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Schwierigkeiten bei der Intervention gegen direkte Gewalt

Für Jugendliche hat Gewalt in Gruppen oft eine berauschende Wirkung, Gewaltszenen zählen zu den Höhepunkten des Lebens der Jugendlichen.
Über Gewalthandlungen können sich Jugendliche ein Maß an Aufmerksamkeit seitens der Erwachsenen verschaffen, das ihnen sonst nicht zuteil wird.
Gewalt geht oft mit Sprachlosigkeit einher. Gerade in Berlin mit seinen zahlreichen ethnischen Gruppen ist die sprachliche Verständigung zwischen Angehörigen verschiedener Kulturen oft nur sehr begrenzt möglich. Hierzu merkte Richard Spätling an, dass in Ostdeutschland viele Jugendliche sehr wenig direkten Kontakt zu MigrantInnen haben, was ihn zu der Überlegung gebracht habe, mit ostdeutschen Jugendlichen ins Rheinland zu fahren, um eben diese Erfahrung des Kontakts mit MigrantInnen zu vermitteln. Auch fehle in ostdeutschen Schulen seitens der Lehrkräfte und Schulleitungen oftmals die Bereitschaft, Migrationsthemen im Unterricht zu behandeln.
Die Medien tragen i.d.R. zur Verschlechterung der Situation bei, indem sie mit dem Blick auf die Absatzzahlen - viel über möglichst drastische Gewaltvorfälle berichten und wenig über erfolgreiche Projekte zur Gewaltminderung.
Die Reaktion auf Gewaltberichte und -erfahrungen ist oft betroffene Hilflosigkeit. Sofern Eltern einzugreifen versuchen, ist dies oft erfolglos bis kontraproduktiv. Es fehlen Konzepte, wie der/die einzelne sich in gewaltbelasteten Situationen sinnvoll verhalten kann. Hinsichtlich der Jugendeinrichtungen und sonstiger Akteure ist zu wünschen, dass der Austausch über Interventionskonzepte verstärkt wird.

Richard Spätling: Deeskalationserfahrungen mit gewaltbereiten Jugendlichen. Stiftung "Dr. Georg Haar", Weimar. In: Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): Umgang mit Gewalt in Bildungseinrichtungen. Bildungspolitisches Fachgespräch der Heinrich-Böll-Stiftung. 2. Auf. 1999, S. 33-36.

 

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