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Graswurzelwerksatt: Verhalten in Bedrohungssituationen einüben

Um gewalttätigen Übergriffen nicht völlig schutzlos ausgeliefert zu sein, haben verschiedene Aktionsgruppen Vorschläge und Verhaltensregeln für solche Situationen erarbeitet und als Kurzanleitung veröffentlicht. Dabei wird übereinstimmend hervorgehoben, daß eine mögliche Flucht (Weglaufen) immer besser ist als eine direkte Konfrontation. Doch gibt es auch Situationen, in denen diese unausweichlich ist. Solche Verhaltensregeln bedürfen natürlich nicht nur der Diskussion und Ausdifferenzierung, sondern vor allem der Einübung in Rollenspielen und konkreten Übungen. Dies wird seit Jahren vor allem von Gewaltfreien Aktionsgruppen und Trainerkollektiven in Gewaltfreier Aktion angeboten.

 
 

Vorbereiten:
Bereite Dich auf mögliche Bedrohungssituationen seelisch vor: Spiele Situationen für dich allein und im Gespräch mit anderen durch.

Ruhig bleiben:
Panik und Hektik vermeiden und möglichst keine hastigen Bewegungen machen, die reflexartige Reaktionen herausfordern könnten.

Aktiv werden:
Wichtig ist, sich von der Angst nicht lähmen zu lassen. Eine Kleinigkeit zu tun ist besser, als über große Heldentaten nachzudenken.

Gehe aus der Dir zugewiesenen Opferrolle!
Wenn Du angegriffen wirst, flehe nicht und verhalte Dich nicht unterwürfig. Sei Dir über Deine Prioritäten im klaren und zeige deutlich, was Du willst. Ergreife die Initiative, um die Siutation in Deinem Sinne zu prägen.

Halte den Kontakt zum Gegner/Angreifer!
Stelle Blickkontakt her und versuche, Kommunikation auszubauen bzw. aufrechtzuerhalten.

Reden und Zuhören!
Teile das Offensichtliche mit, sprich ruhig, laut und deutlich. Höre zu, was Dein Gegner bzw. der Angreifer sagt.

Nicht drohen oder beleidigen!
Mache keine geringschätzigen Äußerungen über den Angreifer. Versuche nicht, ihn einzuschüchtern, ihm zu drohen oder Angst zu machen. Kritisiere sein Verhalten, aber werte ihn nicht persönlich ab.

Hole Dir Hilfe!
Sprich nicht eine anonyme Masse an, sondern einzelne Personen. Dies gilt sowohl für Opfer als auch für Zuschauerinnen und Zuschauer, die eingreifen wollen.

Tue das Unerwartete!
Falle aus der Rolle, sei kreativ und nutze den Überraschungseffekt zu Deinem Vorteil aus.

Vermeide möglichst Körperkontakt!
Wenn Du jemandem zu Hilfe kommst, vermeide es möglichst, den Angreifer anzufassen, es sei denn, Ihr seid zahlenmäßig in der Überzahl, so daß Ihr jemanden beruhigend festhalten könnt. Körperkontakt ist in der Regel eine Grenzüberschreitung, die zu weiterer Aggression führt. Wenn möglich, nimm lieber direkten Kontakt zum Opfer auf.

Dieses Konzept wurde von Milan / Graswurzelrevolution entworfen. In: Forum buntes Deutschland, Nr. 4/1993, S. 5. Vgl. auch: Han Horstink: Ohne Gewalt gegen Gewaltkriminalität. Selbstverteidigung mit oder ohne Gewalt. In: Gewaltfreie Aktion. Vierteljahreshefte für Frieden und Gerechtigkeit, 24. Jg, Heft 91/92, 1.+2. Quartal 1992, S. 27-47. Thomas Mücke: Wie kann ich mich schützen? Erfahrungen eines Streetworkers. In: Gewaltfreie Aktion, a.a.O., S. 48-50.

 

© 2000, Verein für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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