Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Wolfgang Huber

Bischof Dr. Wolfgang Huber ist Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.

„Alles fließe von selbst – Gewalt sei ferne den Dingen.“ So lautet das Lebensmotto des evangelischen Theologen Johann Amos Comenius (1592–1670). Dabei zeigt die Lehre des Comenius, dass konkrete Programme der Erziehung und Bildung zum Frieden von einem realistischen Menschenbild ausgehen müssen, wenn sie nachhaltig Wirkung erzielen wollen. Der Zeitgenosse des Dreißigjährigen Krieges nahm keine idealistischen, sondern konkrete, praxisfähige Lernschritte in der Richtung des Friedens in den Blick. In dem pädagogischen Programm von Comenius ist die Einsicht in die ursprüngliche Zusammengehörigkeit von Praxis und Theorie, von Pädagogik, Politik und der Lehre vom Frieden (Eirenik) fest verankert. Sie scheint in dem Thema der aktuellen ökumenischen „Dekade zur Überwindung von Gewalt“ (2001–2010) genauso nachzuklingen, wie sein Lebensmotto ein passendes Leitwort für die bisher drei Jahrzehnte währende Arbeit des Instituts für Friedenspädagogik ist.

Die Evangelische Kirche in Deutschland ist für die bewährte partnerschaftliche Kooperation mit dem Institut für Friedenspädagogik in Tübingen sehr dankbar. Die Aktion „Brot für die Welt“ und die Schulprojektstelle Globales Lernen will ich stellvertretend für viele Partner auf kirchlicher Seite nennen. Die Zusammenarbeit ist im Lauf der Zeit so selbstverständlich und unentbehrlich geworden wie das gewaltlos von selbst fließende Wasser, das für Comenius ein ebenso anschauliches wie leistungsfähiges pädagogisches Modell abgab.

„Ausgangspunkt für alles, was die Kirche tun kann, um für den Frieden zu bilden, ist das Gebet um den Frieden und die lebendige Verkündigung des Evangeliums […] Jeder Gottesdienst kann und soll zum Frieden bilden.“ So heißt es in der Denkschrift Frieden wahren, fördern und erneuern der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) aus dem Jahr 1981. Diese Sätze treffen auch nach einem Vierteljahrhundert noch zu. Heute sind zahlreiche Angebote der Kirchen im friedenspädagogischen Bereich in den Rahmen der Dekade zur Überwindung von Gewalt eingebettet. Sie steht bewusst in zeitlicher und inhaltlicher Entsprechung zu der für den gleichen Zeitraum angesetzten UN-Dekade für eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit für die Kinder der Welt. Diese Parallelität und Entsprechung will die Zusammenarbeit fördern, Synergieeffekte freisetzen, kreative Horizontüberschreitungen ermöglichen. Zu nachhaltiger Erziehung und Bildung für den Frieden können die Kirchen nur dann beitragen, wenn sie nicht im binnenkirchlichen Raum verharren, sondern Partnerschaften begründen: mit Politik, Wirtschaft und Wissenschaft und denjenigen Akteuren der Zivilgesellschaft, die bereit sind, sich für den Frieden und die Überwindung der Gewalt einzusetzen.

Als höchstes Ziel des Instituts für Friedenspädagogik ließe sich sicher formulieren, dass es überflüssig werde. Das wäre dann der Fall, wenn der Frieden sich von selbst verstünde. Davon sind wir jedoch weit entfernt. Die unausweichliche Konfrontation mit Gewalt, Krieg und religiös motivierten Konflikten lässt den Wert friedenspädagogischer Arbeit immer wieder ins Bewusstsein treten. Wir werden deshalb die Arbeit dieses Instituts noch lange brauchen.

Ich wünsche dem Institut für Friedenspädagogik eine gute Zukunft und auch weiterhin eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche, geleitet von den friedenspädagogischen Impulsen des großen Comenius.

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Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. (Hrsg): Promote Peace Education! Viele Stimmen für den Frieden. Tübingen 2006, S.43-45.

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