Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Volker Rittberger

Prof. Dr. Volker Rittberger, Abteilung Internationale Beziehungen / Friedens- und Konfliktforschung, Institut für Politikwissenschaft an der Eberhard Karls Universität Tübingen, ist Vorsitzender der Deutschen Stiftung Friedensforschung und ist Gründungsmitglied des Vereins für Friedenspädagogik Tübingen e. V.

In Frieden und Demokratie leben ist eine immerwährende Herausforderung für menschliche Gemeinschaften und, wenn sie praktisch verwirklicht werden, eine zivilisatorische Errungenschaft, die nicht selbstverständlich ist; häufig genug ist sie wiederkehrenden Bewährungsproben ausgesetzt, die nicht immer erfolgreich bestanden werden. Das Wissen und Können, wie man in Frieden und Demokratie lebt, wird nicht mit der Geburt, sondern in gelingenden Sozialisationsprozessen erworben. Einen wesentlichen Beitrag zu diesen Sozialisationsprozessen leistet die Friedenspädagogik, indem sie Individuen und Gruppen kognitiv, emotional und praktisch fit macht, Konflikte im gesellschaftlichen und zwischengesellschaftlichen Zusammenleben auszuhalten und konstruktiv mit ihnen umzugehen.

Friedenspädagogik und Friedensforschung bilden ein System kommunizierender Röhren: Friedenspädagogik trägt entscheidend dazu bei, dass es zum Transfer wissenschaftlichen Wissens über die Ursachen gewaltsamen Konfliktaustrags und die Bedingungen und Wege friedlichen Wandels in die Gesellschaft kommt. Umgekehrt melden die Erfolge ebenso wie die Sackgassen friedenspädagogischer Praxis der Friedensforschung einerseits Ermutigung für eingeschlagene Forschungswege, andererseits gravierende Forschungslücken zurück. Dieses wechselseitige Aufeinanderangewiesensein von Friedensforschung und Friedenspädagogik wird in Wissenschaft, Pädagogik und Politik noch nicht ernst genug genommen.

Beispielhaft gilt dies für die Forschung über die Möglichkeiten und (Miss-)Erfolgsbedingungen ziviler Krisenprävention und -intervention, in der friedensfördernde oder -schaffende Bildungsmaßnahmen bislang noch zu wenig thematisiert wurden. Der Aufbau tragfähiger Strukturen und Prozesse des Kennenlernens und der Einübung gewaltfreier Formen des Umgangs mit Konflikten in Vor- oder Nachkriegsgesellschaften und die Reflexion der dabei gemachten Erfahrungen legen eine engere Zusammenarbeit von Friedensforschung und Friedenspädagogik nahe. Gerade bei der Ausbildung von Friedensfachkräften, insbesondere für den Einsatz in zivilen Friedensdiensten, wie in von der Deutschen Stiftung Friedensforschung u. a. an der Universität Tübingen geförderten Masterstudiengängen sind Friedensforschung und Friedenspädagogik gut beraten, wechselseitige Hilfestellung anzubieten und anzunehmen.

Als Gestalter des Vermittlungsprozesses zwischen Friedenspädagogik und Friedensforschung kommt dem Institut für Friedenspädagogik Tübingen in Deutschland eine herausragende Stellung zu. Mit zwei Projektförderungen durch die Deutsche Stiftung Friedensforschung – „Friedensgutachten 2004 didaktisch“ und CD-ROM „Peace Counts. Die Erfolge der Friedensmacher“ – und durch zahlreiche andere Fördermaßnahmen Dritter hat das ift weithin Anerkennung gefunden. Diese teils institutionellen, teils projektabhängigen Förderungen der Friedenspädagogik in Deutschland sind angesichts vielschichtiger, teilweise hoch gefährlicher Konfliktlagen im eigenen Land, in Europa und in der Welt kein Luxus, sondern eine Investition in die Zukunft eines gemeinsamen Lebens in Frieden und Demokratie.

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Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. (Hrsg): Promote Peace Education! Viele Stimmen für den Frieden. Tübingen 2006, S.72-74.

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