Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Was hilft im Konflikt? Haltungen und Verhaltensweisen

Die Liste von Haltungen und Verhaltensweisen ist nicht als "Tugendkatalog", sondern als Erfahrungssammlung zu lesen. Es handelt sich um empirische Befunde, nicht um normative Verhaltensanweisungen ("Du sollst"). Man muß nicht alle diese Elemente jederzeit und vollständig "im Kopf" haben, um mit schwierigen Konfliktenkonstruktiv umgehen zu können. Letztlich kann man in schweren Konflikten nur verwenden, was einem intuitiv zur Verfügung steht bzw. "in Fleisch und Blut" übergegangen ist, und das geht nicht über Lektüre allein. Die Fähigkeit, in konkreten Konfliktsituationen eine bestimmte Haltung einnehmen zu können, muß meistens mühsam erarbeitet werden.

Ein häufig vorgebrachter Einwand ist: Die betreffende Haltung oder Verhaltensweise sei nur praktizierbar, wenn der Gegner das gleiche tue. Dieser Einwand trifft nicht zu. Die Kunst besteht gerade darin, auch den mißtrauischen, schroffen, scheinbar nicht kooperations- oder versöhnungswilligen Gegner aus seiner Erstattung, tiefgehenden Ablehnung, Blindheit und Feindfixierung zu lösen - oder zumindest für die größere soziale Einheit, in der die Konfliktpartner sich befinden, für das "Ganze", eine nicht-zerstörerische Umgangsweise mit dem Konflikt zu finden. Alle Elemente sind also als "einseitig" einzunehmende Haltungen oder zu unternehmende Schritte zu verstehen.

In allen Konfliktphasen

1 Kontakt mit dem Konfliktpartner suchen und halten

2 Sich Zeit nehmen für die Auseinandersetzung

3 Einfühlung / Empathie / Mitgefühl

4 Das eigene Selbstwertgefühl stärken, sich selbst anerkennen

5 Aufmerksamkeit auf körperliche Zustände

6 Anerkennung signalisieren, ohne sich selbst zu verbiegen

7 Botschaften des Konfliktpartners ernstnehmen

8 Die eigenen Schritte transparent machen

9 Vorschnelles Einlenken "auch des Gegners" vermeiden

10 Das Ganze im Auge behalten

Beim Übergang zum Unbehagen zum offenen Konflikt

11 Anzeichen für eine Konflikteskalation bewußt wahrnehmen

12 Bisher zurückgehaltene Gefühle zulassen

13 Grenzen ziehen und Grenzen anerkennen

14 Bewußt Eskalationsschritt setzen

15 Für "Waffengleichheit" sorgen

In der heißen oder kalten Hauptphase des Konflikts

16 Zu sich kommen / bei sich bleiben / im "Spüren" bleiben

17 Eine klare Haltung einnehmen

18 Positive Bedürfnisse und Wünsche bei sich (und den anderen) entdecken

19 Das eigene Dunkle ins System geben

20 Konfliktverschiebungen aufdecken

21 Stellvertreter-Handeln vermeiden oder beenden

22 Initiative ergreifen für Rhythmus und Bewegung im Konfliktgeschehen

23 Rechtzeitig Hilfe von außen holen

Für Initiativen zur Beendigung des Konflikts

24 Verantwortung übernehmen für den eigenen Konfliktanteil

25 Ent-Schuldung / Verzeihung / Wiedergutmachung

26 Die Opferrolle verlassen sich der eigenen Stärken und Kompetenzen bewußt sein

27 Verhandlungsbereitschaft zeigen

28 Zur Klärung und zum Ende gelangen wollen.

Eva Maringer / Reiner Steinweg. Konstruktive Haltungen und Verhaltensweisen in institutionellen Konflikten. Berlin 1997., S. 21 ff.

     

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