Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Paul Ackermann

Prof. (em.) Dr. Paul Ackermann lehrte Politikwissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg; Gründungsmitglied des Vereins für Friedenspädagogik Tübingen e. V.

Als Gründungsmitglied des Vereins für Friedenspädagogik freue ich mich besonders über dessen Erfolgsbilanz, die er anlässlich des Jubiläums vorweisen kann. Vorläufer des Vereins war eine entsprechende Arbeitsgruppe im Institut für Politikwissenschaft an der Universität Tübingen. Diese trat zum ersten Mal im Jahre 1971 mit einer großen Schulfunkreihe zum Thema „Erziehung zum Frieden“ an die Öffentlichkeit, zusammen mit einer ähnlichen Gruppe an der Pädagogischen Hochschule Reutlingen, der ich angehörte. Dabei wurden folgende Themenbereiche behandelt: Ost-West-Konflikt, Nord-Süd-Konflikt, Arbeitskonflikt und Streik, Gastarbeiter und Schule als Konfliktfeld.

Die Veränderung der Themenbereiche ist offensichtlich, geblieben ist die didaktische Problematik, „dass eine Reduktion der Probleme einer Erziehung zum Frieden auf eine individualpädagogische Ebene heute unzureichend und äußerst problematisch ist.“ (Dieter Senghaas 1969) Doch ist uns – unter anderem durch die aktuelle terroristische Bedrohung – noch deutlicher geworden, wie intensiv persönliche Gewaltbereitschaft mit Gewaltstrukturen in gesellschaftlichen Bereichen und in der Staatenwelt zusammenhängt. Nur durch eine intensive Kooperation unter anderem mit der Friedens- und Konfliktforschung, wie dies bei den bisherigen Projekten des Instituts für Friedenspädagogik der Fall war, können wir in der Friedenserziehung der Komplexität dieser Zusammenhänge immer gerecht werden.

Für mich ist Erziehung zum Frieden ein zentraler Bestandteil des sozialen und politischen Lernens und damit eine kontinuierliche Aufgabe. Um dies zu ermöglichen, muss Friedenserziehung in allen Bildungsbereichen noch stärker institutionalisiert werden. Damit könnte auch verhindert werden, dass das Institut nur eine „Feuerwehrfunktion“ für aktuelle gesellschaftliche und politische Probleme ausübt. Allerdings sollte dieser bei seiner zunehmenden Etablierung die Unabhängigkeit und die Offenheit für neue gesellschaftliche und politische Initiativen behalten.

Da sich Friedenserziehung angesichts der immer wieder neuen gesellschaftlichen Entwicklungen und unterschiedlichen politischen Herausforderungen an einem prozesshaften Friedensbegriff orientieren sollte, kann sie nicht als Lernprozess mit eindeutig definierten Lernzielen, Inhalten und Methoden, sondern nur als unabgeschlossene Suchbewegung verstanden werden. Auf dieser Suche bedarf sie der professionellen Hilfe, unter anderem durch das Institut für Friedenspädagogik.

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Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. (Hrsg): Promote Peace Education! Viele Stimmen für den Frieden. Tübingen 2006, S.10f.

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