Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Vorwort

Im November 2006 feierte das Institut für Friedenspädagogik Tübingen sein 30-jähriges Jubiläum. Mit seinen Publikationen und Fachtagungen, mit Vorträgen, Kampagnen und Seminarangeboten und nicht zuletzt mit einem umfassenden Angebot im Internet (www.friedenspaedagogik.de) steht das Institut seit Jahren weit über die Grenzen Deutschlands hinaus für die konsequente theoretische, vor allem aber auch praktische Förderung nachhaltiger friedenspädagogischer Lernprozesse. Wir sind der Überzeugung:

• Friedenserziehung ist keine Zeiterscheinung. Sie ist so lange erforderlich, wie Menschen unterdrückt und Konflikte mit Gewalt ausgetragen werden.

• Friedenserziehung ist Teil einer Kultur des Friedens, die gekennzeichnet ist durch eine zivile Gesellschaft. Friedenserziehung gibt in diesem Sinne konkrete Hilfestellungen für die Erziehung in Familie und Vorschule, im schulischen Unterricht und in der außerschulischen Bildungsarbeit.

• Friedenserziehung gründet in der Überzeugung, dass Einstellungen und Verhaltensweisen durch Erziehung und Bildung veränderbar sind und sich auf politische Entscheidungen und Strukturen auswirken.

• Friedenserziehung, wie sie im Institut für Friedenspädagogik entwickelt und praktiziert wird, ist auch Aufforderung zur Einmischung in Gesellschaft und Politik. Sie sieht die Verantwortung des einzelnen, berücksichtigt aber auch die Bedeutung struktureller Rahmenbedingungen. Für seine kontinuierliche Arbeit erhielt das Institut 1982 – damals noch als „Verein für Friedenspädagogik Tübingen“ – die Theodor-Heuss-Medaille, 1999 den Ehrenpreis für Friedenserziehung der UNESCO und 2005 wurde das Institut für Friedenspädagogik als „Offizielles Projekt der UN-Weltdekade Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet. Vieles hat sich verändert: Die Sensibilität für die verschiedenen Formen von Gewalt ist gestiegen und das Recht auf gewaltfreie Erziehung wurde gesetzlich verankert; mehr und mehr junge Menschen lernen in der Schule mit Konflikten konstruktiv umzugehen und die Skepsis der Bevölkerung gegenüber militärischen Einsätzen zur vermeintlichen Lösung von Problemen ist ein einflussreicher Faktor in der Politik geworden. Doch die weiterhin beunruhigenden Gewaltpotenziale in der eigenen Gesellschaft und die anhaltende Friedlosigkeit in vielen Teilen der Erde wollen wir in unserem Jubiläumsjahr zum Anlass nehmen, um die Notwendigkeit friedenspädagogischen Denkens und Handelns in Gesellschaft und Politik noch deutlicher zu machen. Denn trotz steigender Nachfrage aus dem In- und Ausland verfügt Friedenspädagogik in Deutschland nur über geringe materielle Ressourcen und über zu wenig öffentliche Beachtung. Diese aber sind Voraussetzung, um der Friedenspädagogik, beispielsweise im Kontext öffentlicher Bildungsdiskussionen oder bei der Vorbereitung ziviler Interventionen in Konfliktregionen, einen angemessenen Stellenwert zu verschaffen.

Deshalb baten wir unter dem Motto „Promote Peace Education! Viele Stimmen für den Frieden“ Kolleginnen und Kollegen, langjährige Freundinnen und Freunde, Mitglieder und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, uns Ihre Erwartungen, Wünsche und Forderungen an eine Erziehung zum Frieden in wenigen Sätzen aufzuschreiben. Die große Resonanz hat uns sehr überrascht und gefreut und wir danken allen, die mit ihren Beiträgen zu dem vorliegenden Buch beigetragen haben. Gleichzeitig bitten wir um Verständnis, dass wir nicht alle Personen, die auf unserer Wunschliste standen, für diese Publikation berücksichtigen und anschreiben konnten.

Unser Ziel ist es, den Stellenwert der Friedenserziehung in Deutschland zu erhöhen: In Parteien und Kirchen, in Verbänden und Nichtregierungsorganisationen, in Familien und Schulen, in Kunst und Kultur aber auch in der nationalen und internationalen Politik. Deshalb wird die Initiative „Promote Peace Education! Viele Stimmen für den Frieden“ über die vorliegenden Beiträge hinaus fortgesetzt. Wir möchten Sie alle bitten, ihre „Stimme für den Frieden“ als kurzen Beitrag zu formulieren und uns für eine fortlaufende Veröffentlichung im Internet (www.promote-peace-education.de) zur Verfügung zu stellen.

Tübingen, 16. Oktober 2006

Günther Gugel, Uli Jäger
Geschäftsführung

Wolfgang Berger, Elke Begander, Heike Bosien, Peter Häußer, Dr. Wolfgang Pasche
Vorstand

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Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. (Hrsg): Promote Peace Education! Viele Stimmen für den Frieden. Tübingen 2006, S.7-9.

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