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Gewaltfreiheit im Überblick |
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Die Idee der Gewaltfreiheit ... |
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versteht sich als Herausforderung und Alternative zu herkömmlichem Denken und Handeln. Sie ist eine Einstellung, die den Verzicht auf Gewaltanwendung aus prinzipiellen Überlegungen heraus begründet und auch in ihrem politischen und persönlichen Verhalten zum Ausdruck bringt. Gewaltfreiheit ist also ein Lebensprinzip, das Gewalt in allen Bereichen ablehnt und zu überwinden sucht und dabei gleichzeitig am Aufbau von Alternativen zu den kritisierten Zuständen arbeitet. Dieses konstruktive aufbauende Element wird oft übersehen, da es eher im Verborgenen und völlig unspektakulär entwickelt wird. Gewaltfreiheit geht davon aus, daß Gewalt oder die Androhung von Gewalt Probleme nicht lösen, Ungerechtigkeiten und Unterdrückung nicht beseitigen kann. Die angestrebten Konfliktlösungen sind dialogisch angelegt. Die vorgenommene Unterscheidung zwischen Person und Rolle ermöglicht es, daß der Konfliktpartner als Mensch akzeptiert wird, während er in seiner Rolle als Repräsentant z.B. eines unterdrückerischen Systems zu bekämpfen ist. Auf diese Weise werden Feindbilder abgebaut und gemeinsame Perspektiven eröffnet. Gewaltfreie Akteure haben für die Austragung von Konflikten vielfältige, phantasievolle Aktionsmethoden entwickelt, die der Wiederherstellung und Erhaltung der Lebensmöglichkeiten der Menschen dienen. Diese Methoden zeigen Ungerechtigkeiten auf und versuchen sie zu beseitigen. Dabei sind die angestrebten Konfliktlösungen wie auch die Durchsetzung von Interessen gemeinwohlorientiert und nicht an Partikularinteressen ausgerichtet. |
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Begründungen für gewaltfreies Handeln |
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Die Begründungen für die Akzeptanz und Anwendung von Gewaltfreiheit liegen auf mehreren Ebenen: Die moralisch/ethische Ebene: Die Verantwortung für das Leben auf unserer Erde erfordert, Leben zu bewahren und ein menschenwürdiges Leben für alle zu ermöglichen. Dies kann nur geschehen, wenn in Ehrfurcht und mit respektvoller Rücksicht Leben weder bedroht noch zerstört wird. Der Kampf gegen Ungerechtigkeit darf nicht mit Mitteln geführt werden, die neues Unrecht produzieren. Die politische Ebene: Grundlegend ist die Erkenntnis, daß in unserer Zeit und in unserer Gesellschaft mit Gewalt oder mit der Androhung von Gewalt keine Konflikte wirklich gelöst werden können, keine Ungerechtigkeiten beseitigt und keine Unterdrückung aufgehoben wird. Denn mit Gewalt werden neue Verletzungen und Ungerechtigkeiten geschaffen, die eine Eskalation des Konfliktes bewirken. Die pragmatische Ebene: Bei Auseinandersetzungen mit dem Staatsapparat verfügt dieser über das größere und wirksamere Gewaltpotential. Bei zwischenmenschlichen Konflikten hebt eine körperliche Auseinandersetzung die Distanz zwischen Personen auf und trägt zu einer unkontrollierbaren Eskalation bei. Die Lösung muß deshalb auf einer anderen (u.a. symbolischen, sprachlichen) Ebene, nicht auf einer körperlichen gesucht werden. |
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Konflikte gewaltfrei lösen |
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Gewaltfreie Aktion ist die Form der Konfliktaustragung, die aus der Haltung der Gewaltfreiheit resultiert und bei der bewußt auf verletzende oder tötende Gewalt verzichtet wird. Dies bedeutet nicht, daß keine Macht bzw. keine Druckmittel angewendet werden. So können z.B. Streiks und Boykottaktionen sehr starke Mittel sein, um Interessen durchzusetzen. Als Kern der gewaltfreien Aktion wird ein Handeln im politischen Raum mit einer politischen Ausrichtung verstanden, wobei es in erster Linie um die Erlangung oder Erhaltung von Menschen- und Bürgerrechten geht. Die Konfliktebene liegt hier also primär in der Beziehung Bürger kontra Staat oder gesellschaftliche Großgruppen. Solches Handeln hat nicht nur das Ziel, Probleme und Konflikte öffentlich zu machen, sondern darüber hinaus auch Gegenmacht zu entwickeln, um im politischen Raum handeln zu können. Ein zweiter Bereich gewaltfreien Handelns befaßt sich mit der Abwehr von Bedrohung und Gewalt im zwischenmenschlichen und innerstaatlichen Bereich (z.B. Schutzdienste, Nachbarschaftskonzepte usw.). Hier geht es um die Konfliktebene Bürger kontra Bürger(gruppen). Ein dritter Bereich der gewaltfreien Aktion wurde zur Abwehr von Staatsstreichen bzw. gewaltsamen Interventionen dritter Staaten entwickelt. Er versteht sich als ziviles (soziales) Verteidigungskonzept, das von Bürgern und Staatsorganen gemeinsam getragen wird. Das Spektrum der Aktionsmethoden ist sehr vielfältig. Viele Methoden (wie z.B. Unterschriftensammlungen) sind in unserer Gesellschaft risikolos und auch mit einer gewissen Breitenwirkung anzuwenden. Andere (vor allem symbolische) Aktionen wie z.B. die Schornsteinbesteigungen von Greenpeace bedürfen einer eingehenden Vorbereitung und eignen sich nur für speziell trainierte Akteure. Günther Gugel:Wir werden nicht weichen. Tübingen 1996. |