Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Regeln für Pädagogen in der Jugendhilfe zur Deeskalation in akuten Gewaltsituationen

 

1. In Beziehung treten mit der Situation, „sich einmischen“ und genau hinsehen
Wenn sich Jungen in den Gruppen prügeln oder wenn Jungen Mädchen belästigen, ist das häufig Ernst und nicht Spiel oder Spaß. Deshalb: nicht wegsehen, sondern als Pädagoge persönlich Stellung beziehen. Personale Konfrontation Sich als Pädagoge ohne „pädagogischverständnisvolle“ Fassade „bemerkbar“ machen. Nicht: „Du, ich weiß, dass Du sauer bist, aber ich finde das irgendwie nicht gut jetzt“.Sondern: „Schluß damit! Hier wird nicht geprügelt!“ Oder: „So etwas will ich von Dir nie wieder erleben!“

Trennung der Kontrahenten
Weitere Gewaltanwendung durch Trennung der Gewalthandelnden verhindern. Zuschauer immer sofort weg schicken. Opfer und Täter müssen sofort getrennt werden. Sofort und eindeutig Grenzen setzen. Keinerlei Gewalt oder Androhung von Gewalt gegen sich selbst als Pädagoge zulassen.

Personale Wertung
Eigene Bewertung der Gesamtsituation deutlich machen, aber nicht moralisieren „Ich verbiete Dir das! Hier läuft so etwas nicht! Das hat deutliche Folgen!“

Nicht entweichen lassen
Gewaltsituation nicht durch Flucht der Gewalthandelnden abbrechen lassen, nach dem Motto „es ist nichts passiert.“ Sondern: “hier geblieben! Erst wird das hier geklärt, dann könnt ihr gehen!“
Ernst nehmen
Im übertragenen Sinne: „Ich nehme dich mit dem, was du sagst oder tust, beim Wort und ernst!“ Auch die Gewalthandlung mit ihrer interpersonalen Aussage „wörtlich“ nehmen und damit das Kind für seine Gewalthandlung verantwortlich machen. In keinem Fall beschönigen.

„Spiegeln“
„Das hier ist kein Spaß, dein Tun hat Konsequenzen!“ Konsequenzen in Form von persönlicher Ablehnung durch den Pädagogen, einer Meldung an die Leitung etc. Wichtig: eine Ankündigung ist keine leere Drohung. Sie muß stets umgesetzt werden!

Begleitung nach dem Gewaltende
Der Pädagoge soll nicht aus dem Kontakt davonschleichen, sondern im Kontakt bleiben, bis die Situation deeskaliert ist, bis klar ist „Meine Intervention ist angekommen!“ Nicht die Gruppe wieder zusammenkommen lassen, wenn damit gerechnet werden muß, dass weiter Gewalt angewendet oder belästigt wird.
Gemeinnützige Gesellschaft für familienorientierte Sozialarbeit bmH, Bad Essen: Qualitätsentwicklungsbericht 2001, Bad Essen 2001, S. 8.
http://www.dialog-badessen.de

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