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Interventionsregeln bei gewalttätigen Schülerkonflikten

1. Aufmerksam wahrnehmen. Genau hinsehen, wenn Jungen oder Mädchen sich prügeln. Ist das Spaß für alle Beteiligten oder Ernst? Nicht wegsehen, sondern sich einmischen. Stellung beziehen, z.B. "Hier tut keiner dem anderen weh!"

2. Die "Stop-Norm" setzen. Als Garant für Mindestnormen ohne "pädagogische verständnisvolle" Fassade präsent sein. Statt lauter Du-Botschaft wie "Ich verstehe, daß du sauer bist, das find ich aber gar nicht gut" den Vorfall personen-neutral abbrechen und die "Stop-Norm" setzen: "Schluß damit" hier wird nicht geprügelt.", "Auseinander! Das ist hier verboten!" oder "Jetzt reicht's aber! Hier wird fair gestritten!"

3. Trennen der Kontrahenten. Den Blickkontakt der Streiter unterbrechen. Beide räumlich trennen, um, erneute Gewalthandlungen zu verhindern, emotionale Abkühlung schaffen.

4. Den eigenen Einfluß aufrecht erhalten. Die Interventions-Maßnahmen erst beenden, wenn die Situation deeskaliert ist. Ruhe, äußere Ordnung, Körperbesinnung (Rückzug, Sachen richten, auf Atem und Herzklopfen achten) gewähren. Keine Bagatellisierung akzeptieren wie: "War doch nicht so schlimm" oder "Ist doch nichts passiert", sondern "Hier geblieben! Erst wird der Streit geklärt, dann könnt ihr gehen." "Gewalt macht Feinde! Das muss erst wieder in Ordnung gebracht werden."

5. Grenzsetzungen durchsetzen. Keine Angriffe und Drohungen gegen Intervenierende zulassen. Schulterschluß der Pädagogen deutlich machen: "Grobheiten dulden wir hier alle nicht!", "Beherrsch dich!", "Nimm dich zusammen!".

6. In die Verantwortung nehmen: Konsequenzen deutlichmachen. "Das ist hier kein Spaß. Dazu musst du dich verantworten". "Eine schlimme Sache mit Schmerzen, Schock und Tränen. Zu diesem Vorfall musst du stehen." "Der Tatbestand war Raub (Körperverletzung, sexueller Übergriff). Das hat Konsequenzen".
Eine Ankündigung ist keine leere Drohung. Sie muss auch umgesetzt werden! Neben den bekannten Maßnahmenkatalog gem. Schulgesetz verantworten sich Streiter an einigen Schulen in Gegenüberstellung mit dem Streitgegner mit Hilfe von Lehrer-Mediatoren, Konfliktlotsen, Mitarbeitern der Schulstationen, vor dem Klassenrat oder der SMS.

Ortrun Hagedorn, zitiert nach Monika Hau: Das Nürnberger Streitschlichter Programm. In: FBF-News 1-2000.

 

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