Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Gewalt und Gewaltprävention

Günther Gugel: Gewalt und Gewaltprävention.

Grundfragen, Grundlagen, Ansätze und Handlungsfelder von Gewaltprävention und ihre Bedeutung für Entwicklungszusammenarbeit. Unter Mitarbeit von Ana Mijic.

Sektorvorhaben Bildung und Konfliktbearbeitung, Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ)
Institut für FriedenspädagogikTübingen

Tübingen 2006

371 S., ISBN 3-932444-15-9

20,- Euro -
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Inhalt:

Vorwort
1 Gewaltprävention: Analyserahmen und Bewertungskriterien
1.1 Auseinandersetzung mit Grundfragen der Gewaltprävention
1.2 Klärung der Motive und Begründungen für Gewaltprävention?
1.3 Klärung des Verständnisses von Gewaltprävention
1.4 Verständigung über das Verständnis von Gewalt
1.5 Orientierung am Stand der Forschung über Gewalt
1.6 Berücksichtigung relevanter Ergebnisse der Genderforschung .
1.7 Kompatibilität mit friedenswissenschaftlich fundierten Theorie- und Praxisansätzen
1.8 Integration in den Rahmen von Konfliktbearbeitung
1.9 Kenntnis einschlägiger Evaluationsergebnisse über Gewaltprävention2. Gewaltprävention: Ausgewählte Handlungsfelder
2.1 Gewaltprävention in der Familie
2.2 Gewaltprävention in der Schule
2.3 Gewaltprävention im kommunalen Umfeld
2.4 Gewaltprävention und Handeln in Gewaltsituationen
3. Gewaltprävention entwickeln
4. Zusammenfassung / Essentials
5. Empfehlungen
6. Literatur
7. Links

Vorwort

Nelson Mandela schreibt im Vorwort des Weltberichtes Gewalt und Gesundheit:
„Das 20. Jahrhundert wird in die Geschichte als ein Jahrhundert der Gewalt eingehen. Es hinterlässt uns das Massenvernichtungserbe einer Gewalt in noch nie da gewesenem Ausmaß, einer Gewalt, wie sie in der Geschichte der Menschheit bis dahin nicht möglich gewesen war. Doch dieses Erbe, das Ergebnis technischer Errungenschaften im Dienste von Hassideologien, ist nicht das Einzige, was wir übernehmen können oder annehmen müssen.
Weniger sichtbar, doch noch weiter verbreitet, ist das Erbe des alltäglichen individuellen Leidens. Der Schmerz von Kindern, die von Menschen missbraucht werden, die sie beschützen sollten, von Frauen, die von gewalttätigen Partnern verletzt oder gedemütigt werden, von älteren Menschen, die von ihren Betreuern misshandelt werden, von Jugendlichen, die von anderen Jugendlichen tyrannisiert werden, und von Menschen aller Altersgruppen, die sich selbst Gewalt antun. (...) Kein Land, keine Stadt, kein Gemeinwesen ist immun. Doch wir sind auch nicht machtlos.“
Gewaltprävention ist zweifellos notwendig - doch ist sie auch machbar? Von welchen Voraussetzungen und Annahmen geht Gewaltprävention aus, auf welche gesicherten Erkenntnisse kann sie sich stützten und auf welche Erfolge verweisen? Welche Ansätze wurden erprobt und welche Erfahrungen lassen sich weitergeben?
Dies sind einige der Themen und Fragen, die das Gerüst für die vorliegende Studie darstellen. Dabei wird das Feld der Gewaltprävention in seinen Grundfragen und Grundlagen skizziert und zentrale Ansätze in den wichtigsten Handlungsfeldern herausgearbeitet und diskutiert. Die Ergebnisse der Diskussion sollen einen qualifizierten und kritischen Überblick über Gewaltprävention ermöglichen.
Das verfügbare Material ist, was Praxisansätze betrifft, äußerst vielfältig, was gesicherte Erkenntnisse über die Wirksamkeit dieser Ansätze betrifft, äußerst dürftig.
Der Blickwinkel der Studie ist notwendiger Weise international, wenngleich mit einem deutlichen Schwergewicht auf westliche Industrienationen (und hier besonders die bundesdeutsche Diskussion). In diesen Ländern ist die Diskussion um Gewaltprävention am Weitesten entwickelt. Wo immer möglich, wurden Ergebnisse und Erkenntnisse aus Entwicklungsländern einbezogen.
Der Ausarbeitung liegt ein friedenswissenschaftlich und friedenspädagogisch ausgerichteter Ansatz zugrunde, was bedeutet, dass wir u.a. von folgende Prämissen ausgehen:
- individuelle, gesellschaftliche und internationale Gewalt sind nicht voneinander klar zu trennen. Gewalt und Gewaltprävention haben es nicht nur mit der individuellen Verhaltensdimension zu tun, sondern vor allem auch mit gesellschaftlichen Verhältnissen.
- die gegenseitige Abhängigkeit von interpersonaler, kollektiver und staatlicher Gewalt muss von Gewaltprävention gesehen und berücksichtigt werden.
- Gewaltprävention ist als Teil eines übergreifenden gesellschaftlichen Projektes der Demokratisierung und Etablierung einer Friedenskultur zu verstehen und zu verankern.
- Gewaltprävention ist ein partizipatorisches Projekt, das nicht von oben verordnet, sondern mit den Betroffenen entwickelt werden muss.
Gewaltprävention ist so gesehen kein Set von Maßnahmen, Modellen und Projekten im Nahbereich von Kindern und Jugendlichen, sondern eine gesamtgesellschaftliche Strategie der Demokratisierung und Zivilisierung.
Der öffentliche Diskurs und der wissenschaftliche Diskurs um Gewalt und Gewaltprävention klaffen weit auseinander. Der öffentlichen Diskurs ist durch Sensationsberichterstattung, Empörung und der Identifikation von eindeutigen Ursachen (die in der Regel in der Gewaltdarstellung in den Medien gefunden werden) gekennzeichnet. Der wissenschaftliche Diskurs ist vorsichtiger und abwägender und vor allem nicht eindeutig, was die Ursachenanalyse und die Präventionsvorschläge betrifft. Betroffene vor Ort wollen jedoch klare Handlungsanweisungen und müssen auch Handeln können.
Im ersten Teil geht es um die Klärung der Grundlagen und des Grundverständnisses von Gewaltprävention, um so einen Analyserahmen und Bewertungskriterien für konkrete Maßnahmen zu erhalten. Hierzu gehören u.a. die Verständigung über den Gewaltbegriff, die Frage nach den Ursachen und Bedingungen von Gewalt, das spezifische Präventionsverständnis aber auch die Einbeziehung von Ergebnissen der Genderforschung und die Diskussion des Verhältnisses von Konfliktbearbeitung und Gewaltprävention. Besonders wichtig erscheinen dabei die Berücksichtigung von Evaluationsergebnissen der Gewaltpräventionsforschung.
Im zweiten Teil werden ausgewählte Handlungsfelder ausführlich diskutiert. Hierzu gehören Familie, Schule und das kommunale Umfeld. Für jeden dieser Bereiche werden die spezifischen Problemlagen und Erfordernisse sowie vorhandene Ansätze systematisch dargestellt und wo immer möglich mit Evaluationsergebnissen konfrontiert. Handlungsmöglichkeiten in Problem- und Gewaltsituationen werden in einem gesonderten Kapitel aufgegriffen.
Vor dem Hintergrund der internationalen Kampagne zur Gewaltprävention der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Bemühen den Bereich Bildung und Erziehung (insbesondere Friedenserziehung) stärker in die Entwicklungszusammenarbeit einzubeziehen, verfolgt die Studie ebenfalls das Ziel, eine Grundlage zur Entscheidungsfindung zu liefern, welche Ansätze und Modelle für den Kontext der Entwicklungszusammenarbeit sinnvoll sein könnten. Diese Auswahl und Bewertung kann hier nur angedeutet, aber nicht abschließend vorgenommen werden.
Die Ergebnisse scheinen daneben auch für die deutsche Diskussion um Gewaltprävention nützlich und anregend, wird diese doch allzu sehr innergesellschaftlich verengt geführt.
Die vorliegende Studie ist im Rahmen einer Kooperation des Instituts für Friedenspädagogik (ift) mit dem Sektorvorhaben Bildung und Konfliktbearbeitung entstanden. Das Sektorvorhaben Bildung und Konfliktbearbeitung wird von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchgeführt. In einem vom Institut für Friedenspädagogik und dem Sektorvorhaben Bildung und Konfliktbearbeitung veranstalteten Fachgespräch im Oktober 2005, an dem 17 Fachleute teilnahmen, wurden insbesondere die Rolle von Bildung für Gewaltprävention, der Bereich „Gender und Gewalt“ sowie Fragen der Wirkungsforschung und Evaluation ausführlich diskutiert. Diesem Fachgespräch verdankt die vorliegende Studie vielfältige Hinweise und Anregungen.
Die für Gewaltprävention so wichtigen Bereiche „Gewalt in Medien - Gewalt durch Medien“ sowie „Gewaltprävention und Sport“ wurden in diese Studien nicht aufgenommen, da sie in eigenen Ausarbeitungen erscheinen sollen. Geringfügige inhaltliche Überschneidungen zwischen einzelnen Kapiteln wurden bewusst in Kauf genommen, da damit gewährleistet ist, dass jedes Kapitel in sich abgeschlossen und auch separat gelesen werden kann.
Die Hoffnung, dass es Patentrezepte für Gewaltprävention gäbe, die entsprechend verbreitet, das Gewaltproblem beseitigen könnten, muss schon zu Beginn enttäuscht werden. Aber es gibt eine Reihe wichtiger Erkenntnisse und Erfahrungen, die begründetes und effektives Handeln ermöglichen.

Günther Gugel, Institut für Friedenspädagogik
Rüdiger Blumör, Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH, Sektorvorhaben Bildung und Konfliktbearbeitung.

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