteiligen Bewertung kommen, weil er nicht den Konflikt, sondern den Umgang damit im Blick hat. c) Klaus Lankenau definiert den sozialen Konflikt als "universelle(n), das heißt in allen Gesellschaften vorfindbare(n) Prozeß der Auseinandersetzung, der auf unterschiedlichen Interessen sozialer Gruppierungen beruht und der in unterschiedlicher Weise institutionalisiert ist und ausgetragen wird." Diese "Definition" vermischt ebenfalls mehrere - genauer: drei - Ebenen: Erstens wird der Konflikt als "universell" bezeichnet, was bereits eine These über den Kontext impliziert, nicht aber das Wesen des Konflikts bestimmt; zweitens ist die Formulierung, "der Konflikt beruht auf unterschiedlichen Interessen" eine klare Aussage über die Ursächlichkeit von Konflikten; drittens ist die Aussage, "der Auseinandersetzungsprozeß ist auf unterschiedliche Weise institutionalisiert", eine These über Konfliktaustragungsformen. Fazit: Durch den Rekurs auf die Ursachen, den Kontext und die Austragung von Konflikten wird der Konflikt an sich als soziale Erscheinungsform nicht näher eingegrenzt und erfaßt. Der Verweis auf Interessen deutet auf eine Konfliktart hin - im Unterschied zu anderen Konfliktarten, wie beispielsweise zum Wert- und/oder Machtkonflikt. d) Einen weiteren Definitionsversuch liefert Anton Burghardt in seiner "Einführung in die allgemeine Soziologie" "Der soziale Konflikt ist eine in der Natur des Menschen und dadurch auch der sozialen Systeme angelegte Auseinandersetzung zwischen sozialen Gruppen, sobald und soweit sie sich bei ihren Problemlösungsaktivitäten begegnen." Hier wird ganz klar der Konflikt an sich mit seiner Ursächlichkeit in Zusammenhang gebracht: Burghardt stellt bei dieser Definition zugleich schon seine Theorie zum Konflikt vor, was uns bei der Erfassung, dem Begreifen von Konflikt nicht weiterbringt. Eine Theorie zu bilden, muß einem weiteren Schritt überlassen werden. Resümee: Es ist zunächst wichtig, den Konflikt unvoreingenommen als sozialen Tatbestand zu betrachten und bei Definitionsversuchen den "Konflikt" (a) nicht mit Austragungsformen zu verwechseln; (b) nicht durch Bewertung einzugrenzen und damit dessen Analyse zu präjudizieren; (c) nicht durch seinen Kontext unnötigerweise auf Merkmale zu reduzieren, die seiner Komplexität nicht gerecht werden und (d) nicht mit seiner Ursächlichkeit zu vermischen. Ulrike Wasmuht: Friedensforschung als Konfliktforschung. In: Peter Imbusch / Ralf Zoll (Hrsg.): Friedens- und Konfliktforschung. Eine Einführung mit Quellen. Opladen. 1996, S. 178 ff. Auszüge. |
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Konflikt - Versuch einer Begriffsklärung |
Konfliktgegenstand Interessenkonflikte können als Konflikte um materielle Ressourcen und darüber vermittelt und Macht und Einfluß verstanden werden. Bedürfniskonflikte beziehen sich eher oder vorwiegend auf immaterielle Wünsche, wie z.B. das Bedürfnis nach Ruhe, nach Gemeinsamkeit oder nach Gesprächsmöglichkeiten. Wertkonflikte beziehen sich zwar auch auf immaterielle Wünsche und Zielvorstellungen, haben aber nicht individuelle Bedürfnisse, sondern kollektive Normen, Maßstäbe sowie Bewertungen konkurrierender gesellschaftlicher Aufgaben und Ziele zum Gegenstand.
Identitätskonflikte können auf der kollektiven Ebene gewissermaßen als Steigerung von Wertkonflikten verstanden werden: Hier geht es nicht nur um einzelne gegensätzliche Wertvorstellungen, sondern um die Gesamtheit der Wertvorstellungen und des damit verbundenen Selbstbildes von Personen oder Gruppen, die von anderen Personen oder Gruppen infragegestellt oder deren Geltung und Realisierbarkeit streitig gemacht werden. Ideologische, Weltanschauungs- und Glaubenskonflikte können als spezielle Form von Identitätskonflikten verstanden werden - ungeachtet der Frage, ob sie im einzelnen Fall ein starkes oder weniger starkes, gar kein soziales oder Herrschafts-"Unterfutter" haben (Funktionalisierung der Glaubens oder Weltanschauungsunterschiede durch Machteliten für Herrschaftszwecke oder/und zur Aufrechterhaltung sozialer Privilegien). Wertschätzungs- bzw. Bewertungskonflikte stehen im messosozialen Feld oft im Vordergrund: Einzelnen Personen, Teams oder Gruppen wird eine zur Erreichung vorgegebener oder gemeinsam definierter Ziele notwendige fachliche und/oder soziale Kompetenz abgesprochen; oder erbrachte Leistungen werden von Vorgesetzten oder Kollegen nicht wertgeschätzt oder schlechter bewertet als es der Selbsteinschätzung oder auch der Einschätzung durch Dritte, die der betreffenden Institution nicht angehören, in bezug auf Anstrengung und Qualität entspricht. Eine verschärfte Form von Wertschätzungskonflikten ist die öffentliche oder halböffentliche Diskreditierung der Leistung und/oder Kompetenz von Mitarbeiterinnen der eigenen Einrichtung oder Organisation. Konfliktwahrnehmung Heißer Konflikt: Die Konfliktparteien ringen miteinander, bekämpfen oder befehden sich offen, heftig und direkt. Kommunikation findet statt, die Begegnung wird gesucht (auch Kampf und Krieg werden von vielen Autoren belletristischer Literatur als paradoxe Versuche begriffen, mit dem Gegner zu kommunizieren.) Kalter Konflikt: Die Konfliktparteien haben resigniert, sie verkehren so wenig wie möglich direkt miteinander, die Kommunikation ist eingefroren oder auf das unvermeidliche formelle Mindestmaß begrenzt. Direkte Begegnungen finden nicht mehr statt. Die Konfliktparteien befehden sich aber nach wie vor aufs ärgste, jedoch "hintenherum", durch Intrigen, falsche Gerüchte, Abwertungen in Abwesenheit des Gegners usw. Krankheiten nehmen zu. Eva Maringer / Reiner Steinweg: Konstruktive Haltungen und Verhaltensweisen in institutionalisierten Konflikten. Berlin 1997, S. 5 ff. Stärke der Gegner Symmetrische / asymmetrische Konflikte: Diese Differenzierung zielt auf die Stärke und/oder Gleichberechtigung der Konfliktparteien. Symmetrisch wäre etwa ein Konflikte, in dem die Voraussetzungen, Mittel und Kontexte der Konfliktparteien identisch sind. Das Ausmaß der Abweichung von diesem Idealzustand würde den Grad der Asymmetrie verdeutlichen. Thorsten Bonacker / Peter Imbusch: Begriffe der Friedens- und Konfliktforschung: Konflikt, Gewalt, Krieg, Frieden. In: Peter Imbusch / Ralf Zoll (Hrsg.): Friedens- und Konfliktforschung. Eine Einführung mit Quellen. Opladen. 1996, S. 67. |