Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

Home / Themen / Friedenspädagogik / Promote Peace E... / Jamie Walker

Jamie Walker

Dr. Jamie Walker ist Mitarbeiterin im Mediations Büro Mitte (Berlin).

Friedenserziehung umfasst ein weitergehendes Verständnis für Konflikte und Konfliktursachen auf der Mikro-, Meso- und Makroebene. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit strukturellen Aspekten individueller und gesellschaftlicher Probleme im eigenen Kontext und das Interesse am weltpolitischen Zusammenhängen
über den eigenen Kontext hinaus.

Ein entscheidender Schnittstelle für die politische Dimension friedenspädagogischen Handelns ist die interkulturelle Erziehung. Viele Lehrkräfte, die sich selbst als offen und liberal anderen Kulturen und Wertesystemen gegenüber einschätzen, geraten bei der Auseinandersetzung mit andersdenkenden Schülern und deren Eltern an ihre Grenzen. Diese Herausforderung hat eine persönliche und eine politische Seite. Es besteht die Gefahr, die eigenen Erfahrungen – so schwierig wie sie auch sein mögen – zu generalisieren und sich damit über andere zu stellen, statt sich auf einen echten Dialog einzulassen und gemeinsame Lösungen für konkrete Probleme zu suchen. Hier könnte Friedenserziehung im Sinne der Förderung interkultureller Verständigung aktuell einen wichtigen Beitrag leisten.

Auch das Thema Menschen- und Kinderrechte verbindet die persönliche mit der politischen Ebene und richtet den Blick über die eigene Erfahrung hinaus in eine Welt, in der nur eine kleine Minderheit ein priviligiertes Leben genießt. Eine Gesellschaft, die Kindern und Jugendlichen im hohen Maße eine Medienkompetenz vermittelt, sollte ihnen gleichzeitig vermitteln, ihren Zugang zu Informationen und Ressourcen verantwortungsbewusst zu nutzen und in Handlung umzusetzen.

Am meisten habe ich in den letzten 20 Jahren von meinen lokalen und internationalen Kontakten profitiert – von der Gewissheit, nicht allein zu handeln, sondern Werte, Fachwissen und Erfahrungen mit Gleichgesinnten zu teilen. Das Beobachten und Erleben von friedenspädagogischen Ansätzen in Klassenzimmern und Lehrerfortbildungsinstituten von Harlem bis Belfast, von Kreuzberg bis Belgrad, von Kunduz bis Jaffna, haben mich in meinem Grundanliegen gestärkt. Inspirierend sind nicht abstrakte Ideen, sondern reale Menschen, die das Ziel haben, die Welt in ihrer unmittelbaren Umgebung zum besseren hin zu entwickeln und bereit sind, sich über Jahre hinweg und trotz Schwierigkeiten und Widerstände für dieses Ziel einzusetzen. Das habe ich inzwischen in den USA, mehreren Ländern West- und Osteuropas, Sri Lanka und Afghanistan erlebt – jedesmal anders, unter unterschiedlichen Voraussetzungen und in unterschiedlichen Ausprägungen. Das ermutigende Miteinander braucht einen Rahmen, der Raum für Erfahrungsaustausch
und Fachgespräche und damit Zusammenhalt und einer Weiterentwicklung vorhandener Ansätze schafft.

______________

Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. (Hrsg): Promote Peace Education! Viele Stimmen für den Frieden. Tübingen 2006, S.94-95.

Eine PDF-Version dieser Seite herunterladen

Aktuelles / Blog

Veranstaltungen

Peace Counts School