Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Georg Dürr

Dr. Georg Dürr ist Schulleiter der evangelischen Schule Talitha Kumi in Beit Jala bei Jerusalem.

Heute Abend kommt im Fernsehen die sehr „frohe“ Nachricht, dass es neue Friedensinitiativen im Nahen Osten zwischen Israel und Palästina geben wird, nachdem eine Regierung der nationalen Einheit in Palästina gebildet wird. Es klingt wie Hohn, wenn man miterlebt, was sich täglich abspielt. Auch diese Bemühen werden scheitern und es wird noch schlimmer werden, wie mir führende israelische Politiker versichert haben. Es gibt wohl keine Gegend in der Welt, in der so viel Geld in Friedensinitiativen investiert wird, wie hier in Palästina und es gibt auch keine Stelle, an der es so wenig Frieden gibt. Warum? Die Menschen werden von einander getrennt, so dass sie keine positiven Erfahrungen miteinander machen können, die Erziehung der Menschen wird nicht darauf abgestellt, gegenseitige positive Beziehungen aufzubauen, sie ist beherrscht vielmehr von der Pflege von Vorurteilen und von einem sehr kurzsichtigen
tagespolitischen Machtgewinn. Der Frieden zwischen Frankreich und Deutschland ist gelungen, weil weitsichtige Persönlichkeiten die Menschen zueinander gebracht haben. Im Nahen Osten werden die Menschen durch zehn Meter hohe Mauern voneinander getrennt. Nur wenn es den Menschen ermöglicht wird, miteinander konstruktive Beziehungen aufzubauen, kann belastbares Vertrauen entstehen. Wir in Talitha Kumi versuchen die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen konstruktiv zu gestalten, und würden uns wünschen, dass in diesen Prozess auch die Juden mit einbezogen werden könnten. Nur wenn dieses Projekt Erfolge zeigt, kann es hier zu einem guten Miteinander kommen.

Der Verein für Friedenspädagogik hat sich in 30 Jahren einen Namen gemacht durch seine differenzierte Sichtweise und durch sein Bemühen, Menschen zusammen zu bringen. Dafür möchte ich den Verantwortlichen danken und ihnen die Kraft wünschen, auf diesem Weg weiter zu gehen.

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Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. (Hrsg): Promote Peace Education! Viele Stimmen für den Frieden. Tübingen 2006, S.23f.

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