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Hans Koschnik

Hans Koschnik war Mitglied des Deutschen Bundestages, Bürgermeister von Bremen und bis 1996 Beauftragter der EU für den Wiederaufbau der bosnischen Stadt Mostar.

Trotz der bitteren Erfahrungen im letzten Jahrhundert werden bei Konflikten in der Gesellschaft und zwischen den Nationen vorzugsweise Mittel der Gewalt zur Lösung von Konflikten eingesetzt, statt vernunftgemäßer Suche nach einvernehmlichen Ergebnissen. Die vielbeschworene Friedfertigkeit erweist sich dabei mehr als einmal nur als rhetorischer Beschwichtigungsversuch; hier bewahrheitet sich oft genug die alte biblische Mahnung „an den Früchten, nicht an den Worten sollt ihr sie erkennen“. Die Gegenwart belegt jedenfalls, dass nach wie vor militärische Stärke sowie wirtschaftliche Überlegenheit immer noch als Mittel zur Durchsetzung eigener Anliegen genutzt werden. Der Versuch, mit Mitteln vernunftgemäßer Argumentation und belegbarer Dokumentation zu einer vertraglichen Lösung zu kommen, wird zwar beschworen, aber zu selten in der Praxis der Zeit umgesetzt.

Pessimisten bezeichnen diese Situation schlicht als „gottgegeben“, denn der Mensch und damit die Gesellschaft, in die er hineingestellt ist, sei halt so, wie wir sie vorfinden. Das ist törichtes Zeug. Fehlentwicklungen können durch vernunftgemäßes und verständigungsorientiertes Verhalten des Einzelnen bzw. seiner staatspolitischen Gemeinschaft aufgehalten, verändert oder auch in ein positives Gegenteil verkehrt werden.

Sachgerechte Aufklärung strittiger Sachverhalte, Abbau emotionaler Vorurteile und Streben nach Gewaltlosigkeit sind mögliche Voraussetzungen für einverträgliche Lösungen. Sie müssen nur von beiden Seiten gewollt sein. Diese Bemühungen können durch einen Prozess gefördert werden, den ich gerne „Friedenserziehung“ nenne. Ich bin überzeugt, dass man schon in jungen Jahren durch eine auf Verständigung gerichtete Pädagogik mit gelebter Vorbildhaftigkeit den Weg der Heranwachsenden
bestimmen und auch späteren Jahrgängen die Sinnhaftigkeit der Friedenspädagogik vermitteln kann. Dann sind praktische Schritte zu einem zivilisierten – also gewaltfreien – Neben- und Miteinander möglich; sie werden wegen des Begründungsdrucks auch zu einem Umdenken bei den Politikentscheidungen der Regierungen und Volksvertretungen niederschlagen. Gewaltlosigkeit nicht als Ausnahme sondern als Regel freiheitlicher, rechtsorientierter und auf Gerechtigkeit gerichteten Politik wird durch Friedenserziehung glaubwürdig.

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Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. (Hrsg): Promote Peace Education! Viele Stimmen für den Frieden. Tübingen 2006, S.51f.

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