Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Johannes Esser

Prof. (em.) Dr. Johannes Esser, lehrte am Fachbereich Sozialwesen der Fachhochschule Lüneburg.

Friedenspädagogik ist mit dem Teilbereich Friedenserziehung als Fachdisziplin und Lernfeld weder eine Mode noch sind diese Bereiche einem oberflächlichen Zeitgeist zuzuordnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg etwa, also schon vor über 60 Jahren, erörtern Entwicklungsansätze und weiterführende Begründungskonzepte der Friedenspädagogik wiederholt ihren dauerhaft gültigen subjektiven, gesellschaftlich-politischen und öffentlichen Stellenwert und Zukunftsauftrag.

Friedenspädagogik heute hat in der gesellschaftlichen und institutionenbezogenen Ebene beispielsweise als traditionelle inhaltliche Aufgabe in den verschiedenen Ebenen die Auseinandersetzung mit Friedensproblematiken, Friedensimplikationen, gesellschaftlichen und subjektiven Gewaltstrukturen und Gewaltalternativen sowie mit Konfliktanalysen, Konfliktstrategien und Mediationskonzepten durchzuführen und fortzusetzen. Neben diesen umfangreichen Kernbereichen mit ihren jeweiligen Herausforderungen sind für die Friedenspädagogik drei innovative Aufgaben erforderlich: Einzuführen sind hierzu die Grundlegung der Friedensbildungsstrukturen, ferner die der Gewaltminderungskonzepte mit alternativen Methoden zur Gewaltprävention sowie schließlich Entwicklungsarbeiten für eine Friedenspädagogik im Sinne eines Auffangnetzes, dem außerschulisch theoretisch und praktisch eine Alltagsfriedensarbeit zuzuordnen ist.

Was muss im Umfeld von Friedenspädagogik geändert werden? Seit Jahren ist die qualifizierte materielle Förderung von Friedenspädagogik für Ausbildung und Beruf unzureichend. Weder in der Bundespolitik noch durch Bundesländer wird Friedenspädagogik regelmäßig gefördert, ebenso wenig geschieht dies in breiterem Rahmen durch einschlägige Forschungseinrichtungen mit erziehungs- und sozialwissenschaftlichen Forschungsschwerpunkten und -projekten. Nicht zuletzt wird die institutionelle Verankerung der Friedenspädagogik in professionellen Ausbildungskonzepten und Curricula für ErzieherInnen, LehrerInnen, SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen an Fachschulen, Fachhochschulen, Pädagogischen Hochschulen bzw. Universitäten vernachlässigt oder auch ignoriert. Der gesellschaftliche Stellenwert von Friedensbildungspotenzialen und die erarbeiteten Konflikt-, Toleranz- und Friedensfähigkeiten werden offensichtlich auch hier für eine unverzichtbare demokratische Stabilisierung und demokratische Weiterentwicklung verkannt.

Diese aber wären bei einer jeweiligen institutionellen Ausprägung und Gestaltung durch nachrückende Generationen als wesentliche Elemente einer Friedenskultur zu definieren.

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Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. (Hrsg): Promote Peace Education! Viele Stimmen für den Frieden. Tübingen 2006, S.26f.

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